Lichtdesignerin im Interview

„Frontales Licht ist günstiger“

Von Birgit Ochs
 - 09:54

Was spricht eigentlich dagegen, beim Leuchtenkauf spontan nach Geschmack zu entscheiden?

Alles. Natürlich kann man auch beim Spontankauf mal einen Glückstreffer landen. Aber eigentlich muss man vor der Leuchtenauswahl eine Reihe von Fragen klären.

Welche?

Die einfachste ist vielleicht noch die, welche Leuchte zum Einrichtungsstil passt. Die Frage nach dem Design stellen Lichtberater daher auch immer hinten an. Denn zunächst muss ganz grundsätzlich klar sein, welches Licht für einen Raum gewünscht ist – und welches tatsächlich sinnvoll ist.

Das heißt?

Man muss zunächst klären: Geht es um eine indirekte oder eine direkte Beleuchtung? Die Höhe der Decken spielt auch eine Rolle.

Was hat die Deckenhöhe mit dem Licht zu tun?

Eine Menge. Ist die Zimmerdecke niedrig, kommt eine Pendelleuchte schon mal nicht in Frage, dann wählt man eher eine Wandleuchte oder Strahler – je nachdem, was gewünscht ist und um welchen Lichteffekt es geht. Gerade bei Strahlern spielt aber die Deckenhöhe eine entscheidende Rolle für die Wirkung. Denn mit einem Strahler soll ja ein bestimmter Wandbereich angestrahlt werden. Damit dies optimal gelingt, müssen nicht nur die Abstände zwischen Wand und Decke genau stimmen, auch die Raumhöhe beeinflusst das Ergebnis. Denn ein Strahler ist in der Regel nicht beliebig verstellbar. Wenn man nicht aufpasst, strahlt er maximal die Fußleiste an. Das ist dann als Ergebnis nicht so gelungen.

Was zeichnet einen gut ausgeleuchteten Raum grundsätzlich aus?

Das ist eigentlich ganz einfach: drei unterschiedliche Lichtquellen. Licht zum Sehen, Licht zum Ansehen, Licht zum Hinsehen. Diese drei Beleuchtungselemente sollten in keinem Raum fehlen.

Was meinen Sie mit Licht zum Ansehen?

Licht als Blickfang in Form einer schönen oder besonderen Leuchte wie zum Beispiel einer Tischleuchte. Das Licht, das sie spendet, brauchen wir nicht unbedingt, um im Raum etwas zu erkennen. Anders als das funktionale Licht zum Sehen. Wir betrachten diese Lichtquelle um ihrer selbst willen.

Moderne Architektur
In farbigem Licht baden

Und das Licht zum Hinsehen ist dann die Leseleuchte?

Das Licht zum Hinsehen lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters auf ein bestimmtes Element im Raum. Beispielsweise auf ein Bild an der Wand. Jeder dieser drei Lichtquellen setzt einen unterschiedlichen Akzent im Raum, der bedacht sein will.

Gilt diese Regel auch in Küche und Bad?

Die Küche ist ja der gefährlichste Ort eines Hauses oder einer Wohnung, deshalb müssen dort besonders gute Lichtverhältnisse herrschen. Allerdings ist die Küche nicht nur Arbeitsplatz, sondern soll auch Aufenthaltsqualität bieten. Im Privaten leuchten wir sie daher nicht aus wie eine Großküche. Trotzdem müssen wir Helligkeit reinbringen. Vor allem in den Zonen über dem Herd, der Spüle und der Arbeitsplatte. Also da wo gekocht, geschnippelt und gespült wird. Man kann Licht in die Dunstabzugshaube integrieren und eine Oberschrankbeleuchtung für die Arbeitsflächen wählen – sofern man Oberschränke hat. Wenn nicht, empfehlen sich Einbaustrahler. Gibt es einen Esstisch, muss dieser natürlich extra beleuchtet werden.

Und im Bad?

Bäder werden heute oft wohnlich gestaltet. Hier bietet sich eine indirekte Beleuchtung an. Zum Beispiel in Form einer Voutenbeleuchtung. Leuchtstofflampen waren ja schon in den 1980er Jahren in Mode. Voutenleuchten sind Lampen, die im gewölbten Übergang zwischen Wand und Decke installiert werden und für ein diffuses Licht sorgen. Das passt gut ins Bad. Wichtig ist allerdings auch das Licht am Spiegel, am besten links und rechts von ihm.

Wieso nicht über dem Spiegel?

Licht von oben ist nicht ideal, es wirft einen sogenannten Schlagschatten unter die Nase. Auch die Augen scheinen bei einer solchen Beleuchtung tiefer zu liegen. Frontales Licht ist günstiger. Allerdings können Deckenstrahler im Bad eine schöne Ergänzung sein – als Einbauspots von der Decke, die die Vertikale betonen. Für die richtige Atmosphäre während eines Entspannungsbads sorgt hingegen am besten eine Wandleuchte, die sich dimmen lässt.

Wird Helligkeit eigentlich ähnlich individuell empfunden wie zum Beispiel Wärme?

Auf jeden Fall. Der eine braucht viel mehr Licht als der andere, um sich wohl zu fühlen.

Wie findet man die ideale Beleuchtung, wenn Menschen mit unterschiedlichem Lichtbedürfnis zusammenleben?

Auch da empfehlen sich Dimmer. Technisch hat sich da in jüngster Zeit einiges getan. Die LED-Industrie hat sogenannte Dim-to-Warm-Lampen auf den Markt gebracht. Bei diesen sitzen mehrere LEDs in einem Leuchtwerk, sie lassen sich von warmweißem Licht auf ein kaltweißes verändern. Mit ihnen kommt man dem Licht der Glühlampe nahe.

Keine Nachteile?

Doch, der Preis. Noch sind sie ziemlich teuer. Es gibt noch nicht allzu viele Hersteller, die sie anbieten. Außerdem hapert es bisher noch an der Kompatibilität der Dimmer.

Aber an LED-Licht führt kein Weg mehr vorbei, oder?

Nein, nicht wirklich. Wir Lichtplaner schätzen Halogenleuchten sehr. Sie machen ein ganz brillantes Licht, können aber auch warm leuchten. Aber Mitte nächsten Jahres tritt dann die letzte Stufe der EU-Verordnung 2009/244/EG in Kraft, die den Verkauf von Halogenlampen verbietet. Daher kann man jetzt nicht mehr guten Gewissens dazu raten, dieses Leuchtmittel zu wählen. Also bleibt nur die LED als Leuchtmittel.

Von der heißt es, sie sei besser geworden. Günstiger zu haben ist sie ja bereits.

Besser ja. Aber im Privathaushalt ist die Anschaffung immer noch vergleichsweise teuer. Für Privatleute dauert es einfach, bis sich die Investition amortisiert. Zumindest wenn man auf Qualität Wert legt. Denn da sollte man sich nichts vormachen, eine Billigleuchte macht einfach kein so schönes Licht wie ein Leuchtmittel, für dessen Lichtqualität aufwendig geforscht wurde. Das muss man klar sagen: Im Baumarkt bekommt man das nicht.

Quelle: F.A.S.
Birgit Ochs
Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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