Drinnen & Draußen
Gelb im Garten

Aufdringlich fröhlich

Von Ina Sperl
© Colourbox.com, F.A.S.

Erst kamen die Winterlinge. Dann die Kornelkirschen. Nun blühen der Huflattich und die Narzissen. Vor allem aber die Forsythien. Sie sind die derzeit prominentesten Vertreter einer Farbe, die nicht nur Freunde hat: das Gelb. Später kommen Goldregen und Ginster, der Gilbweiderich, die Sonnenhüte und Sonnenblumen und schließlich die Goldruten im Herbst.

Fröhlich, warm, hell wie die Sonne, als einen Lichtblick empfinden es diejenigen, die das Gelb mögen. Manche holen sich viel davon in den Garten, weil die lebhafte Farbe dort besser unterzubringen ist als in Haus oder Garderobe. Andere mögen sie überhaupt nicht. Ihnen ist sie zu aufdringlich, dominant, grell oder knallig, einfach unelegant. Fast jeder hat eine Meinung dazu.

© DW, Deutsche Welle

Gegner mögen alle Schattierungen nicht

Dabei ist Gelb nicht Gelb: Es kann pastellig sein wie bei der Hohen Schlüsselblume, zitronig wie bei der Königskerze, limonig wie beim Frauenmantel, einen Mangoton haben wie der Goldlack. Es kann leuchten wie der Raps, schweflig sein wie das Heiligenkraut, sonnig wie die Ringelblume oder satt wie die Zucchiniblüte. Dennoch: Wer es nicht mag, lehnt meist alle Schattierungen ab. Dem Beet soll es fernbleiben. Aber nicht nur Löwenzahn, Gänsedistel und Hahnenfuß gelingt es dann doch immer wieder, sich hineinzumogeln.

Die Blüten des Fenchel zeigen sich in zartem Gelb.
© Getty, F.A.S.

Im Garten von Ellen Bausch zum Beispiel. Dort war Gelb nicht geplant. Denn wenn es eine Farbe gibt, die die Aachenerin noch nie mochte, ist es genau diese. „Ich würde mir noch nicht mal ein gelbes Kissen aufs Sofa legen“, sagt sie. Geschweige denn ein ebensolches Beet planen. So sah das ursprüngliche Farbkonzept des vor zehn Jahren angelegten Gartens dezentes Blau, Lila und Weiß vor, ohne warme Töne. „Zierliche Wolken von duftigen, leichten Blüten“ schwebten der Hobbygärtnerin vor. Nicht so etwas Derbes wie Gelb.

Immer mehr Gelb kam in den Garten

Und doch fand es seinen Weg hinein in den Garten. Zunächst war es eine Rose, die noch die Vorbesitzer in den Garten gesetzt hatten. Sie durfte trotz ihres Farbtons bleiben. „Ich fand es zu schade, sie herauszureißen, weil sie so schön geblüht hat.“ Ellen Bausch pflanzte sogar eine lila Clematis daneben, doch die beiden öffnen ihre Knospen fast nie gemeinsam. Dann hielten die Frauenmäntel, geschätzt wegen ihres Laubes, Einzug. Sie blühen, wenn auch dezent, unverkennbar gelb. Ein Zebragras kam hinzu, dessen Halme butterfarbene Streifen tragen. Ein zweites großes Beet wird von einem Zaun flankiert, an dem seit Jahren ein großer Winterjasmin wächst. Von Ende Dezember bis in den März hinein ist er voller sonniger Blüten.

Davon abgesehen, kommt diese Rabatte dem ursprünglichen Plan sehr nahe: Es stehen violette Tulpen und Schachbrettblumen darin, Vergissmeinnicht und Rittersporn, Ehrenpreis und lila Prachtscharten sowie weiße und violette Dahlien. Ein Staudenknöterich setzt rote Akzente. Doch dann gibt es da die Taglilien, die so fest im Boden verwurzelt sind, dass die Gärtnerin sie nicht ausgraben möchte. Sie blühen orangefarben. Auch ein Fenchel ist vorhanden, die Blüten zartgelb, sowie eine Goldrute.

Farbe wird oft als aufdringlich empfunden

Als bei einer Umgestaltung Platz frei wurde, kam es zu einer kleinen Revolution: Gilbweiderich, Ableger aus einem anderen Garten, durfte einziehen. Was das bedeuten kann, weiß nur, wer ihn selbst schon einmal im Beet hatte. Noch hält er sich zurück und tut genau das, weswegen Ellen Bausch ihn geholt hat: zuverlässig und unkompliziert wachsen und ein bisschen Höhe hineinbringen. Dennoch ist er unübersehbar eine gelbe Präsenz. Auch in den Vorgarten, der bestimmt wird durch Rosmarin, Lavendel und Gräser, schleicht sich die Farbe ein: Dort stehen puderig-gelbe Tulpen, die auf einmal aufgetaucht sind, und eine kleine, wenn auch dezente, gelbe Rose.

„Auf gar keinen Fall Gelb“ – den Kundenwunsch kennt auch Staudengärtnerin und Gartengestalterin Gerhild Diamant. Oft werde es als zu aufdringlich empfunden, meist aber auch als zu schwer vereinbar mit den schon vorhandenen, eher pastellfarben blühenden Pflanzen. „Ich liebe Gelb, auch Orange und Rot, aber die sind schwierig zu kombinieren“, sagt die Expertin. „Denn Gelb ist dominant, es zieht die Blicke an.“ Das kann man sich zunutze machen, aber im sommerlichen Beet wird es nicht einfach. Besonders die Nähe zu Rosa ist heikel. Im Herbst dagegen lässt es sich meist gut integrieren: „Zwischen Astern, Gräsern und der Herbstfärbung der Bäume können gut Rudbeckien blühen.“

Kann in Kombination mit Weiß edel wirken

Ein weitere Herausforderung: Gelb ist sich oft nicht grün. Die Farbe verträgt sich nicht unbedingt mit ihresgleichen. „Mädchenauge (Coreopsis) und Sonnenhut (Rudbeckia) sehen komisch zusammen aus“. sagt Diamant. Ein Phänomen, das sie bei Blautönen zum Beispiel kaum wahrnimmt. Ihr Tipp: „Entscheiden Sie sich für eines pro Blütezeit.“ Denn Gelb kann so schön sein. „Mit Weiß kombiniert kann es sogar edel, fast vornehm wirken.“ Besonders, wenn gelbe Blüten von weißen Dolden umspielt werden. Die grüngelb blühende Zypressenwolfsmilch (Euphorbia cyparissias) mit dem Weißen Kaukasusvergissmeinnicht (Brunnera macrophylla) ’Betty Bowring‘ zum Beispiel. Oder eine gelbe Taglilie, umgeben vom Knoblauchsblättrigen Baldrian (Valeriana alliariifolia).

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Ganz anderen Charakter, der manche Hobbygärtner zunächst versöhnlicher stimmen mag, haben gelb blühende Pflanzen mit rotem Laub, wie die Mandelblättrige Wolfsmilch (Euphorbia amygdaloides) oder auch der Bronze-Felberich (Lysimachia ciliata) ’Firecracker‘. Doch die sind nicht einfacher unterzubringen: „Für sich genommen sind sie schön, aber die Pflanze zu kombinieren, ist schwierig.“

Blütenformen bestimmen die Wirkung der Farbe

Kunden, die sich an die leuchtende Farbe herantrauen wollen, empfiehlt Gerhild Diamant die zarteren Sorten von Goldruten (Solidago), die sich nicht so ausbreiten wie die kanadische Variante (Solidago canadensis). Sie sind gute Begleitstauden im Beet. Viele der schönsten gelb blühenden Stauden wie Alant (Inula) oder die Kompasspflanze (Silphium) werden ohnehin von vielen als zu groß fürs Beet empfunden. Auch eine ihrer liebsten, eine Wiesenraute (Thalictrum flavum), würde sie gerne öfter verwenden, doch braucht sie Raum.

Nach den Forsythien hält der Goldregen Einzug in den Gärten.
© ddp Images, F.A.S.

Was vielerorts passt und vor allem neben Taglilien gut aussieht, ist aber der Goldbaldrian (Patrinia gibbosa): „Er hat wunderschönes Laub, wie ein gefaltetes Ahornblatt, und als Blüten gelbe Schirme.“ So eine Pflanze wirkt ganz anders als die plakativen Narzissen. Das mag der entscheidende Punkt sein: „Die Farbe wirkt unterschiedlich bei unterschiedlichen Blütenformen“, erläutert Gerhild Diamant. Daher werden vielleicht die zarten Dolden des Fenchels eher akzeptiert als die Osterglocke, die kleinen Büschel des Ranunkelstrauchs (Kerria japonica) eher als Forsythien.

Natürlichkeit lässt schöne Bilder entstehen

Manchmal bestimmt aber auch der Rahmen das Bild. Wenn sie an den Ort passt, kann die Farbe stimmig sein. Für den Halbschatten eignet sich zum Beispiel das Goldkörbchen (Chrysogonum virginianum): Denn das leuchte aus seiner Umgebung hervor, sagt Gartengestalterin Diamant. In manchen Situationen gibt es kaum eine Wahl, etwa wenn eine schattige Ecke, in der hoher Wurzeldruck herrscht, begrünt werden soll. „Für so etwas eignen sich Elfenblumen (Epimedien)“, rät die Fachfrau. „Die robustesten blühen gelb. Dann liegt der Fokus nicht zuerst auf der Ästhetik, aber es entstehen trotzdem schöne Bilder. Weil es natürlich aussieht.“

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Keine #Taglilie und auch bitte kein #Goldregen. Viele #Hobbygärtner mögen die Farbe Gelb nicht im #Beet.

Ellen Bausch nimmt den Einzug des Gelbs in ihren Garten mit Humor. Längst ist die Ablehnung umgeschlagen in frohgemute Kapitulation. Sie denkt sogar über eine rein gelbe Ecke nach. „Ich habe in einem Buch ein Bild von einem Beet gesehen, das war so harmonisch und farblich so perfekt – und es war blau mit Gelb. Wenn nichts anderes dazukommt, vor allem Rosa, ist es ja tatsächlich ganz in Ordnung.“

Vorerst findet sich in ihrer Kiste mit Saatgut eine Tüte Ringelblumensamen, denn die blühen zuverlässig. Noch wartet sie gespannt auf die Tulpen, die sie im vergangenen Herbst gesetzt hat. „Es war eine Wildtulpenmischung mit verschiedenen Farben“, sagt sie und lacht: „Ich sehe schon, da kommen wieder nur die gelben.“

Charmantes Gelb

Die Giraffenskabiose (Cephalaria gigantea) hat blassgelbe Blüten, die im Juli und August auf etwa zwei Meter hohen Stengeln stehen. Sie mag Sonne und guten Gartenboden. Sie versamt sich im Garten.

Die Akelei (Aquilegia) ’Yellow Star‘ wird rund 80 Zentimeter hoch, sie wächst in Sonne oder Halbschatten und kommt mit den meisten Böden zurecht. Sie hat zierliche, hellgelbe Blüten.

Die Wachsglocke (Kirengeshoma palmata) ist eine Staude für den Halbschatten und Schatten, wo sie im Spätsommer ihre gelben Knospen öffnet. Ihre Blätter erinnern von der Form her an Ahorn, was sie auch zu einer Laubschmuckpflanze macht.

Die Scharbockskraut-Sorte (Ranunculus ficaria) ’Brazen Hussy‘ ist etwas für Gärtner, die starke Kontraste lieben: Sie trägt im Frühjahr leuchtend gelbe Blüten über dunkelbraunem, glänzendem Laub. Die Pflanze stammt aus England, mag einen sonnigen Standort und ist pflegeleicht.

Die Kaukasus-Pfingstrose (Paeonia mlokosewitschii), wegen ihres zungenbrecherischen Namens auch bekannt als „Molly the witch“, blüht im blassesten aller Gelbtöne. Ihre Knospen führen zunächst in die Irre, denn sie sind pink. Sie mag volle Sonne bis Halbschatten.

Quelle: F.A.S.
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