Trump lädt Football-Team aus

Hymne ohne Hurensöhne

Von Andreas Ross, Washington
 - 19:29

Am Montagabend ließ der Präsident der Vereinigten Staaten eine scharfe Erklärung veröffentlichen. Achtzehn Stunden vor dem geplanten Empfang der Philadelphia Eagles lud Donald Trump die Football-Meister aus. Denn die Superbowl-Sieger „können nicht mit ihrer ganzen Mannschaft ins Weiße Haus kommen“, klagte Trump. „Sie sind mit ihrem Präsidenten nicht einverstanden, weil er darauf besteht, dass sie für die Nationalhymne stolz stehen, die Hand auf dem Herzen, zu Ehren der großartigen Männer und Frauen unseres Militärs und der Menschen unseres Landes.“

Die tausend Fans, die sich für die Feier angemeldet hätten, „verdienen Besseres“ als nur jene „kleinere Delegation“ ihres Teams, die ihr Kommen zugesagt habe – nämlich gar keine Eagles, sondern Trump pur. „Ich werde da sein“, versprach der Präsident. Man werde eine „andere Sorte Fest“ feiern und Amerikas Hymne „laut und stolz“ spielen.

Wenn stimmt, was Mitarbeiter Trumps später erzählten, hatten am Montag nur noch rund zehn Teamvertreter ihre Teilnahme zugesagt, obwohl zunächst etwa siebzig Personen auf der Liste gestanden hätten. Dabei standen die Eagles bisher überhaupt nicht im Zentrum des Streits, den Trump nun abermals angeheizt hat.

Keiner ihrer Spieler hatte sich in der vorigen Saison hingekniet oder war gar auf der Bank geblieben, während die Hymne gespielt wurde – nicht einmal am 24. September, als das Dutzende Spieler im Land taten und ganze Mannschaften während der Hymne in der Kabine blieben. Tage zuvor hatte Trump protestierende Football-Spieler auf einer Kundgebung als „Hurensöhne“ bezeichnet und verlangt, sie sofort zu feuern.

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Reaktion auf ProtestNFL-Spieler müssen bei Nationalhymne stehenbleiben

Kaepernick findet keinen Verein mehr

Allerdings haben auch Mitglieder der Mannschaft aus Philadelphia Solidarität mit Colin Kaepernick bekundet, dem Quarterback der San Francisco 49ers. Der Afroamerikaner war 2016 als erster Spieler während der Hymne sitzen geblieben oder hatte sich auf ein Knie niedergelassen, um gegen Polizeigewalt zu protestieren. Seit Trump einen großen Skandal aus der Sache machte, findet Kaepernick keinen Verein mehr.

Diese Feigheit der Teambesitzer regt auch Spieler auf, denen die Nationalhymne heilig und die Politisierung des Sports ein Graus ist. Ungebrochen ist auch der Unmut in vielen Mannschaften über neue Regeln zur Hymnenetikette, auf die sich die Teambesitzer kürzlich verständigt haben. Demnach müssen Spieler und ihre Teams mit Strafen rechnen, wenn sie bei der Nationalhymne nicht stehen. Es steht den Sportlern aber frei, während der Hymne in der Kabine zu bleiben.

Trump hatte den Beschluss der NFL zwar zunächst gelobt und dabei bekräftigt, dass Spieler, die zur Hymne nicht stehen, „vielleicht nicht in unserem Land sein sollten“. Doch nun hat er sich offenbar entschieden, dass es schade wäre, ein Kriegsbeil schon zu begraben, mit dem er Amerikas Spieler, Fans und Funktionäre so erfolgreich spaltet – und seine Basis begeistert. Nach der Ausladung der Eagles schrieb Trump auf Twitter: „Während der Nationalhymne in der Kabine zu bleiben ist genauso respektlos gegenüber unserem Land wie knien. Sorry!“

Die Panik der Teambesitzer

Die „New York Times“ war kürzlich an den Mitschnitt einer NFL-Krisensitzung vom vorigen Oktober gelangt. Er zeugt von der Panik, die manche Teambesitzer ergriffen hatte: Sie sahen Anzeichen dafür, dass Trumps Attacken auf die vermeintliche Vaterlandsfeindlichkeit vieler (schwarzer) Spieler im Publikum verfingen und die Zuschauerzahlen nachließen.

Auch der Inhaber der Philadelphia Eagles, Jeffrey Lurie, suchte ein Appeasement. Die Trump-Präsidentschaft nannte er in der Sitzung zwar „katastrophal“. Aber Lurie warnte davor, sich in einen Streit hineinziehen zu lassen, den Trump aus politischem Kalkül angezettelt habe. „Wir müssen einen Weg finden, uns nicht spalten und nicht ködern zu lassen.“ Lurie und die Mannschaft hielten sich nach der Ausladung bedeckt. In einem Tweet beschworen sie die „inspirierende“ Einigkeit der „Eagles-Community“, ohne auf den geplatzten Termin einzugehen.

In die Bresche sprangen demokratische Politiker. Philadelphias Bürgermeister Jim Kenney sagte, die Ausladung beweise nur, „dass unser Präsident kein wahrer Patriot ist, sondern ein fragiler Egomane“. Senator Bob Casey lud die Mannschaft ein, am anderen Ende der Pennsylvania Avenue das Kapitol zu besuchen.

Torrey Smith, bis vor kurzem ein Wide Receiver der Eagles, zählte derweil auf Twitter Trumps „Lügen“ auf: Erstens hätten nie viele Spieler vorgehabt, an Trumps Feier teilzunehmen. Zweitens habe das kein einziger „Eagle“ deshalb verweigert, weil Trump darauf bestehe, dass bei der Hymne gestanden werde. Drittens „hört der Präsident nicht auf, fälschlich zu behaupten, dass die Spieler gegen das Militär wären“.

In der Tat hört Trump nicht auf. Dienstag früh bewarb er abermals die geplante Hymnenhuldigung und twitterte: „Keine Flucht in die Umkleide, NFL!“

Quelle: F.A.Z.
Andreas Ross
Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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