Römisches Stadttor in Trier

So alt ist die Porta Nigra wirklich

Von Karen Allihn, Trier
 - 16:51
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Anhand alter Bauhölzer ist es Forschern gelungen, eine Frage zu lösen, die schon Generationen von Archäologen umgetrieben hat: Wann wurde die Porta Nigra, jenes berühmte römische Stadttor in Trier, erbaut? Die Antwort lautet: im Jahr 170 nach Christus.

Wie der Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur von Rheinland-Pfalz, Konrad Wolf (SPD), am Freitag sagte, ist diese Datierung des am besten erhaltenen römischen Stadttors nördlich der Alpen durch eine „vorbildhafte Vernetzung“ verschiedener Wissenschaftszweige zustande kommen. Die Porta Nigra, seit 1986 Teil des Unesco-Welterbes, war in römischer Zeit der nördliche Ausgang der Stadt Augusta Treverorum an der Straße nach Mainz. Ihr Alter, genauso wie das der römischen Stadtmauer, war lange umstritten; die Meinungen reichten von einer Errichtung im zweiten bis zum Bau im vierten Jahrhundert.

„Das Thema ist jetzt durch“, sagte der Direktor des Rheinischen Landesmuse-ums Trier, Marcus Reuter. An dem Forschungsprojekt, das nun die Datierung erbracht hat, waren neben dem Dendrochronologischen Forschungslabor an seinem Haus auch die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Universität Köln beteiligt. Maßgebliche Unterstützung, so Reuter, bekam die Rheinland-Pfälzische Bodendenkmalpflege dabei von der Gerda Henkel Stiftung. Nach Aussage der Leiterin der Pressearbeit der Stiftung, Sybille Wüstemann, erweiterte sie die benötigten Mittel von 10.000 Euro auf insgesamt 25.000 Euro.

Ausschlaggebend für die Datierung von Stadtmauer und Porta Nigra auf das Jahr 170 nach Christus war der Fund von Hölzern aus ihrer Entstehungszeit. Nach Probebohrungen setzten die Archäologen, so der Leiter des Forschungsprojekts Christoph Lindner, etwa 330 Meter westlich der Porta Nigra an der heute sichtbaren, mittelalterlichen Stadtmauer den Spaten an. Auf einer Fläche von fünfeinhalb Metern Durchmesser wurde ein sechs Meter tiefer Schacht angelegt.

Gute Zeiten – schlechte Zeiten

Ein verlandeter Altarm der Mosel, der an dieser Stelle schon in römischer Zeit für sumpfiges Gelände sorgte, erwies sich für die moderne Wissenschaft als Glücksfall. Wurden doch in dem feuchten Untergrund, wie die Leiterin des Dendrochronologischen Labors, Mechthild Neyses-

Eiden, berichtete, direkt neben dem Fundament der Stadtmauer Eichen- und Tannenbohlen gefunden. Untersucht wurden diese Hölzer mit Hilfe der Dendrochronologie, einer naturwissenschaftlichen Datierungsmethode, die sich ein einfaches Prinzip zunutze macht: gute Zeiten – schlechte Zeiten. Denn in Jahren mit guten Wachstumsbedingungen sind die Zuwachszonen von Hölzern breiter als in Jahren mit schlechten Voraussetzungen. Jede Baumart hat für jedes Jahr ein eigenes Maß; in der Abfolge entstehen charakteristische Muster. Im 1970 gegründeten Trierer Labor, so Leiterin Neyses-Eiden, reicht die aus sich überschneidenden Kurven aufgebaute Baumring-Chronologie für die mitteleuropäische Eiche bis ins achte Jahrhundert vor Christus zurück.

Eines der gefundenen Hölzer, ein 2,79 Meter langer zugespitzter Eichenpfosten, ist sogar mit „Waldkante“ erhalten. Dabei handelt es sich um den äußeren Jahresring, der das Fälldatum angibt – in diesem Falle das Jahr 170 nach Christus. Weil vor Beginn des industriellen Zeitalters Hölzer gleich nach dem Fällen verarbeitet wurden, ist damit auch die Verwendung der Bohle datiert. Dass Mauer und Tor zur gleichen Zeit errichtet wurden, steht laut Lindner außer Frage. Als ein wichtiges Indiz nennt er diagonale Bearbeitungsspuren an den hier wie dort verwendeten Sandsteinquadern. Archäologische Funde, die die Annahme der Gleichzeitigkeit untermauern, konnten leider nicht geborgen werden, so der Archäologe: „Leider haben die römischen Handwerker auf dieser Baustelle außerordentlich sauber gearbeitet.“ Die Archäologen nennen ein solches Szenario steril.

Dabei war die 16 vor Christus gegründete Stadt Augusta Treverorum im Jahr 170nach Christus sicherlich alles andere als steril. Als Hauptort der römischen Provinz Gallia Belgica erlebte sie gerade eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs, besaß schon eine öffentliche Thermenanlage und ein Amphitheater – und eine fast 6,5 Kilometer lange Stadtmauer, deren nördlicher Durchlass aus mehr als 7000 wuchtigen Steinquadern erbaut war: die Porta Nigra.

Dass dieses 36 Meter breite und fast 30 Meter hohe Bauwerk, eigentlich eine Torburg, erhalten geblieben ist, verdankt die Nachwelt dem Heiligen Simeon – und Napoleon. Simeon ließ sich im Jahr 1028 im östlichen Turm einmauern und im Erdgeschoss bestatten. Das antike Bauwerk wurde zur Kirche umfunktioniert, gleichsam eingehaust und so fast acht Jahrhunderte lang bewahrt. Als Napoleon, der sich in der Nachfolge der antiken Kaiser sah, im Oktober 1804 Trier besuchte, besichtigte er auch die inzwischen säkularisierte Kirche. Wenig später erließ er die erste amtliche Verfügung zur Denkmalpflege der Stadt und veranlasste die Beseitigung aller nachrömischen Einbauten. An die wechselvolle Geschichte des schwarzen Tores erinnern heute noch Reste der Orgelempore und Stuckelemente im Inneren sowie die erhaltene romanische Apsis der Simeon-Kirche.

Quelle: F.A.Z.
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