Der Wohn-Knigge

Fünf Tipps für ein friedliches Zusammenwohnen

Von Barbara Perfahl
 - 10:34

Fast jedes Paar steht über kurz oder lang vor der Entscheidung: Sollen wir zusammenziehen? Für eine gemeinsame Wohnung sprechen viele Gründe: romantische (man verbringt mehr Zeit miteinander), aber auch praktische (weniger Aufwand, weniger Kosten, Unterstützung im Alltag). So entscheiden sich viele Paare relativ schnell für die gemeinsamen vier Wände. Nachdem der Umzug geschafft ist und die erste Zeit der Eingewöhnung stattgefunden hat, stellen viele aber fest: Es ist nicht alles eitel Sonnenschein.

Der oder die Liebste hat an einigen Stellen nämlich ganz andere Wohnvorstellungen als man selbst. Das beginnt beim Möbelgeschmack (sie will Landhaus, er Loft Style), geht weiter bei der Frage, wie viel Lautsprecher, Computerequipment und welche TV-Größe (oder wahlweise: wie viel plüschige Deko) das Wohnzimmer verträgt. Es endet beim Konflikt darüber, wie das einzige vorhandene Extra-Zimmer genutzt werden soll.

Aus Sicht der Wohnpsychologie ist das nicht verwunderlich, denn wir sind sehr verschieden, was unsere Wohnbedürfnisse betrifft. Das liefert Potential für häufige Konflikte und anhaltende Unzufriedenheit. Denn Wohnen ist ein bedeutender Faktor für unsere Lebenszufriedenheit. Wenn Wohnbedürfnisse nicht ausreichend erfüllt sind, fehlt ein wichtiger Teil zum glücklichen Leben. Das Problem beim Zusammenziehen ist: Paare sprechen oft nicht über diese Bedürfnisse und Vorstellungen. Zusammenziehen ist dann wie eine Wundertüte. Es kann passen, muss aber nicht.

Zeit lassen, Bedürfnisse klären

Was kann nun helfen, damit das Zusammenziehen Ausgangspunkt für ein glückliches gemeinsames Wohnen wird?

1. Wenn möglich, ziehen Sie nicht sofort zusammen. Lernen Sie Ihren Partner erst besser kennen und sammeln sie Beziehungserfahrung mit ihm. Was ist ihm wichtig? Wie sieht sein Leben aus? Und vor allem: Wie wohnt er?

2. Klären Sie aber auch Ihre eigenen Wohnbedürfnisse! Nicht wenige Menschen haben sich noch nie bewusst mit der Frage auseinandergesetzt, was sie zum glücklichen Wohnen eigentlich brauchen oder welcher Wohntyp sie sind. Bin ich beim Wohnen sehr sicherheitsbedürftig? Ist meine Wohnung Treffpunkt des gesamten Freundeskreises, oder lege ich auf den geselligen Aspekt beim Wohnen weniger Wert? Räume ich gern die Möbel um, oder bin ich beim Einrichten eher der beständige Typ? Erst wer weiß, was er selbst braucht und was ihm beim Wohnen guttut, kann sich mit dem Partner auf Augenhöhe darüber austauschen, wie das gemeinsame Wohnen aussehen soll. Und das ist auch der nächste Schritt.

3. Sprechen Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin über Ihre Wohnvorstellungen und Bedürfnisse – und zwar schon vor dem Zusammenziehen und möglichst, bevor es den ersten Streit darüber gibt. Je früher man Klarheit darüber gewinnt, ob das hässliche Sofa des Liebsten eine peinliche Geschmacksverirrung oder aber Ausdruck seines ganz eigenen Stils ist, desto eher lassen sich dann Konflikte im Möbelhaus vermeiden.

Reden hilft

4. Wenn die Wohnvorstellungen und -wünsche offenliegen, kann man sich daranmachen, gemeinsam eine Wunschwohnung zu planen. Überlegen Sie sich, wie Sie gerne wohnen würden, welcher Art das gemeinsame Zuhause sein könnte, welche Räume Sie sich wünschen, was sein muss oder auf keinen Fall sein darf. Wenn Sie dann eine Wohnung haben, in die Sie gemeinsam ziehen möchten, zeichnen Sie einen Grundriss der Räume und planen gemeinsam, wie sie die Räume nutzen wollen.

5. Bei der Auswahl der Möbel gehen Sie am besten so vor wie bei der Klärung ihrer Wohnbedürfnisse. Überlegen Sie sich zuerst für sich selbst, welche Möbel und Einrichtungsstile Ihnen gefallen und welche konkreten Stücke in Frage kommen. Danach tauschen Sie sich mit Ihrem Partner darüber aus. Zeigen Sie sich gegenseitig Ihre Auswahl und erläutern Sie diese. Auf dieser Basis suchen Sie sich gemeinsam Stücke aus, die Ihnen beiden gefallen. Und dann erst geht es los zum Einkauf. Beim Wohnen gilt, wie bei vielen anderen Aspekten der Beziehung: Reden hilft.

Barbara Perfahl ist Wohnpsychologin und Home Stagerin und arbeitet in der Nähe von Hamburg.

Quelle: F.A.S.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenMöbel