Eishockey

DEG auf der Suche nach Identität

Von Bernd Schwickerath
 - 17:31

Dan Bakala war noch keine 48 Stunden in Deutschland, da stand er verschwitzt und müde im Kabinengang der Multifunktionshalle im Düsseldorfer Norden. Der 29 Jahre alte Kanadier hatte gerade seine ersten 60 Minuten als Torwart der Düsseldorfer EG erlebt: 3:2 nach 0:2 gegen Bremerhaven. Doch das war bereits kein Thema mehr.

Ob er sich schon auf das große Derby der Deutschen Eishockey Liga freue, wurde er gefragt. Auf diesen Freitag, wenn die DEG zum 216. Duell mit den Kölner Haien anreist. „Ich habe noch nie von ihnen gehört“, antwortete Bakala leicht verlegen, „aber okay, wir mögen sie nicht, das wird lustig.“

Ein Düsseldorfer, der die Kölner nicht kennt? Das passt zur DEG im Herbst 2017. Zu einem Verein im Umbruch mit neuem Torwart (Bakala), neuem Kapitän (Darryl Boyce) und neuem Trainer (Mike Pellegrims). Beim 215. Derby im Februar hieß der Torwart Mathias Niederberger, der Kapitän Daniel Kreutzer, der Trainer Christof Kreutzer. Drei Männer, die das Eishockeyspielen an der berühmten Brehmstraße im noblen Zooviertel erlernten. Drei Männer, die über ihre Eltern in die DEG hineingeboren wurden.

Die DEG verlor ihre bekanntesten Gesichter

Während Niederberger, 24 Jahre alt, Sohn des Meister-Verteidigers Andreas, lediglich verletzt ausfällt, gehören die anderen gar nicht mehr dazu. Das Ende der Vorsaison, in der die DEG als Elfte die Play-offs verpasste, war auch das Ende der Kreutzer-Ära. Trainer Christof, 50 Jahre alt, musste gehen, bei Bruder und Kapitän Daniel streikte mit 37 Jahren der Körper nach 1066 DEL-Einsätzen und 796 Scorerpunkten.

Die DEG verlor ihre bekanntesten Gesichter. Zwei Brüder, die als Söhne der Stadiongastronomen im Wortsinn im Verein aufgewachsen waren. Und die ihn aufrichteten, als er 2014 am Boden lag. Nur ein Jahr benötigten sie, um den Tabellenletzten ins Halbfinale zu führen. Es war fast zu kitschig. Doch im dritten Kreutzer-Jahr verletzte sich Daniel schwer an der Schulter, Christof bekam das satt wirkende Team nicht mehr in die Gänge. Vorbei war es mit der Romantik.

Geschäftsführer Stefan Adam griff im Sommer durch: neuer Sportlicher Leiter, neue Trainer, ein Dutzend neue Spieler. Das ist nicht ohne Risiko für einen Verein, der in seiner Geschichte gefangen scheint. Dessen Fans noch immer von den goldenen Jahren an der brodelnden Brehmstraße mit acht Meistertiteln schwärmen. Der letzte ist mehr als 20 Jahre her, das Stadion ist längst ein anderes, aber die Namen Kreutzer und Niederberger erinnerten an frühere Zeiten.

Ist Pellegrims mit vollem Herzen dabei?

Eine DEG-Vergangenheit hat auch Pellegrims. Von 2001 bis 2006 verteidigte der Belgier in Düsseldorf. Als er im Sommer als neuer Trainer vorgestellt wurde, nannte er seine Rückkehr „nach Hause kommen“. Das waren natürlich nur Worte, einen heimeligen Eindruck macht er auch nach sechs Monaten nicht. Gerade im Vergleich zu seinem Vorgänger.

Nach Siegen jubelte Kreutzer manchmal wie die Fans auf den Sitzplätzen hinter ihm, lief es nicht, motzte er wie die auf den Stehplätzen gegenüber. Dann schrie er die Schiedsrichter an, schmiss Trinkflaschen oder knallte die Bandentür. Die Fans liebten ihn dafür. Die der Gegner hassten ihn.

Bei Pellegrims hat niemand den Eindruck, er sei mit dem Herzen dabei. Nach außen gibt er sich unnahbar, er redet kaum, begegnet jedem mit Misstrauen. Intern gilt er als Disziplin-Fanatiker. Als Erstes strich er den Spielern den üblichen, monatelangen Sommerurlaub und ließ Kraft und Ausdauer bolzen. Noch vor Saisonstart schmiss er den ersten Spieler aus dem Kader.

Kein Spiel ohne Lob des Gegners

Sportlich hat er das Team so weiterentwickelt. Kein Spiel vergeht derzeit ohne Lob des Gegners. „Düsseldorf hat jetzt ein ganz anderes Gesicht, ein ganz anderes Team, das ganz anderes Eishockey spielt“, sagte Bremerhavens Trainer Thomas Popiesch am Sonntag. Die neue DEG ist nicht mehr alt und träge, sie ist schnell und aufregend. Aber hin und wieder geht ihr die Puste aus. Nach elf Spielen ist sie Achter.

Gut läuft es gegen die Großen, es gab Siege gegen Mannheim und Meister München. Entsprechend hoffnungsvoll reist man jetzt zum Spitzenteam nach Köln, das als Tabellenfünfter nicht ganz in der Spur ist.

Nun fällt auch noch Haie-Torwart Gustaf Wesslau aus, der beste Spieler der Vorsaison. Wie die DEG können die Kölner nicht auf ihre Nummer eins zurückgreifen. Allerdings hat ihr Ersatzmann Daniar Dshunussow einen Vorteil gegenüber Düsseldorfs Bakala: Er kennt den Gegner.

Quelle: F.A.Z.
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