Sauzahn, Hochbeet, Rosenlaube

Sechs Lieblingsstücke für den Garten

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Der Sauzahn

Als ich vor Jahren einen Garten samt Inventar übernahm, hatten die Vorgänger gerade das Zeitliche gesegnet. So erbte ich ein großes Sortiment an Rechen, Wühleisen, Eggen, Grubbern, Doppelhacken, Kratzeisen, Schuffeln und werweißwasnoch, das man mittels Klick oder Schraube an einem Stiel befestigen konnte. Manches davon schien sogar in Benutzung gewesen zu sein. Anderes hatten die Besitzer offenbar plan- und ziellos erstanden. Seit der Mensch den Grabstock erfunden hat, ist er nicht müde geworden, sich Geräte auszudenken, die ihm die Bodenbearbeitung erleichtern sollen. Aber eigentlich braucht man als Gärtner nur einen Sauzahn. Er besteht aus einer sichelförmig gebogenen Zinke, die vorn abgeplattet ist und spitz zuläuft. Man lockert damit das Erdreich, hebelt Steine heraus, hackt, wo es nottut, zerrt Unkrautwurzeln hervor und glättet den Boden. Es gibt den Sauzahn mit langem Stiel, um im Stehen arbeiten zu können. Ich bevorzuge die Handausführung, denn man muss sich ja zwischendurch doch immer bücken, und da kann man gleich auf den Knien bleiben. Man muss auch nicht lange suchen, um einen anständigen Sauzahn zu finden: Den besten schmiedet der holländische Familienbetrieb Sneeboer aus zwei verschiedenen Edelstahllegierungen und bestückt ihn mit einem vertrauenswürdigen Griff aus Esche. Es ist eine Freude, damit zu arbeiten.

Jörg Albrecht

Die Rosenlaube

Rosen? Waren eigentlich nie my cup of tea, mir gefiel mein Garten auch ohne. Dann landete eines Tages ein Metall-Pavillon als Geschenk in meinem Garten. Filigran, elegant, luftig. Womit beranken? Blauregen, Goldhopfen, Clematis? Es wurde eine Kletterrose mit entzückenden kleinen, rahmweißen Blüten. Irgendwo hatte sich wohl dieses Rosamunde-Pilcher-Motiv in einem Teil meines Unterbewusstseins verankert. Wenn schon kein rosenumrankter Landsitz, dann wenigstens eine Laube! Die Rose ist ein Rambler, ’Filipes Kiftsgate‘. Der Innenraum der Laube wurde äußerst mühevoll von Giersch bereit, feinster Kies ausgestreut, ein Deckchair in die Mitte gestellt. Schnell bildete sich ein dichtes, blühendes Dach, danach kletterten die Ranken mit extrem vielen dicken Stacheln in rasantem Wuchs immer weiter und weiter. Nun genieße ich jeden Frühsommer eine wundervolle weiße Blütenwolke. Leider ist der Rausch sehr flüchtig. Noch nie genoss ich die erträumte Siesta in dieser Laube. Aber von allen Seiten des Gartens aus ist es ein grandioser Anblick. Und wer weiß, vielleicht kann ich eines Tages doch noch ein schlafendes Dornröschen sein.

Christa Hasselhorst

Der Arbeitstisch

Ein Garten macht Arbeit, selbst ein sehr kleiner. Vielleicht sogar gerade der. Auf knapp 30 Quadratmetern entgeht dem Blick schließlich kaum etwas. Um dennoch eine gewisse Vielfalt zu haben, stehen in unserem Garten viele Pflanzen in Töpfen. Und selbst die Stufen, die zur Haustür führen, sind mit allerlei bepflanzten Kübeln und Kästen besetzt. Da gedeihen Rosen und Rosmarin neben Lavendel, Hibiskus und Oleander. Denn ansonsten gibt es nur ein kleines Rasenstück, das von hohen Büschen gesäumt ist. Und einen Sitzplatz. Als vor einiger Zeit dort der Tisch gegen ein neueres Modell ausgetauscht wurde, schien das Schicksal des alten besiegelt: Sperrmüll. Doch es war gerade Zeit zum Umtopfen, und das geht im Stehen nun einmal besser. So fand der alte Terrassentisch seinen Platz zwischen Hauswand und wild wucherndem Kirschlorbeer gleich neben dem Wasserhahn für den Gartenschlauch. Der perfekte Ort also, um auf angenehmer Arbeitshöhe Pflanzen aus zu kleinen Gefäßen zu befreien und in größere mit frischer Erde zu setzen. Sogar eine kleine Anzuchtstation für selbstausgesäte Tomaten hat dort Platz gefunden. Auch wenn dieser Tisch nicht so elegant aussieht wie jene mit Zinkblech ausgekleideten Gartenwerkbänke aus britischen Katalogen, erfüllt er doch den gleichen Zweck – mit dem Charme des etwas Abgetragenen.

Patricia Andreae

Zange mit Stiel

Unser eigener Garten ist klein, bloß ein viereckiges Stück Wiese hinter dem Haus. Wie großartig das Leben mit einem großen Garten sein muss, haben wir jetzt bei Freunden gespürt, die ein altes Haus in der Rhön geerbt haben. Es steht ganz allein und nur für sich, der Blick schweift weit übers Land, eine Hecke säumt den Garten, der für unsere Großstadtaugen fast schon ein Park ist. Einen Schuppen gibt es auch, darin Werkzeuge und Geräte aus vergangenen Tagen. Beim letzten Besuch dort haben wir unser Lieblingsstück entdeckt: eine gusseiserne Unkrautzange mit einem langen Holzstiel. Im Garten der Freunde wuchert Moos. Mit dieser Zange am Stiel ist es ein Vergnügen, dagegen anzukämpfen. Man kann dabei nämlich einfach stehen bleiben, anstatt sich nasse Knie und Rückenschmerzen zu holen. Mit einem Tritt auf einen sinnvoll angebrachten Fußhebel sticht man die Zange in den Boden, sie greift das Unkraut samt Wurzeln, und mit einer kleinen Drehbewegung ist es aus dem Erdreich gezogen. Grandpa’s Weeder ist in geschwungenen Buchstaben auf den Stiel graviert, „Opas Unkrautzange“. Auch wenn in Wahrheit nie ein Großvater mit ihr gejätet hat, fühlt sie sich genauso an: alt, ehrlich und würdig. Am liebsten hätten wir sie am Ende unseres Besuchs mitgehen lassen. Aber so etwas tut man unter Freunden ja leider nicht.

Sebastian Balzter

Die Harke

Sie hat acht Zinken, von denen einer ganz krumm ist. Dass sie mal grün war, ist nur noch zu erahnen. Auch der Stiel hat schon bessere Zeiten gesehen. Und doch ist schon nach einer kleinen Aktion im Garten klar: Diese Harke wird mein Lieblingswerkzeug. Der hölzerne Stiel ist glattpoliert von den Händen, die Jahrzehnte damit gearbeitet haben. Er ist auch verhältnismäßig lang, so dass Stellen weiter hinten im Beet prima erreicht werden. Vor allem ist die Harke aber gerade einmal 20 Zentimeter breit. Daher eignet sie sich bestens, den Boden zwischen Stauden oder Gemüsereihen aufzulockern. Ich habe sie erst vor kurzem als Werkzeug entdeckt. Dabei begleitet mich diese Harke schon mein Leben lang. Meine Mutter hat damit gearbeitet, seit ich denken kann. Die Erde gelockert, ruckzuck Unkraut weggemacht, vielleicht Laub aus unwegsamen Ecken geholt. Möglich auch, dass ich als Kind schon damit gewerkelt habe. Sentimentaler Wert allein macht ein Werkzeug aber nicht zum Liebling. Das zeigen die uralten Schaufeln und Spaten, die ebenfalls inzwischen in meinen Besitz übergegangen sind, aber bloß in der Ecke stehen. Die Harke liegt einfach gut in der Hand – wie bei der Mutter, so bei der Tochter.

Katharina Iskandar

Das Hochbeet

Dem Redakteur geht es wie den Menschen, geliebt wird vor allem, was neu ist. In diesem Jahr baue ich erstmals Kartoffeln an, sie werden in ein rundes Hochbeet mit zwei Stufen eingesetzt, das aus biegsamen schwarzen Kunststoffelementen besteht. Die Knollen sind jetzt unter die Erde gekommen, im Abstand von 30 Zentimetern. Das Beet mit 1,40 Meter Durchmesser beherbergt im unteren Teil zwölf und im kleinen oben drei, auf gleicher Fläche wären bei ebenerdigem Anbau höchstens acht möglich gewesen. Auf Rat eines Kenners, der festkochende Kartoffeln wie trockenen Wein verkostet, fiel die Wahl auf die frühreife französische Sorte Belle de Fontenay und die etwas empfindliche La Ratte, die vor allem in Feinschmeckerrestaurants beliebt ist. Die Erstgenannte wird bis spätestens Mitte Juli geerntet, die zweite braucht einen Monat länger. Derselbe Kenner hat gleich noch einen Tipp gegen Wühlmäuse im Köcher: einen fingerdicken Holunderzweig entrinden und auf vier Zentimeter lange Stücke schneiden. Je zwei davon flankieren die Pflanzkartoffeln. Oberirdisch ist der Befall angeblich nicht zu erkennen, aber die Knollen werden dann kaum größer als eine Haselnuss. Wir werden sehen.

Lukas Weber

Quelle: F.A.S.
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