Biathlon in Ruhpolding

Ungekannte Schwächen bei Laura Dahlmeier

Von Claus Dieterle, Ruhpolding
 - 17:04

Dorothea Wierer, die Schnellschützin aus Südtirol, blieb auch zum Schluss ihrer forschen Linie treu: volles Risiko. 22,1 Sekunden für die letzte Schießeinlage, das ist eine Zeit, wie man sie eher im Sprint vermutet denn im Einzel, wo doch jeder Fehler eine Strafminute kostet. Doch auch die letzten fünf der insgesamt 20 Scheiben fielen, und das war für die 27 Jahre alte Italienerin am Mittwoch in der Ruhpoldinger Chiemgau-Arena der Schlüssel zum Erfolg im 15-Kilometer-Einzel. Auf Platz zwei kam die Finnin Kaisa Mäkäräinen vor der Überraschungsdritten, Rosanna Crawford aus Kanada. Schnell, treffsicher, laufstark – das ist eine unschlagbare Kombination.

Davon sind die deutschen Biathletinnen derzeit weit entfernt. Sie mögen läuferisch auf der Höhe sein, aber mit dem Kleinkalibergewehr kommen sie nicht zurecht. Ruhpolding wird als einer der leichteren Schießstände im Weltcup eingestuft. Nur Maren Hammerschmidt auf Platz 15 kam mit zwei Strafminuten davon. Franziska Hildebrand) handelte sich drei Fehler ein und wurde 17. Denise Herrmann kam auf fünf Strafminuten, wobei ihr noch die fehlende Erfahrung zugute halten kann. Für die fünfmalige Weltmeisterin von Hochfilzen trifft das nicht zu: Vier Fahrkarten sind für eine Präzisionsschützin wie Laura Dahlmeier ein ungewöhnliches Schießresultat.

„Abhaken“

Bis zum dritten Schießen war für die 24 Jahre alte Skijägerin alles nach Plan gelaufen. Zehn Schuss – zehn Treffer, zwischenzeitlich sogar die Führung, aber was hilft eine gute erste Halbzeit, wenn sich in der zweiten ungekannte Schwächen einschleichen. „Ich weiß gar nicht recht, was da passiert ist“, sagte Laura Dahlmeier nach Rang 48, ihrer schlechtesten Plazierung der gesamten bisherigen Karriere. „Ich habe gedacht: Mach’ es wie vorher.“

Das Schussbild war immerhin in sich geschlossen. Die Biathleten sprechen dann von einer Trefferverlagerung. Aber vorbei ist vorbei: „Abhaken“, sagt Laura Dahlmeier. Bundestrainer Gerald Hönig war über den Auftritt seiner „Mädels“ gar nicht erfreut: „So darf man sich nicht verkaufen. Nicht bei den guten Bedingungen und mit dieser schießstarken Mannschaft. Da werden wir etwas länger drüber reden müssen.“

Quelle: F.A.Z.
Claus Dieterle
Sportredakteur.
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