Schnittblumen

Schönes für die Vase

Von Ina Sperl
 - 09:49

Dahlien wirken besonders gut, Astern ebenso. Fetthennen gehören zu den Dauerhaftesten, sie treiben sogar manchmal Wurzeln im Wasser. Herbstanemonen dagegen welken schnell: Jetzt im Spätsommer ist die Fülle groß an Gartenblumen, die sich auch für die Vase eignen. Wer blühende Beete hat, braucht keine Sträuße zu kaufen. Sonnenblumen, kombiniert mit roten Skabiosen, Fenchelblüten und Wiesenknopf, aber auch violette Astern, Sonnenhüte und Gräser ergeben ein schönes Bild. Löwenmäulchen und Bartnelken passen zu Dahlien – ob Ton in Ton oder kontrastreich zusammengestellt, bleibt dem persönlichen Geschmack und dem Farbspektrum des Gartens überlassen. Auch bereits Verblühtes darf dazukommen, wenn es so dekorativ ist wie die Samenstände vom Mohn oder der Jungfer im Grünen.

Blumen aus dem eigenen Garten haben den Vorteil, dass man genau weiß, woher sie kommen und wie sie wachsen durften. Das ist bei Sträußen aus dem Handel nicht immer zweifelsfrei zu sagen. Sie haben meist lange Transportwege hinter sich und sind mit Hilfe von Pflanzenschutzmitteln groß geworden, die makellosen Wuchs ermöglichen. Über die Arbeitsbedingungen und Löhne der Menschen, die diese Blumen heranziehen, ist kaum etwas bekannt. Doch ist davon auszugehen, dass diese so kurzlebige Schönheit in der Vase einen deutlich höheren Preis hat als die Euros, die der Strauß kostet.

„Slow Flowers“

„Slow Flowers“ heißt ein Trend, der aus den Vereinigten Staaten kommt und bei uns allmählich Wurzeln schlägt. Analog zu „Slow Food“ bezeichnet der Begriff Blumen, die aus der Region stammen, der Saison entsprechen und möglichst ökologisch angebaut sind. Genauso wenig wie im Winter einheimische Erdbeeren auf den Tisch, kommen dann Rittersporn oder frische Rosen in die Vase. Was nicht heißt, dass alles trist sein muss in den dunklen Monaten, denn der Garten gibt auch dann noch einiges her, von Hagebutten und Gräsern über trockene Lampionblumen bis zum Tannengrün. Dafür ist die Freude über die ersten Christrosen und Narzissen umso größer.

Wer sich für die „langsamen Blumen“ entscheidet, schärft den Blick für die Saison. Nicht alles ist makellos, manchmal öffnen sich Knospen nicht, manches ist schon verdorrt und ein Relikt des Sommers. Doch alle diese Blüten und Stengel sind Unikate im Vergleich zu denen aus dem Geschäft.

Gleichzeitiges Blühen ist wichtig

Hierzulande gibt es „Slow Flowers“ noch am ehesten aus dem eigenen Beet. Dort ist die Auswahl im Sommer natürlich am größten. Doch auch im Frühjahr und bis in den Winter hinein können Gartenblumen geschnitten werden – vorausgesetzt, es wird ein bisschen geplant. Zwiebelpflanzen für den Frühling, Sonnenhüte und Bartnelken für den Sommer, Chrysanthemen und Astern für den Herbst. Dazu kommen selbstgezogene Einjährige wie die Jungfer im Grünen, Muschelblume oder Zinnien. Diese alle haben den Vorteil, dass sie in großen Mengen aus Samen gezogen werden können.

Für erfahrene Gartenbesitzer selbstverständlich, für Neulinge aber überlegenswert: Wichtig bei der Planung von Wunschkombinationen ist, dass die Pflanzen auch wirklich gleichzeitig blühen. So schön violette Pechnelken zwischen gelben Rudbeckien auch aussähen – die einen blühen von Mai bis Juli, die anderen erst von August an. Genauso wenig kommen Herbstastern und Trollblumen zeitlich zusammen.

Ist die Mischung im Beet gut, wird sie es auch in der Vase sein. Möglichst verschiedene Blütenformen und Pflanzenstrukturen machen nicht nur die Rabatte interessant. Es gibt die Stars wie die Päonie, die Rose, die Dahlie. Körbchenförmige Sonnenhüte oder Margeriten lassen sich mit länglichen Blüten wie der Gelenkblume oder dem Steppensalbei kombinieren. Filigran sind Gräser wie das Zittergras oder das Chinaschilf, aber auch das Schleierkraut, die Süßdolde und der Wiesenkerbel. Bizarre Formen bringen Kugel- und Elfenbeindisteln in die Vase. Schönes Laub steuern je nach Jahreszeit Funkien, Purpurglöckchen und Bergenien bei. Auch duften sollte ein Strauß. Nicht nur Rosen, Nelken und Phlox verbreiten einen angenehmen Geruch. Würzig wird es mit Minze, Salbei oder Thymian, die sich in der Blumenvase halten, genau wie Ysop und Fenchel.

Normaler Gartenboden und viel Sonne

Vielleicht ist im kommenden Jahr ein Beet übrig, das ganz den Schnittblumen gewidmet werden kann. Nicht ganz so üppig sind Sträuße, die unauffällig aus einer Staudenrabatte geschnitten werden. Doch auch sie kann genügend hergeben, ergänzt mit Ein- oder Zweijährigen. Was wächst, hängt vom Standort, von der Erde und der Helligkeit ab. Doch die meisten Blumen brauchen normalen Gartenboden und viel Sonne. Wenn viel geschnitten werden soll, benötigen die Pflanzen jedoch mehr Nährstoffe, um sich schneller regenerieren zu können. Also viel Kompost und organischen Dünger zugeben.

Wenn es dann so weit ist, dass geerntet werden kann, sollte morgens oder abends gepflückt werden. Unmittelbar vorm Ins-Wasser-Stellen müssen die Stengel angeschnitten werden. Das Wasser sollte nicht zu kalt sein und täglich gewechselt werden. Dann bleiben die Gartenblumen länger frisch, viele bis zu einer Woche. So wird die Schönheit aus dem Garten ins Haus geholt.

Die passenden Blumen

Blumen der Saison Im Frühjahr eignen sich Narzissen, Tulpen, aber auch Maiglöckchen, Akelei, später Zierlauch, Pfingstrosen, Tränendes Herz, Nelken sowie die Trollblume gut zum Schneiden. Auch die Wieseniris. Im Sommer: Rittersporn und Glockenblumen, Frauenmantel und Schafgarbe können gepflückt werden. Fackellilien, Indianernesseln, Agastachen und die Gelenkblume, auch Schafgarbe und Schleierkraut, Lavendel, Mannstreu, Sterndolden und Sonnenhüte ebenso. Wenn es auf den Herbst zugeht, kommen Sonnenblumen, Artischocken, trockene Disteln und Astern dazu, Eisenhut, Wiesenknopf und Chrysanthemen. Gräser wie das Plattährengras oder Chinaschilf passen gut in einen Strauß, auch die Stengel von Fetthennen. Im Winter finden sich Zweige, letzte Hagebutten, aber bald auch schon die ersten Christrosen im Garten. Schneeglöckchen oder Anemonen, Wiesenblumen wie Mohn oder auch Wilde Möhre bleiben besser an Ort und Stelle. Sie welken viel zu schnell, wenn sie abgeschnitten werden.
Quelle: F.A.S.
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