Kritik an der Fifa

„Der Sport kontrolliert sich selbst“

Von Anno Hecker
 - 12:24

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) hat ein unabhängiges Kontrollsystem für die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland gefordert und die Intransparenz des Fußball-Weltverbandes in dieser Frage kritisiert. „Wer im Auftrag der Fifa die Profis kontrolliert, wissen wir nicht“, sagte Lars Mortsiefer, Vorstandsmitglied der Nada, am Dienstag auf Anfrage: „Wir haben bis zur WM nur Zugriff auf die deutschen Spieler, dann nicht mehr.“

Zuvor hatte die Nada-Vorsitzende Andrea Gotzmann während der Jahrespressekonferenz der Agentur in Berlin ihre Kernkritik wiederholt: „Der Sport kontrolliert sich selbst (...). Da sind die Interessenkonflikte zu groß.“

Während in Deutschland die Nada unter anderem das Kontrollmanagement auch im Profi-Fußball übernommen hat und der Europäische Fußball-Verband für seine Turniere Kontrollunternehmen auf Vorschlag der Agenturen zumindest aus demselben Pool beauftragt, lässt sich die Fifa nach den Worten Mortsiefers nicht in die Karten schauen. „Wir, die Nationalen Anti-Doping-Agenturen, stünden sicherlich als Ratgeber bereit“, sagte der Jurist, „aber davon wird kein Gebrauch gemacht.“

Mit Blick auf den Fall des Rennrad-Profis Christopher Froome forderte die Nada eine Entscheidung bis zum Start der Tour de France. In einer Probe des Briten war vor neun Monaten während der Spanien-Rundfahrt eine zu hohe Dosis des Asthmamittels Salbutamol festgestellt worden. Trotzdem wurde er nicht suspendiert und gewann zuletzt die Italien-Rundfahrt. „Es wäre fatal für Sportler und Sport“, sagte Mortsiefer, „wenn im September festgestellt würde, dass eine Sperre korrekt gewesen wäre.“ Der Internationale Rad-Sportverband hatte erklärt, er rechne nicht mit einer Entscheidung vor dem Beginn der Tour de France.

Deutsches Anti-Doping-Gesetz erhöht „Qualität“ der Verfahren

Das seit Dezember 2015 in Deutschland geltende Anti-Doping-Gesetz hat den Kampf gegen die Manipulation zwar nicht beschleunigt, aber nach Angaben von Mortsiefer die „Qualität“ der Verfahren vor allem wegen einer verbesserten Zusammenarbeit mit den drei Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften vergrößert. Die Zahl der 2017 enttarnten Doper entspricht in etwa der Quote von 2016. Die Nada organisierte im vergangenen Jahr 12.706 Kontrollen (16 351 Urin- und Blutproben). Dabei wurden 82 mögliche Verstöße registriert, die zu 24 Sanktionen führten.

2016 hatten 12.664 Kontrollen 98 Verfahren ausgelöst. In 20 Fällen kam es zu Verurteilungen. Der Etat der Nada umfasste im vergangenen Jahr 9,4 Millionen Euro. Den größten Teil, 5,8 Millionen, zahlt der Bund direkt. 2,0 Millionen kommen von den Sportverbänden als Übernahme der Kosten für die Kontrollen. Einer abgesprochenen, grundsätzlichen Unterstützung der Nada in Höhe von 500.000bis 600.000 Euro kommen die Verbände im Deutschen Olympischen Sportbund laut Mortsiefer seit Jahren nicht nach. Die deutsche Wirtschaft – darunter Unternehmen, die vom Geschäft mit Sport profitieren – beteiligt sich nicht am Etat.

Quelle: F.A.Z.
Anno Hecker
Verantwortlicher Redakteur für Sport.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenFIFANadaTour de FranceDeutschlandItalien-RundfahrtFußball-WeltmeisterschaftSpanien-RundfahrtUEFA