Eishockeystar Leon Draisaitl

Mit Muskeln und Millionen

Von Anne Armbrecht, Calgary
 - 17:34

Leon Draisaitl ist ein gefragter Mann dieser Tage. Mehr als ein paar Minuten Smalltalk sind zwischen Training, Sponsorenterminen und sonstigen Wünschen nicht drin. Jetzt, da eben die neue Saison begonnen hat für den Center und seine Edmonton Oilers in der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL. Draisaitl ist gebürtiger Kölner und 21 Jahre alt. Seit dem NHL-Draft 2014 ist der 1,85 Meter hohe und inzwischen über 100 Kilogramm schwere Center im Team zu mehr als einer festen Größe herangewachsen.

Mit dem auch erst 20 Jahre jungen Connor McDavid, dem „Most Valuable Player“ und besten Scorer der Vorsaison, bildet er das derzeit vielleicht gefürchtetste Offensivduo der Liga. In der vergangenen Spielzeit brachten es beide auf zusammengezählte 177 Punkte. Draisaitl selbst erzielte 77. Entsprechende Aufmerksamkeit ist ihm in dieser Saison sicher – ganz gleich, ob er sich behelmt auf dem Eis oder mit Sieben-Tage-Bart und nach hinten gekämmtem Haar auf den Straßen bewegt.

Achtjahresvertrag bei den Edmonton Oilers

Begehrlichkeiten anderer Klubs haben die Kanadier mit einem Achtjahresvertrag einen Riegel vorgeschoben. Draisaitl selbst kommentiert die Langzeitverpflichtung nur leidlich. Er fühle sich wohl hier, sagt er. Eigentlich ist inmitten der Provinz Alberta nicht viel nennenswert, abgesehen von einer gigantischen Shoppingmeile mit Riesenrad und eiskalten Wintern. Doch Edmonton hat ein junges und ehrgeiziges Team. Manche trauen ihm schon den Sieg im Stanley Cup zu. Da kann eine Eishockey-Nation schon mal ins Träumen geraten: Zuletzt ging der Pokal vor 25 Jahren an ein kanadisches Team. „Wir wollen den nächsten Schritt machen“, sagt Draisaitl.

Edmonton war fünfmal NHL-Meister, damals, als Wayne Gretzky bei den Oilers spielte, und ein letztes Mal 1990, als Gretzky nach Los Angeles gegangen war. Im vergangenen Frühling reichte es mit Draisaitl und McDavid als Leitwölfen erstmals seit zehn Jahren wieder für die Play-offs. Im Viertelfinale war gegen die Anaheim Ducks Endstation. Die Leistung macht sich inzwischen auch auf dem Konto bemerkbar. Bis 2025 verdient Draisaitl etwa 68 Millionen Dollar.

Sorge, dass er abheben könnte, haben sie bei den Oilers deshalb nicht; ebenso wenig wie Angst, das Gewicht des Geldes könnte zu schwer auf den jungen Schultern liegen. Der Multimillionär selbst gibt sich ebenfalls gelassen. „Der Vertrag ändert für mich nichts“, sagte er kürzlich dem „Edmonton Journal“: „Ich bleibe ich selbst, spiele genauso weiter. Ich mache dieselben Dinge wie letztes Jahr und versuche, noch ein bisschen besser zu werden.“

Draisaitl will noch schneller und wendiger werden – die Gegner noch ein bisschen mehr durcheinanderwirbeln. Im Sommer hat er noch einmal Gewicht draufgepackt. Es scheint sich auszuzahlen: Zum stimmungsvollen Saisonauftakt beim 3:0 gegen die Calgary Flames legte er gleich zweimal seinem Partner McDavid auf. In der darauffolgenden Partie unterlagen sie bei den Vancouver Canucks 2:3. Mit dem Match gegen die Winnipeg Jets in der Nacht auf Dienstag (3 Uhr MESZ) beginnt eine Serie von drei Heimspielen für die Oilers. Das Liga-Finale wäre im Frühling. Olympia käme ihm nicht in die Quere: Die NHL hat ihren Spielern ein Startverbot auferlegt. „Schon schade“, findet Draisaitl.

Quelle: F.A.Z.
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