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Mein erstes Auto

Von ARIANE DREISBACH
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24.08.2017 · Wie war das damals, mit 18 Jahren und frisch bestandenem Führerschein? Prominente erinnern sich an frühe Fahrten.

ULRICH WICKERT

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Mein erstes Auto werden die meisten Leute nicht kennen, das war ein roter Kleinschnittger. Er hatte sechs PS, keinen Rückwärtsgang und keinen Anlasser. Man musste sich auf den Fahrersitz setzen und an einem langen Seil ziehen, wie bei einem Rasenmäher. Wenn man Glück hatte, sprang das Auto dann an. Ich habe es 1968 für 400 Mark von einem Freund gekauft. In den Zweitaktmotor musste ein Gemisch wie für Mopeds. Der Kleinschnittger hatte auch keine Türen, sondern nur tiefer ausgeschnittene Seiten. Die hatte mein Freund zuvor mit großen Blumen beklebt, das sah wunderbar aus.

Der fehlende Rückwärtsgang war kein Problem, den braucht man ja nur zum Einparken. Das Auto war aber so leicht, dass man es einfach in die Lücke heben konnte. Einmal kam ich nachts nach Hause und hob mein Auto vor meiner Studentenbude in die Parklücke, als die Polizei kam. Den Polizisten habe ich erklärt, dass das mein Auto ist und ich gerade einparke. Darüber haben sie sich sehr amüsiert und mir dann noch geholfen.

Der Kleinschnittger war ein Cabrio, und wenn das Dach zu war, konnte ich nur mit schiefgelegtem Kopf darin sitzen. Deswegen bin ich am liebsten offen gefahren, da guckte ich immer ein Stück über die Windschutzscheibe rüber. Auf leicht abschüssigen Strecken konnte ich es mit dem Auto bis auf 70 Kilometer pro Stunde bringen, das habe ich aber nicht oft gemacht. Schon wenn ich mit 50 auf eine Ampel zufuhr, hatte ich immer das Problem: Wann wird sie orange? Dann musste ich nicht nur bremsen, sondern auch die Handbremse zu Hilfe nehmen. Der Kleinschnittger war ein Hingucker, alle fanden ihn wunderbar. Ich wohnte in der Nähe der Universität, und jeder wollte mal mitfahren. Als das Auto irgendwann kaputt war, haben es mir Freunde für einen Filmdreh für 200 Mark abgekauft. In einer Szene fuhr das Auto dann in eine Kiesgrube und versank – ein würdiges Ende.

Ulrich Wickert,1942 in Tokio geboren, ging nach seinem Studium in Bonn zur ARD. Von 1991 bis 2006 moderierte er die „Tagesthemen“.

Der Kleinschnittger ist in Amerika heute noch ein Hingucker. Foto: mauritius images

CRO

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Mein erstes wirklich eigenes Auto war für mich freedom: eine khakifarbene Mercedes-G-Klasse. Eigentlich doppelte Freiheit, weil ich damit nicht mal an die Straße gebunden war. Ich habe ständig den Off-Road-Knopf gedrückt und bin querfeldein über Wiesen gefahren. Es sah immer aus wie Sau. Meine Maske war natürlich auch immer am Start. Lag auf dem Rücksitz, always prepared. Konnte auch ab und an hilfreich sein, wenn man mal von der Polizei angehalten wurde.

Ich mag schöne und schnelle Autos. Ein alter Mustang oder Mercedes sind nice – eher so auf Understatement. Ich fahre gern, viel zu viel und viel zu gut. Allein auf dem Weg zum Studio sind fünf Blitzer, da könnte ich drei Mal am Tag den Führerschein verlieren. Im ersten Auto hatte ich immer eine Decke, falls es mal kalt wird. Und ein Ladekabel! Damals gab es tatsächlich noch CDs. Eine Weile hatte ich sogar eine Matratze im Kofferraum. Damit habe ich mal meine Freundin am Flughafen abgeholt, und wir sind drei Tage querfeldein gefahren und haben im Auto gepennt. Bei mir im Auto läuft alles, was gut ist. Wenn ich nachts auf der Autobahn bin und mein Mädchen auf dem Beifahrersitz schläft, darf von Teddy Pendergrass bis Otis Redding auch gerne Klassik laufen. Mit den Jungs unterwegs ist das eher eine Hip-Hop-Roots-G-Funk-Pre-Party im Auto. Mit der G-Klasse war cruisen angesagt. Zu der Zeit kam auch das Feature zu dem Track "8 km/h“ mit Haftbefehl zustande – mit 'nem Outro von Hafti, der alles auf den Punkt bringt: „Ich bin wieder irgendwo, aber nicht daheim. Egal, wo ich bin, werd' ich nicht lange sein. Noch 3 Stunden fahr'n, jap, bis wir da sind. (...) Ey yo, wir cruisen im Truck. Ich und meine Crew komm'n in deine Stadt. Also bleib cool, Junge, mach Platz. Hier komm'n (Carlo und der Babo). Carlo kommt in der G-Klasse; H-A-F-T im AMG-Paket."

Cro, 27 Jahre alt, ist Rapper, DJ und Musikproduzent. Sein neues Album „fake you.“ erscheint am 8. September.

Freie Fahrt: Cros eigener Mercedes G war meist nicht ganz so porentief rein – der Rapper fuhr damit gerne mal querfeldein. Foto: Daimler AG

CEM ÖZDEMIR

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Das erste Auto, das ich mir neu kaufte, war ein Opel. Es hätte auch nicht anders sein können: Mein Vater ist in Deutschland zeitlebens Opel gefahren, Kadett oder Ascona. Damit sind wir auch immer in die Türkei gefahren, als ich noch ein Kind war. Drei Tage dauerte die Reise, und in der Türkei ging es auf holprigen Straßen weiter. Nur mein Vater konnte fahren; meine Mutter hat keinen Führerschein.

Das Auto war immer komplett voll, nicht nur Kofferraum und Dachgepäckträger, auch innen. Wir hatten Geschenke für alle in der Türkei dabei, von Damenstrümpfen über Nutella und Waschmittel - in den Siebzigern waren viele Dinge Mangelware. Bei der Rückfahrt war es keineswegs besser, da hatten wir die ganzen Geschenke aus der Türkei dabei. Außerdem hatten meine Eltern alles gekauft, was man damals in Deutschland nicht bekam, Wassermelone oder eingelegtes Gemüse zum Beispiel. Das Auto war so vollgepackt, dass ich meine Füße nicht auf den Boden stellen konnte. Ich musste diese drei Tage mehr oder weniger im Schneidersitz verbringen.

Ich mag noch heute keine langen Autofahrten, da wirkt die Kindheit nach. Wegen des Wahlkampfs muss ich jetzt wieder mehr Zeit im Auto verbringen, als mir recht ist. Aber ich versuche das, wann immer es geht, durch Zugfahrten zu ersetzen. Privat fahren wir ein Hybridauto, wie auch auf der Tour. Ein reines Elektrofahrzeug ging leider nicht, weil die Lade-Infrastruktur für unsere Bedürfnisse noch nicht stimmt.

Mein allererstes Auto war ein gebrauchtes, von dem ich nicht einmal mehr die Marke weiß. Das Wichtigste waren damals die Boxen. Mit Freunden habe ich die Innenverkleidungen der Türen abgemacht, um die Lautsprecher und die Anlage anzubringen und mühsam die Kabel zu verlegen. Unser Highlight: mit der Anlage im Auto herumzufahren. Der Sound war toll. Eigentlich sind wir vor allem gefahren, um Musik zu hören. Damals habe ich meistens The Who gehört, die zweite Seite der Kassette Life at Leeds, Led Zeppelin und die Stones. Die Kassetten habe ich heute noch. Ab und zu höre ich sie auch noch.

Cem Özdemir, 51 Jahre alt, ist seit November 2008 Bundesvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen.

ALINA LEVSHIN

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Mein erstes Auto habe ich recht spät bekommen, da war ich schon Ende 20. Ich habe zwar schon in der Abi-Zeit den Führerschein gemacht, aber nachdem ich den bezahlt hatte, musste ich erst mal wieder Geld für ein Auto sparen. Während der Schulzeit habe ich ein halbes Jahr in Amerika verbracht und hatte dort schon den Führerschein gemacht, allerdings für Automatik und nicht für Handschaltung. Meinem Fahrlehrer in Deutschland hatte ich gesagt, dass ich schon fahren kann, deswegen sind wir bei der ersten Stunde gleich mitten in den Verkehr rein. Ich habe dann festgestellt, dass es doch nicht so einfach ist mit der Schaltung, und in der nächsten Fahrstunde haben wir ganz ruhig angefangen.

Damals habe ich viel Geld für Schauspielunterricht ausgegeben. Ich habe einen Platz an der Schauspielschule bekommen, und dann kamen die ersten Drehs in den Semesterferien. Mit der Serie „Rosa Roth“ habe ich das erste Geld verdient, das nicht vom Kellnern kam. Durch die Drehs ist Skoda auf mich aufmerksam geworden, und von ihnen habe ich dann mein erstes Auto bekommen, einen silbernen Octavia Combi. Der hatte ein gläsernes Schiebedach, durch das die Sonne reinkam und durch das man die Bäume sehen konnte.

Ich fahre gern raus aus Berlin an abgelegene Orte, ich liebe die Natur und das Meer. Die Seen um Berlin erinnern mich wenigstens etwas daran. Bei solchen Ausflügen werfe ich dann einfach alles in den Kofferraum. Wasser, Kleingeld für die Parkautomaten, Nussriegel und Sonnenbrillen habe ich immer dabei. Ich weiß, dass man in Berlin kein Auto braucht, man kommt gut mit der Bahn überall hin. Aber ich wollte unbedingt dieses Gefühl von Freiheit.

Die Schauspielerin Alina Levshin, geboren 1984 in Odessa, war zuletzt als Käthe Dassler im Fernsehfilm „Die Dasslers“ zu sehen.

Alina Leshvin bekam ihr erstes Auto von Skoda. Die Firma war durch Leshvins Auftritte bei der Serie „Rosa Roth“ auf sie aufmerksam geworden. Foto: ddp

STELLA DEETJEN

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Mein erstes Auto habe ich von meinem Opa geerbt: ein laubfroschgrüner VW Passat mit Schrägheck, den ich Kermit getauft habe. Ich habe mich dafür geschämt, weil es so hässlich war. Trotzdem war es die große Freiheit, ich bin damit gleich nach Rom gefahren. Dort habe ich in der Nähe des Bahnhofs gewohnt, da waren viele komische Leute unterwegs. Ich hatte mir schon eine Lenkradkralle geholt, damit niemand mein Auto klaut, aber die Obdachlosen haben einfach die Scheiben eingeschlagen, um im Auto zu schlafen. Es roch deshalb immer nach Schweiß, Urin und altem Wein. Sie ließen dann auch ihre Sachen im Auto, Pullis und so. Meine deutschen Mitbewohnerinnen haben sich später so geekelt, dass sie sich nur noch auf Plastiktüten gesetzt haben im Auto. Ich fand das nicht so schlimm. Wenn ich abends mit dem Auto in die Disko wollte, habe ich die Obdachlosen einfach geweckt. Ich war damals 19 oder 20 Jahre alt und immer in Eile. Es gab Fahrten nach Rom, bei denen ich nicht mal ausgestiegen bin, damals wurde ja noch für einen getankt. Meinen Papa habe ich vor der ersten Fahrt nach der Strecke gefragt. Er hat mir die grobe Richtung genannt. Gotthard-Tunnel wusste ich, sonst habe ich mich durchgefragt.

Ich habe immer viel Radio gehört im Auto, weil ich oft alleine gefahren bin: R'n'B und italienische Lieder, die die Jungs auf der Piazza mit der Gitarre gespielt haben. Irgendwann habe ich das Auto noch hippie-mäßig angemalt, mit Om und Yin und Yang. Dabei habe ich das ganze Viertel in Rom kennengelernt, weil ich überall was geliehen habe, ich brauchte ja eine Leiter fürs Dach und so. Als sich das Auto mal spontan selbst geheilt hat, habe ich es in Salvatore umbenannt. Als es mir gestohlen wurde, habe ich das bei der Polizei gemeldet. Die Polizisten haben sich kaputtgelacht.

Stella Deetjen,1970 in Frankfurt geboren, wollte eigentlich in Rom Fotografie studieren. Stattdessen zog sie nach Indien und baute dort die Hilfsorganisation „Back to life“ auf.

Ausbaufähig: So brav wie die Standardversion sah Stella Deetjens VW Passat nicht aus – der war mit Om, Yin und Yang bemalt. Foto: F.A.Z.

TIMO GLOCK

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Als ich mein erstes Auto hatte, einen BMW 316i Compact, habe ich alles damit gemacht und jeden Meter genutzt. Ich hatte schon mit siebzehneinhalb Jahren mit dem Führerschein angefangen, damit ich ihn mit 18 gleich habe. Den BMW musste ich nicht kaufen, ich habe ihn von einem Autohaus bekommen, weil ich damals im Formel BMW Junior Cup gefahren bin. Überhaupt habe ich mir nur ein einziges Auto selbst gekauft. Deswegen hatte ich nie eine enge Beziehung zu meinen Autos, sie waren ja nicht mein Eigentum. Zum Auto an sich habe ich keine Liebesbeziehung. Ich nutze es zwar jeden Tag, wichtig ist mir aber das Fahren.

Das liegt bei mir in der Familie – mein Vater ist früher hobbymäßig Kart und Motocross gefahren. Das Motorsportvirus ist dann auch auf mich übergesprungen, meine Leidenschaft ist das Rennfahren. Das gefällt mir besser als das alltägliche Fahren, weil mir da keiner im Weg rumsteht. Privat fahre ich auch gern schnell, aber tagsüber geht das wegen des Verkehrs nicht. Nur wenn ich abends spät von irgendwoher zurückkomme, drücke ich mal im Rahmen des Erlaubten aufs Gas. Als Rennfahrer habe ich den Vorteil, dass ich mir besser vorstellen kann, was auf der Straße passieren kann, wenn man nicht aufpasst. Ich kann die Gefahren einschätzen und nehme das Fahren im Alltag genau so ernst wie die Rennen.

Seit ich mein erstes Auto hatte, bin ich so viele Stunden gefahren, im Alltag und in Rennen, dass ich mich nicht mehr an eine besondere Fahrt mit dem BMW erinnere. In der Woche sitze ich im Schnitt mindestens zwei bis drei Stunden pro Tag im Auto. Manchmal auch noch länger. Dadurch sind meine Fahrgewohnheiten, glaube ich, ziemlich langweilig, obwohl ich Rennfahrer bin: Meine Autos haben keine Namen, und ich habe auch keine besonderen Rituale. Ich bin ziemlich genügsam. Ich steige ein und fahre los. Und wenn ich mal einen Tag nicht ins Auto steigen muss, ist das auch nett.

Timo Glock, 35 Jahre alt, fuhr sechs Jahre in der Formel 1. Seit 2013 startet der Motorsportler für BMW-Teams in der deutschen Tourenwagen-Serie DTM.

Guter Start: Timo Glock bekam seinen eigenen BMW damals umsonst. Foto: BMW AG

MARIA HÖFL-RIESCH

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Mein erstes Auto war ziemlich auffällig: ein Golf-3-Cabrio in Gelb, mit schwarzem Verdeck und schwarz-gelben Ledersitzen. Überhaupt war die Innenausstattung auf die Außenfarbe abgestimmt. Der Wagen hatte Leichtmetallfelgen und weiße Blinkleuchten. Ich glaube, Colour Concept Avantgarde hieß das Modell. An die technischen Details erinnere ich mich nicht mehr genau, auf jeden Fall hatte er ABS, elektrische Fensterheber und Airbags. Und das Verdeck ließ sich automatisch öffnen. Heute ist es ein Liebhaberstück, damals war es für mich vor allem praktisch. Ich war fürs letzte Schuljahr aufs Skigymnasium nach Berchtesgaden gewechselt. An meiner alten Schule in Garmisch-Partenkirchen ließen sich Unterricht und Sport nicht mehr unter einen Hut bekommen. Einige Lehrer hatten wenig Verständnis dafür, dass ich so oft fehlte. Ich war zu der Zeit praktisch schon Profi, startete bereits im Ski-Weltcup. Am liebsten hätte ich die Schule hingeschmissen, aber das erlaubten meine Eltern nicht – zum Glück, sage ich heute. In Berchtesgaden lief es dann viel besser. Dort wurde der Unterricht auf unsere sportlichen Aktivitäten abgestimmt. Am Ende hatte ich ein ordentliches Abitur in der Tasche. Es war aber nicht so einfach, zwischen Garmisch und Berchtesgaden hin- und herzukommen. Vor allem zu den Zeiten, die für mich in Frage kamen. Deshalb gaben mir meine Eltern den gelben Golf, den sie sich als „Sommerkutsche“ zugelegt hatten. Noch bevor ich 18 wurde, machte ich den Führerschein, musste allerdings bis zu meinem Geburtstag warten, ehe ich fahren durfte. Soweit ich mich erinnere, war ich eine vernünftige Fahranfängerin: kein Crash, kein Ärger mit der Polizei. Erst später, als ich mir von meinen Siegprämien einen Audi R8 leisten konnte, ist mein Temperament manchmal mit mir durchgegangen. Sagen wir: Ich ließ nicht jeden Blitzer aus, kassierte einige Strafzettel. Was aber auch kein Wunder war, bei so vielen PS unter der Haube. Heute bin ich immer noch gern flott unterwegs, halte mich aber an die Geschwindigkeitsvorgaben – jedenfalls meistens.

Die ehemalige Skirennläuferin Maria Höfl-Riesch, 32 Jahre alt, ist eine der erfolgreichsten Wintersportlerinnen. Sie gewann allein drei Goldmedaillen bei Olympischen Spielen.

MARIO KOTASKA

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Mein erstes Auto war das von meiner Oma, ein dunkelblauer VW Polo, ein GT, das weiß ich noch genau. Den durfte ich am Wochenende fahren, wenn ich ihn gewaschen und gesaugt hatte. Ich bin auf dem Dorf groß geworden und bin damit in die Schule, in die Stadt und in die Disco gefahren. An den Rückspiegel hatte ich das Vereinslogo meines Tischtennisvereins gehängt und die Auszeichnung meines High-School-Abschlusses vom Auslandsjahr in Amerika.

Gegenüber von mir wohnte ein guter Kumpel, der auch ein Auto hatte. Da ging dann schon ein kleiner Wettstreit los, wer das sauberste Auto hat und die lauteste Anlage. In meinem ersten Auto habe ich viel Tote Hosen gehört, aber auch Depeche Mode und The Cure. In meiner Straße wohnten insgesamt vier Jungs mit Autos, und der Samstag war immer unser großer Tag: Da haben wir unsere Autos gewaschen und die Bundesliga-Konferenz gehört. Ich bin ein Autonarr. Meine Urgroßmutter hat mir schon die ersten Spielzeugautos an mein Kinderbett gelegt. Später habe ich dann mit Begeisterung Autorennen im Fernsehen geschaut, das war meinen Eltern unerklärlich. Bei den Quartetts, die es früher gab, konnte ich von allen Autos Hubraum und Zylinder auswendig. Später bin ich dann mal zu einem Markenpokalrennen eingeladen worden, und nach meiner ersten Rennfahrt war es um mich geschehen. Ich habe Rennen auf dem Sachsenring, dem Nürburgring und dem Hockenheimring gemacht. Die höchste Geschwindigkeit, die ich je gefahren bin, waren 275 Kilometer pro Stunde. Beifahrer war ich sogar mal bei 320 Kilometer pro Stunde, das war ein geiles Gefühl. Da wird die Welt ganz klein. Diese Rennen, bei denen man in jeder Runde näher an sein Limit geht, waren für mich die perfekte Auszeit vom stressigen Berufsleben.

Mario Kotaska,1973 in Kassel geboren, wurde durch „Die Kochprofis – Einsatz am Herd“ bei RTL 2 und „Die Küchenchefs“ bei Vox bekannt.

LENA GORELIK

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Ich habe mit 18 Jahren den Führerschein gemacht, weil ich in einem kleinen schwäbischen Ort wohnte, aus dem ich nur weg wollte. Das erste Jahr bin ich den uralten silbergrauen VW Jetta meiner Eltern gefahren. Ich habe ihn total geliebt, aber meine Freunde haben sich über ihn lustig gemacht. Sie hatten schon CD-Player im Auto, und ich habe noch Kassetten gehört. Den Wackeldackel hinten drin, den mir meine Eltern zum Führerschein geschenkt hatten, fanden sie total peinlich.

Für meine Eltern ist Autofahren eine große Sache – meine Mutter hat keinen Führerschein, mein Vater hat ihn mit 50 Jahren gemacht. Er konnte zwei Strecken fahren: zum Bahnhof, wenn Besuch kam, und zum Supermarkt. Tanken musste er nur alle drei Monate. Ich habe damals gelogen und behauptet, ich fahre zum Bahnhof, und fuhr dann zu meiner Jugendliebe, 30 Kilometer entfernt. Damit es niemand bemerkte, bin ich den Rückweg in irrem Tempo gefahren.

Der Jetta war Freiheit. Alle Fenster aufzureißen, die Arme rauszustrecken, die Musik laut mitzugrölen, das Auto voller Freunde. Autofahren fasziniert mich dann, wenn es keinen Sinn hat. Ich liebe es noch heute, mich einfach ins Auto zu setzen, drauflos zu fahren, nicht zu wissen wohin. Mit den dicken Atlanten hatte ich früher immer das Gefühl, ich komme auch in Italien an oder in Norwegen, wenn ich nur weiterfahre. Das erste Auto, das wirklich mir gehörte, habe ich Jahre später gewonnen. Ich hatte einen Streit mit meinem Mann, weil er für 50 Euro Lose gekauft hatte. Er hat sie trotzdem mit mir geteilt, und dann habe ich wirklich einen BMW gewonnen. Günther Jauch wartete auf der Bühne. Ich war so aufgeregt, dass ich ihm versprach, das Auto nicht zu verkaufen. Vier Monate später kam mein erstes Kind auf die Welt. Weil wir auch einen riesigen Hund hatten, wurde das Auto zu klein. Ich habe es dann doch verkauft.

Lena Gorelik wurde 1981 in Leningrad geboren und kam 1992 mit der Familie nach Deutschland. Über Roadtrips schreibt sie auch in ihrem neuen Roman „Mehr Schwarz als Lila“.

Bloß weg hier: Dafür ist ein uralter silbergrauer VW Jetta, wie ihn Lena Gorelik fuhr, genauso gut wie jedes andere Auto. Foto: Volkswagen AG

JULIA MALIK

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Ich bin autoverliebt. Mein erstes Auto mit 18 Jahren war ein hellgrauer Mercedes-Geländewagen, alt und kastig, mit drei Türen und fünf Sitzen. Ich habe es Hubert genannt, weil es so ein Jägerauto war. Es war ein Geschenk meiner Eltern, sie wollten damit meine Unabhängigkeit unterstützen, damit ich nicht immer bei irgendwelchen Männern mitfahren muss. Das Auto war toll, damals bin ich viel geritten, und damit konnte ich alles aus dem Matsch ziehen.

Mein erstes Auto war wie ein Haus für mich. Da habe ich immer alle essentiellen Sachen drin gehabt, eine Decke, ein Handtuch, einen Badeanzug. Ich habe auch immer wieder im Wagen geschlafen. Ich habe es geliebt, wie der Regen auf das Dach getrommelt hat und dass man so hoch über allem lag. Und Musik musste immer dabei ein. Damals habe ich viel Bob Dylan gehört, Radiohead, The Doors, David Bowie und Patti Smith. Einmal bin ich mit Hubert mit einer Freundin bis nach Südfrankreich gefahren, einfach immer weiter. Wir haben im Auto geschlafen oder daneben gezeltet.

Die Liebe zum Autofahren habe ich von meinem Vater. Er hatte immer besondere Autos, alte, geschwungene Mercedes. Ganz früher hatten wir auch einen Lastwagen, den mein Vater mit Küche und Betten ausgebaut hatte. Auf dem Dach konnte man wunderschön frühstücken. Damit sind wir durch Dänemark und Frankreich gereist und überall so lange geblieben, wie wir wollten. Ich liebe Autofahren noch heute, dieses merkwürdige Unabhängigkeitsgefühl: Man ist, wo man ist. Mit dem Auto kann man schön langsam und unmittelbar verreisen. Wenn ich noch die Kinder im vollgepackten Auto habe, dann kann mir niemand was. Sobald ich losfahre, ist das Ankommen gar nicht mehr so wichtig. Ich empfinde es als Luxus, mit dem Auto einfach anhalten zu können, wo ich möchte. Wenn jemand aus der Familie sagt: „Hier gefällt es mir!“, dann bleiben wir. Okay, nicht jedes Mal.

Julia Malik, 1976 geboren, wurde als Film- und Theaterschauspielerin bekannt. Gerade dreht sie für das ZDF in Schweden.

Hubert G: Julia Maliks Geländewagen war damals nur ein Dreitürer - wichtiger war aber sowieso der Vierradantrieb. Foto: Daimler AG

JOHANN VON BÜLOW

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Mit Mitte 20 habe ich mir einen petrolblauen Saab 900 Turbo gekauft, das war mein erstes Auto. Für ein Cabrio hat das Geld leider nicht gereicht. Drei Jahre vorher hatte ich schon mal versucht, mir dieses Auto zu kaufen. Das Auto, das ich für mein Geld bekommen hätte, hatte aber so viele Macken, dass ich doch noch gewartet habe. Ein Kollege, der auch einen Saab hatte, hat mich an seinen „Saab-Dealer“, wie wir ihn genannt haben, vermittelt. Der hat mir dann auch meinen Gebrauchten verkauft. Gleich nach zwei, drei Wochen hatte er einen Getriebeschaden, also die völlige Katastrophe. Der Händler hatte aber so ein schlechtes Gewissen, dass wir uns die Reparaturkosten geteilt haben.

Viele meiner Freunde hatten mit 18 den Golf von Mutti übernommen. Damals habe ich sie schon um dieses Freiheitsversprechen beneidet. Das ist zwar ein doofes Klischee, aber trotzdem. Wir waren vier Jungs, und wir haben vor jeder Fahrt ausgelost, wer wo sitzen darf. Es gab eine Rangordnung von A bis D. Der Fahrer war A, der Beifahrer B. Der schlechteste Platz D war der hinter dem Fahrer - der durfte nämlich den Sitz so weit nach hinten machen, wie er wollte.

Was nicht fehlen durfte im Auto, war Musik. Damit kann Autofahren wie Kino sein. Wenn gute Musik läuft und draußen eine schöne Landschaft vorbeizieht, ist es der richtige Film. Als ich mein erstes Auto hatte, war ich an verschiedenen Theatern in Mainz, Zürich und Leipzig engagiert. Deswegen bin ich mit dem Saab mindestens 40.000 Kilometer im Jahr gefahren. Ich hatte ihn eineinhalb oder zwei Jahre, dann habe ich ihn leider geschrottet. Ich bin etwas zu sportlich in eine Straße eingebogen, und ein anderes Auto ist mir vorne in die Seite reingefahren, alles war verzogen. Danach hatte ich noch mal einen Saab 900 Turbo, aber auch der ist schnell kaputtgegangen. Dann habe ich es aufgegeben mit diesem Modell.

Johann von Bülow, 1972 geboren, ist Film- und Theaterschauspieler. Mit Loriot (Vicco von Bülow) ist er nur entfernt verwandt.

Fürs Cabrio reichte es bei Johann von Bülow nicht - für den Saab schon. Foto: mauritius images

MARGARITA BROICH

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Mein erstes Auto war ein Fiat 124 in einem ziemlich hässlichen Orange. Wir wohnten im Wiedbachtal, 25 Kilometer von meinem Gymnasium entfernt. Nachdem ich glücklich einen „Idiotentest“ bestanden hatte – so nannte man den tatsächlich –, durfte ich schon mit 17 den Führerschein machen. Die Busfahrt zur Schule hätte hin und zurück mehr als zwei Stunden gedauert. Allerdings durfte ich bis zur Volljährigkeit nur diese eine Strecke fahren. Daran habe ich mich auch gehalten, aus Angst, den Führerschein zu verlieren. Die Straße war von Bäumen gesäumt und folgte einem kleinen Fluss mit vielen Windungen. Jeden Morgen bin ich gegen die Uhr zur Schule gerast, immer wieder eine oder eine halbe Minute schneller. Wenn ich heute daran denke, wird mir nur noch schlecht. Würden meine Kinder so Auto fahren, müsste ich sie einsperren. Den Fiat hatte ich von einem meiner Brüder sozusagen geerbt, er sah aus wie eine Kinderzeichnung. Aber die ersten Fahrten mit dieser Kiste waren für mich wie eine Explosion.

Ich war frei, beweglich, ich konnte alle Kühe hinter mir lassen und in Neuwied ins Kino gehen oder ins klitzekleine Theater. In meiner Erinnerung war es ein fast erhabenes Gefühl, im Besitz eines Führerscheins zu sein. Meine Eltern ahnten selbstverständlich nichts von meinem bekloppten Fahrstil. Das Auto hatte ein Radio, aber keinen Kassettenrekorder, und war mit schrecklichen Prilblümchen „verschönert“. Da man den Kofferraum verschließen konnte, lag dort meistens meine Kamera. Mein zweites Auto war ein wunderschöner, alter, taubenblauer Mercedes 230 mit durchgehender Sitzbank und weißem Lenkrad. Ein Traum. Der tauchte dann auch auf meinen Fotos auf. Auf seiner Motorhaube sah jeder gut aus, sogar mein Bruder. Aber mit meinem kleinen Fiat fing tatsächlich das Leben an. In Berlin ist ein Auto überflüssig, aber im Westerwald unbedingt erforderlich. Nur ein fliegender Teppich wäre schöner gewesen. „Baby you can drive my car ...“

Margarita Broich, 1960 in Neuwied geboren, ist Fotografin und Schauspielerin, unter anderem im Frankfurt-„Tatort“.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin