Reinhold Messner im Gespräch

„Ein einziger Selbstbetrug“

 - 12:23

Reinhold Messner warnt vor den Folgen fehlenden Vertrauens in Politiker und Wirtschaftsführer. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (ab 20 Uhr des Vorabends für Abonnenten im e-Paper) sagte der 73 Jahre alte Südtiroler, Abenteurer, Autor und Unternehmer: „Man kritisiert deutsche Manager, die acht oder zehn Millionen kriegen. Es gibt Fußballer, die kriegen 50 oder 120. Die Leistung ist eine minimale zu dem, was ein Wirtschaftsführer macht, auch an Risiko auf sich nimmt. Das gleiche gilt für Spitzenpolitiker. Die Spitzenpolitiker kriegen kein ordentliches Gehalt, im Großen und Ganzen. Gelten aber als Absahner, sogar als Verbrecher. Leute laufen herum mit Schildern „Merkel an den Galgen“. Das ist eine sehr harte Geschichte.“

Messner kritisierte in diesem Zusammenhang die Methoden des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der mit seinem Verhalten die Vertrauenskrise in der westlichen Gesellschaft schüre. „Was er nicht selbst ins Netz stellt, ist Fake. Das macht er, um sein Volk so weit zu bringen, dass alle sagen: Alles ist Lug und Trug. Damit sind große Gefahren verbunden.“

Messner warnte zudem vor der Verdrängung des Alpinismus durch Tourismus und die Vereinnahmung des Kletterns durch den Sport. Inzwischen werde die Besteigung des Mount Everest eingekauft „wie ein Hotelurlaub. Die meisten Leute würden keine zwei Schritte machen in Eigenregie. Aber denen redet man den Berg zuerst klein und sagt: das ist alles präpariert, brauchst nicht klettern können. Du gehst rauf, der Sherpa führt dich, der gibt dir im richtigen Moment den Sauerstoff, zieht dir die Steigeisen an und dann bist du oben. Und wenn du runterkommst, hast du den höchsten Berg der Welt bestiegen. Ein einziger Selbstbetrug.“

Quelle: FAZ.NET
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