Sport im Koalitionsvertrag

Rentenhilfe für Athleten und mehr Geld für Sportanlagen

Von Michael Reinsch, Berlin
 - 18:19

Die Spitzensportförderung des Bundes soll um zwei neue Komponenten angereichert werden: finanzielle Unterstützung von Kommunen, die mit dem Unterhalt von Sportanlagen wie Bob- und Rodelbahnen, Eisschnelllauf- und Schwimmhallen finanziell überfordert sind. Und um eine Rente für Spitzenathleten mit Amateurstatus. Das geht aus dem Entwurf des Koalitionsvertrages hervor, den CDU/CSU und SPD am Mittwoch veröffentlicht haben. In beiden Fällen geht es um Millionen-Beträge, die zusammen gut ein Viertel jener hundert Millionen Euro ausmachen dürften, welche der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) für die Reform des Spitzensportes zusätzlich zur bisherigen Förderung aus dem Innenministerium von gut 160 Millionen Euro erwartet.

Für den CDU-Abgeordneten und ehemaligen Turn-Weltmeister Eberhard Gienger ist die Aussicht auf Altersvorsorge für Athleten das hervorragende sportpolitische Thema des Koalitionsvertrages. Demnach sollen für Spitzensportler, die nicht über Profi-Verträge verfügen, während ihrer Karriere Rentenverträge geschlossen und vom Staat finanziert werden. Die Abwicklung könnte über die Stiftung Deutsche Sporthilfe erfolgen; in die gesetzliche Rentenversicherung können Athleten aus rechtlichen Gründen nicht aufgenommen werden. Auch die duale Karriere, Ausbildung oder Studium, von Sportlerinnen und Sportlern, die nicht bei Bundeswehr, Polizei oder Zoll beschäftigt sind, soll stärker unterstützt werden als bisher. Im Gespräch sind Stipendien, wie es sie neuerdings im paralympischen Sport gibt. „Wir nehmen den Athleten die Angst vor der Zukunft“, sagt Gienger. „Bisher gab es in diesem Bereich ein Defizit.“

Uneinig sind sich die Sportpolitiker über die Finanzierung der Geschäftsstelle von Athleten Deutschland e.V., mit deren Gründung sich die Athletensprecher des deutschen Sports unabhängig vom DOSB gemacht haben. Abgeordnete der Union vertreten die Auffassung, die Athletenvertreter sollten innerhalb der Verbandsstrukturen agieren. Eine Überraschung ist die Ankündigung, Städte und Gemeinden beim Betrieb von Spitzensport-Stützpunkten stärker zu unterstützen. Die Koalition will „dem Modernisierungs- und Sanierungsstau in der Infrastruktur der Sportanlagen, die dem Spitzensport dienen, entgegenwirken“, heißt es im Vertrag. „Insbesondere wollen wir uns stärker an den Unterhaltskosten der Spitzensportanlagen, die in kommunaler Trägerschaft liegen, beteiligen.“

Bislang unterstützte der Bund solche Stützpunkte mit acht Millionen Euro pro Jahr. Nach Informationen dieser Zeitung soll der Betrag mehr als verdoppelt werden. Insbesondere Anlagen mit hohem Energiebedarf belasten Städte und Gemeinden über Gebühr. Parlamentarier und Verwaltung sehen in der Überschuldung von Gemeinden die Gefahr, dass Sportanlagen geschlossen werden könnten. Ihr Unterhalt gehört nicht zu den kommunalen Pflichtaufgaben.

Für die Bewerbung um Großveranstaltungen, „insbesondere Olympische und Paralympische Spiele und Universiaden“, erwartet die Koalition eine langfristige Strategie; dafür wolle sie übergeordnete Leitlinien entwickeln. Dies solle, verspricht Gienger, Fehler wie bei den Olympiabewerbungen von München, Garmisch und Hamburg vermeiden helfen.

Von Horst Seehofer, der im Kabinett für Inneres und Spitzensport sowie für Heimat und Bau zuständig werden soll, erwartet der SPD-Abgeordnete Detlef Pilger den Blick auf die gesellschaftliche Kraft des Sports; der CSU-Politiker sei schließlich stets Sozialpolitiker gewesen. So könnten hoffentlich Breitensport und Vereine von der mit zwei Milliarden Euro ausgestatteten Investitionsoffensive für Schulen profitieren; schließlich gehörten deren Sportstätten zum geförderten Ganztagesangebot. Das Gesamtpaket sei eine gute Grundlage für vier Jahre gemeinsamer Arbeit.

Darüber hinaus will die Koalition bei der Entwicklung Deutschlands zum „Digitalland“ E-Sport als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen, „da E-Sport wichtige Fähigkeiten schult, die nicht nur in der digitalen Welt von Bedeutung sind“. Der Wettbewerb am Bildschirm solle deshalb sogar Unterstützung erhalten „bei der Schaffung einer olympischen Perspektive“.

Quelle: F.A.Z.
Michael Reinsch
Korrespondent für Sport in Berlin.
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