DJane Susanna Kim

Hits, Hits, Hits

Von Florian Siebeck
 - 13:40
© Johannes Krenzer, F.A.Z.

Susanna Kim macht den Sound der Fashionweek. Am Ende des Interviews finden Sie ihre musikalischen Tipps für die laufende Modewoche.

Frau Kim, wie wird man eigentlich DJ?

Bei mir ist es aus der Not geboren. Ich komme aus der Mixtape-Zeit, als es noch Kassetten gab, noch vor iTunes und Spotify. Nach der Ära der Mixtapes habe ich immer an der einen Liste mit meinen Lieblingsliedern gearbeitet, bin aber nie fertig geworden. Freunde haben sich schon lustig gemacht über mein „never ending project“. Irgendwann habe ich eine Party gemacht, auf der ich die Songs dieser Liste gespielt habe, weil ich sie selbst gerne laut hören wollte. Sie hieß: „Shut Up and Dance“. Dann fragten mich Freunde, ob ich nicht auf ihrer Hochzeit auflegen wolle. Ein anderer Freund ließ mich mit seinen Platten rumprobieren. Daraus hat sich das alles nach und nach entwickelt.

Und der Name „Kim Kong“?

Kim ist mein Nachname, der Rest ein Wortspiel. Als Alternative stand damals noch „Nastassja Kimchi“ im Raum.

Und wie kamen Sie zur Mode?

Als ich in Berlin auf dem Designerflohmarkt auflegte, kam Hien Le auf mich zu. Ich hatte ihn kurz vorher im Fernsehen gesehen, davor kannte ich ihn gar nicht. Der Tag war schon fortgeschritten, und es herrschte diese typisch nette Flohmarkt-Atmosphäre. Hien lief an mir vorbei, kam zurück und meinte: „Ich mag echt gerne, was du auflegst.„ Und ich sagte: „Und mir gefällt, was du entwirfst.“ Drei Wochen später hat er mich gefragt, ob ich die Musik für seine Show machen will.

Wie wählen Sie die Lieder aus?

Das kommt auf den Designer an. Hien zum Beispiel sagt mir, was gerade bei ihm passiert und welche Lieder er oft hört, während er die Kollektion entwickelt. Ich überlege mir dann, was noch dazu passen könnte. Ich versuche, immer auch neuere Songs einzubringen, die noch nicht totgespielt sind. Wenn wir dann am Ende beide das Set gut finden, dann passt es auch für die Show.

Worauf müssen Sie besonders achten?

Auf die Länge. Es ist eben ein Mix. Hien sagt mir: Es gibt x Looks, für die wir x Minuten haben. Das muss im Rahmen sein. Die Exposition muss stimmen, und es sollte einen Höhepunkt geben, eine Dramaturgie. Ein Album erzählt ja im besten Fall eine Geschichte, und für den Laufsteg versuche ich das mit der Musik auch.

Was lernt man da so über die Leute?

Jeder Designer hat einen anderen Zugang zur Musik und will etwas anderes. Als ich zum Beispiel mit Malaika Raiss gearbeitet habe, ging es um eine Kollektion mit recht punkiger Attitude. Sie sagte mir, sie habe früher viel Punk gehört. Das hat mich überrascht, und ich fand das sehr cool.

Achten Sie darauf, dass die Models zu der Musik auch gut laufen können?

Ja. Musik kann das Laufen einfacher oder schwieriger machen. Ich habe das selbst erfahren: Früher ging ich immer mit Kopfhörern joggen. Das hat mich aber vollkommen aus dem Konzept gebracht. Bei einem langsamen Lied bin ich geschlichen, bei schnellen Liedern bin ich gerannt und war gleich aus der Puste. Da habe ich es gelassen.

Wie halten Sie's persönlich mit der Mode?

Ich habe einen älteren Bruder. Wenn man seine ganze Jugend mit „Stirb langsam“ und „Rambo“ verbringt, fährt man erst mal lieber Skateboard und befasst sich eher mit Sneakern als High Heels. Bis vor ein paar Jahren hatte ich das Credo: Weiß im Sommer, Schwarz im Winter. Mittlerweile trage ich aber auch Farben. Ich befasse mich nicht sehr intensiv mit Mode. Ich finde zwar auch Volants und Rüschen schön, aber mein Stil ist geradlinig und klar, nicht zu mädchenhaft.

Wo sind Sie, wenn die Schau losgeht?

Meist sitze ich im Publikum und beobachte die Zuschauer. Wenn die Leute mit dem Kopf im Rhythmus nicken, ist das cool, besonders beim letzten Lied. Ein Finalsong soll gute Laune machen. Ich will, dass die Leute mit einem guten Gefühl aus der Show gehen.

Ein paar Kurzfragen: Köln oder Düsseldorf?

Köln.

Justin Bieber oder Ariana Grande?

Justin Bieber.

Playlist oder Mixtape?

Mixtape.

Schon mal allein zu Hause „Atemlos“ gehört?

Nein, nie.

Waren Sie als Kind auf der Musikschule?

Ich habe im Kindergarten mit musikalischer Früherziehung angefangen. Dann Blockflöte. Danach wollten meine Eltern, dass ich Klavier lerne, weil wir eines hatten. Ich habe mich aber für Querflöte entschieden, mit Orchester und allem. Nur das Vorspielen war schrecklich.

Wie schaffe ich es, dass Sie auf Partys meinen Wunschtitel spielen?

Gar nicht so schwer. Aber erstens: Es bringt nichts, Wünsche aus der Entfernung zu äußern. In der Regel höre ich nichts. Man muss schon hinters Pult kommen. Der Klassiker: Leute, die dir den Titel auf dem Handy zeigen und dir zunicken. Denen muss man verklickern: Ich kann jetzt nicht. Zweitens: freundlich fragen. Einfach einen Song bestellen, das geht nicht.

Drittens: nicht beleidigt sein, wenn der DJ den Titel nicht sofort spielt. Manchmal passt ein Song einfach nicht ins Set. Es gibt viele Leute, die dann vor dem Pult warten. Da denke ich immer: Warum? So verdirbt man sich doch selbst den Abend.

Mit welchem Song hat man alle auf seiner Seite?

„Hypnotize“ von Notorious B.I.G. – kennt jeder, macht gute Laune.

Und was ist der Rausschmeißer?

Wenn ich einen aktuellen Favoriten habe, der zu langsam zum Tanzen ist, dann kommt der dran. Und ab und an „Purple Rain“.

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Meine Devise lautet: Hits, Hits, Hits. Fast egal aus welchem Genre. Bei einer Party sollen die Leute tanzen. Da funktioniert das gut.

Die Reihenfolge der Titel wählen Sie vorher aus?

Ich baue mir ein grobes Gerüst, der Rest ist abhängig von der Tagesstimmung.

Noch Wünsche?

Ich würde gerne mal in Seoul auflegen. Die Partykultur ist dort ganz anders. In Korea trinkt man zum Beispiel erst sein Glas aus und stellt es weg, bevor man auf die Tanzfläche geht.

Sussana Kim hat uns 12 Lieder für die Fashion Week mit auf den Weg gegeben. Hier sind sie:

Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin
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