Terrassen richtig gestalten

So setzen Sie sich in Szene!

Von Jörg Niendorf
 - 15:15
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Die grüne Fuge

Nichts ist so alt wie die Steinplatte auf der Terrasse, sie wird seit jeher für diese Zwecke verwendet. Die Beläge halten ewig, sie sind meist schnell verlegt und rutschfest. Beliebt sind Natursteinplatten, denn selbst große Flächen lassen sich mit ihnen so gestalten, dass sie nicht monoton wirken. Echte Steine aus der Tiefe der Erde schimmern schließlich alle unterschiedlich, Sandsteine in warmen Beigetönen, Quarzit in Gelb, Granit in vielerlei Grau und Porphyr in Rot. Das Allerbeste jedoch ist, dass sich das ohnehin vorhandene Farbspiel noch um ein zartes Grün erweitern lässt: und zwar in den Fugen zwischen den Steinen. Dort, wo sonst nur grauer Zement liegt, können Pflanzen sprießen, die es vertragen, dass man auf ihnen herumtrampelt. Und damit ist kein Unkraut gemeint! Vielmehr gibt es spezielle Trittstauden, die aus einer steinernen Fläche eine grün gerasterte Terrasse entstehen lassen. Im Frühsommer bilden die Bodendecker ihre Blüten – und wenn man begeisterten Besitzern solcher naturnahen Terrassen glaubt, dann blühen um diese Zeit die Steine gleich mit.

Die römische Kamille braucht zum Beispiel einen ganz ausdrücklichen Tritt, durch ihn wächst sie nur besser. Das stellte schon William Shakespeare fest, er ließ seinen „Falstaff“ über die etwas merkwürdige Lebenseinstellung der Pflanze sinnieren. Auch die japanische Verbene und Polsterthymian hätten solche Eigenschaften, sagt der junge Berliner Gartenbauer Thomas Fritsch. Er verwendet sie häufig. Fritsch gestaltet naturnahe Gärten, und grüne Fugen dürfen auf seinen Wegen, lauschigen Rückzugsorten oder Terrassen nicht fehlen. Allerdings liegt für Fritsch die wahre Kunst der Fuge in der Bescheidenheit. „Man darf die Pflanzen nicht zu sehr verwöhnen“, sagt er, „sie sollen ruhig etwas mickrig bleiben.“ Nur wenn sie dezent die Zwischenräume ausfüllen und nicht zu üppig blühen, ist es dem Gartenbauer Fritsch recht. Sie sollten schließlich einen Rahmen für die Steine bilden, aber doch bitte nicht zu effekthascherisch. Das ist also das Geheimnis.

Umso mehr gilt die Regel, wenn polygonale Platten im Garten verlegt werden, das heißt asymmetrisch geschnittene Natursteine. Dann sind die Fugen groß. Flächen mit solch kreuz und quer verteilten Bruchsteinen entwickeln im Sommer den Charme eines buntgescheckten Teppichs, abwechselnd in den Farbverläufen von Steinen und Blüten. Um so eine idyllische Inszenierung zu erreichen, gönnt der Gärtner Fritsch den Pflanzen wirklich nicht viel. Für die Fugen mischt er Sand und ein wenig Muttererde an. Das muss als Substrat reichen, hinein pflanzt er Verbene und Kamille. Unter die Steinplatten gehört indes eine Tragschicht aus Kies von etwa 30 Zentimetern. Der Pflanzenteppich wurzelt dazwischen sehr stark in den ersten Jahren, das hilft bei der Stabilisierung. Auch mit Polygonalplatten und grünen Fugen lasse sich eine ganze Terrasse gestalten, nicht nur ein kleiner Freisitz, betont Fritsch. Nur muss man wohl seine Gartenmöbel darauf abstimmen und solche mit massiven Stuhlbeinen wählen. Zu spitze oder filigrane Modelle sinken in den zahlreichen Fugen ein.

Das warme Holzdeck

Eine andere ökologische Variante ist die vollständig hölzerne Terrasse: Das Erholungsdeck, das sich schnell in der Sonne erwärmt. Ein Vorteil ist, dass eine Holzterrasse meist zügig und problemlos aufzubauen ist. Gerüste und Planken gibt es serienmäßig im Fachhandel, als Unterbau reichen in der Regel ein Kiesbett als Drainage und ein paar gegossene Betonstützen sowie die tragenden Balken, auf denen hinterher die Latten liegen. Damit ist schon ein wichtiges Stichwort gefallen: „auf“. Eine Holzterrasse muss nämlich immer etwas über dem Boden schweben, damit die Konstruktion darunter trocken und gut belüftet bleibt. Ästhetisch ist das einzuplanen, gerade, wenn die Holzterrasse nicht direkt ans Haus angedockt werden soll, sondern an anderer Stelle im Garten liegt. Eine Stufe hinauf wird es immer gehen. Aber gerade dadurch entsteht ja der Eindruck eines schwebenden Decks, und das hat seinen Reiz.

Gerade steht bei Gartenplanern und Landschaftsarchitekten das Holz der Eiche als Beplankung hoch im Kurs. Auch dieses wird silbrig grau nach einiger Zeit unter freiem Himmel und entwickelt eine etwas stumpfe Patina, man muss es mögen. Aber dafür ist es ein heimisches Gewächs. Eiche, ein kurzfaseriges Holz, splittert zudem nicht, und das ist viel wert bei einer Diele für draußen, zum Wohl der Füße der Nutzer im Hochsommer. Und noch einen Vorteil hat die Eiche: Selbst in fünf oder sechs Meter langen Planken verzieht sie sich nicht, im Gegensatz zu den sonst gängigen einheimischen Terrassenhölzern Lärche und Douglasie. Diese muss man in kürzeren Latten auslegen, und das bedeutet mehr Befestigungen mit sichtbaren Schrauben. Kurzum: Mit Eichenplanken können Planer besonders gut Fugenbilder und lange Fließrichtungen erzeugen, längs, quer, diagonal, und sie können Sitzgelegenheiten aus dem gleichen Material integrieren. In Sichtbeton eingefasste Holzterrassen und Holzstege zeigen sich in immer mehr puristisch gestalteten Gärten.

Klare Kante mit Pergola

Schon seit der Antike gibt es dieses eine immer wiederkehrende Motiv im Garten: Der kleine Säulengang mit einem berankten Dach, der Schatten spendet und auch als Freisitz zu nutzen ist. Und der außerdem, ganz wichtig, einen Übergang im Garten bildet, der eine Struktur schafft. Hier geht es zum Beispiel vom Haus mitsamt Terrasse hinüber zum offeneren, natürlicheren Teil des Gartens. Solch eine halbschattige Übergangszone lässt sich auf ganz eigene Art begrünen und damit vom Rest des Gartens abheben. Oder man gestaltet eine Pergola ganz pur mit naturbelassenem oder bunt angestrichenem Holz. Aus Trägern und Reitern sowie einigen Betonstützen im Boden ist die offene Konstruktion schnell aufgebaut. Wer es rustikal mag, kann seinen Platz unter der Pergola einfach befestigen, das heißt auf der Fläche eines großen Rechtecks ein Stück weit Boden ausheben und dort ein Schotterbett und feinen Kies an der Oberfläche einbringen – und fertig ist eine Art von Terrasse.

Eine aufwendige, aber reizvolle Variante ist dagegen die, einmal den Fürsten zu spielen, der sich seinen Landschaftspark anlegt. Dazu wechselt man die Perspektive und kreiert ganz am Ende des Gartens seinen Platz mit Pergola. Also nicht als Scharnier von vorn nach hinten in den Garten, sondern in entgegengesetzter Richtung. Vom fernen Außenposten schaut man dann hinein ins Grundstück.

Das Festhaus im Garten

Ursprünglich für das wohltemperierte Gärtnern gedacht, sind Gewächshäuser mittlerweile auch zur vornehmen Terrassen-Verlängerung geworden. Oder manchmal wohl gleich zur einzigen Terrasse, denn es gibt Luxusausführungen, die ganz gewiss nicht an den Rand hinter die Beete gequetscht werden, sondern mitten auf dem Grundstück stehen sollen: Treibhäuser, fünfzehn Quadratmeter groß, zum Preis von 5000 Euro und mehr. Der größte Anbieter von Gewächshäusern in Deutschland, das dänische Unternehmen Juliana, hat neuerdings ebensolche Modelle im Programm, die gleichzeitig Gesellschaftsräume sein sollen. Es sind filigrane Stahl-Glas-Entwürfe zum Essen, Lesen, Yoga machen. Die Gemüsebeete, immerhin, es gibt sie, stapelt man an der Seite übereinander, eine raumsparende Konstruktion hat Juliana eigens ersonnen. Eine große Flügeltür lässt sich öffnen, man sitzt immer trocken, selbst wenn es nieselt, und doch irgendwie draußen. So lässt sich der Sommer noch in den Herbst verlängern.

Quelle: F.A.S.
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