Olympische Winterspiele

Verschmähte Skifahrer gehen auf die Straße

Von Patrick Welter, Pyeongchang
 - 16:40

Demonstrationen sind in Südkorea an der Tagesordnung, und sie dürfen auch bei den Olympischen Winterspielen nicht fehlen. Die wohl erste Demonstration in Sichtweite des Olympiastadions gab es am Sonntag am Olympischen Platz im Städtchen Hoenggye. Fünf Skifahrer und Angehörige klagten lauthals darüber, dass der nationale Skiverband sie kurz vor Toresschluss von den Spielen ausgeschlossen hatte. „Der Koreanische Skiverband hat unsere Leben zerstört“ stand auf den Plakaten. Die Skifahrer mühten sich, im Kreis der gut zwei Dutzend Familienangehörigen besonders betroffen und weinerlich auszusehen. Das gehört in Südkorea dazu. Ihre Teilnahme an den Spielen scheiterte daran, dass Südkorea nur vier Plätze zu vergeben hatte.

„Nie hat man uns eine Begründung für den Ausschluss gegeben“, sagte Kim Hyun-tae, einer der Verschmähten. Der 28 Jahre alte Super-G-Fahrer trug demonstrativ die Kleidung der südkoreanischen Mannschaft, die ihm und seinen Kameraden schon ausgehändigt worden war. Nur wenige Minuten vor der offiziellen Aussendung der Olympiamannschaft Ende Januar hab er erfahren, dass er nicht teilnehmen dürfe, empört sich Kim. Vier Jahre habe er trainiert und jetzt das. Für die nächsten Olympischen Winterspiele wolle er nicht mehr trainieren. Die Enttäuschung sitzt offenbar tief. Sein künftiger Beruf werde ihn auf jeden Fall nicht mehr auf den Schnee führen, sagt Kim leise. Einer der fünf, der erst nach der Aussendungsfeier erfuhr, dass er gar nicht dabei sein durfte, hat gar vor Gericht eine Einstweilige Verfügung beantragt.

„Warum dürfen wir als Gastgeberland nicht ein paar Sportler mehr schicken“, schimpft lauthals Rhee Choong-won, dessen Sohn schon wieder beim Militär Dienst leistet und der deshalb nicht persönlich protestieren konnte. Doch der Skiverband habe sich nie darum gekümmert. Sein Sohn sei um so empörter, sagt Rhee, weil das Internationale Olympische Komitee möglicherweise auch noch weitere russische Sportler zulassen werde.

In der eisigen Luft in Hoenggye bat Kim Jong-hwan, der Generalsekretär des koreanischen Skiverbandes, mit tiefer Verbeugung vor den Protestierern um Entschuldigung. Er verbreitet ein wenig Hoffnung für die verschmähten Fünf. Der Verband habe eines der großen Anwaltsbüros beauftragt, die Rechtslage zu prüfen, sagte Kim der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Das Olympische Komitee Koreas habe schon beim IOC angefragt, ob man nicht ein paar Skifahrer mehr schicken dürfe. Doch dieser Hoffnungsschimmer hat sich schon lange zerschlagen. Das IOC erklärte auf Anfrage, den Wunsch der Koreaner schon vor einigen Tagen abgelehnt zu haben.

Quelle: F.A.Z.
Patrick Welter
Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
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