Eishockey-Kommentar

Besser bleiben!

Von Marc Heinrich
 - 14:45

Eindrucksvoller geht es kaum! So überlegen wie der EHC München seinen Titel verteidigte, gibt es keinen Zweifel an der Ausnahmestellung, die sich der Klub in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in Rekordzeit erarbeitete. Noch vor zehn Jahren waren die Bayern eine kleine Nummer in der zweiten Liga – seitdem haben sie die Konkurrenz erst überholt und nun eiskalt abgehängt. Der Durchmarsch durch die Play-offs, der von einer Leistung im Finale gekrönt wurde, die keinen Zweifel an der Extraklasse dieses Teams aufkommen ließ, schloss sich nahtlos an die überragenden Vorstellungen der Hauptrunde an.

Wolfsburg war nicht in der Lage, den Favoriten bei seinem wiederholten Triumphzug aufzuhalten. Die Niedersachsen schlugen sich tapfer, agierten phasenweise auf Augenhöhe, doch sie stießen an Grenzen stieß, als der Favorit aufdrehte. Die Endspielserie besaß von der ersten bis zur letzten Minute hohen Unterhaltungswert und war deswegen in erster Linie vor allem auch eines: beste Werbung für das deutsche Eishockey, das in diesem Frühsommer mit der Heim-WM in Köln darauf hoffen kann, weiter an Anziehungskraft (zurück) zu gewinnen.

Der Münchner Turbo-Erfolg wurde im Eil-Tempo erkauft. Die Jagd nach dem Puck gehört in den Augen des Milliardärs Dietrich Mateschitz neben Formel 1 und Fußball zu den attraktivsten Sportarten. Sie sind ihm lieb und teuer, und mit ihrer Hilfe vermarktet er zugleich sein Brausegetränk. Millionen steckte der Österreicher in die Wiederbelebung des Eishockey-Standorts München, der aufgrund vieler strategischer Fehler der Vorgänger ein Schattendasein fristete. Mit dem Einstieg von Mateschitz hat sich seit 2012 allerlei geändert – vielfach zum Guten.

Das Geld wurde sinnvoller investiert als an anderen DEL-Schauplätzen, in denen es ohne die tatkräftige Unterstützung spendabler Mäzene wirtschaftlich ebenfalls fast gar nichts geht. Don Jackson, der Meistermacher, weiß die guten Arbeitsbedingungen zu schätzen und nutzt sie überzeugend. Der Amerikaner war mit seinem Gespür bei der Kaderplanung auch in dieser Saison der wichtigste Erfolgsfaktor im Münchner Sieger-System: Der Coach übertrug seine Gewinner-Mentalität auf die Mannschaft.

„Besser bleiben“, lautet das Motto des einstigen Stanley-Cup-Siegers, das ihn bewegt und mit dem er antreibt. Mit einer Mischung aus Routine, Willen und körperlicher Fitness setzten sich seine Leute durch. Wenn künftig vermehrt jugendliche Leichtigkeit in den eigenen Reihen hinzukommt, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass die Münchner auf Dauer eine dominante Rolle in der DEL spielen. Die Jugendförderung an ihrer exzellent ausgestatteten Klub-Akademie setzt im deutschen Eishockey neue Maßstäbe. Diese Zukunfts-Investition verspricht perspektivisch einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil: Wenn der alte und neue Champion auch bei der Rückbesinnung auf die Wurzeln der Sportart als Vorreiter punktet, wäre dies eine weitere Meisterleistung, mit der sich die Emporkömmlinge von den arrivierten Gegnern absetzen können.

Quelle: FAZ.NET
Marc Heinrich  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Marc Heinrich
Sportredakteur.
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