Gartenschädlinge

Schneck, komm raus, du bist umzingelt

Von Lukas Weber
 - 12:02

Die Auswahl an Küchenkräutern im heimischen Garten ist ein Quell steter kulinarischer Freude. Passend zum Gericht wird frisch gerupft, was der Garten so hergibt. Dachten wir. Bis dann eines Morgens dem Hobbygärtner jäh der Schreck in die Glieder fährt: alles abgefressen, obwohl die Kübel erhöht aufgestellt waren. Die Täter sind schnell ausgemacht, überall schleimige Spuren, und ja, da hängt sogar noch eine zwischen den Stengeln. Wie eklig!

Feuchte Witterung und frisches Grün sind ein Paradies für Schnecken – wir reden hier von den roten, braunen oder schwarzen und in jedem Fall nackten. Sie fallen über fast alles her, was uns schmeckt und gefällt. Das ist so ärgerlich, dass sich selbst die liebreizende Gartenfreundin zu hässlichen Gewaltphantasien hinreißen lässt. Wir hören sie in jüngster Zeit öfters mal davon reden, den Schleimern die Fühler mit den Äuglein abzuschneiden; gemacht hat sie es bisher unseres Wissens noch nicht. Etwas zu unternehmen ist jetzt aber höchste Zeit. Denn zweihundert bis vierhundert Eier legt jede Schnecke in den nächsten Wochen. Dass das Problem im kommenden Jahr kleiner werde, ist deshalb nicht zu erwarten.

Fleischfressende Tigerschnecken

Wie wird man die Bande los? Der Klassiker ist Schneckenkorn, also Gift. Es wird ausgestreut und gern genommen, wie es scheint, allerdings nicht von allen. Solches auf der Basis von Eisen-III-Phosphat schadet (im Gegensatz zu Metaldehyd) angeblich auch nicht Igel, Hund und Katze, aber verlassen mögen wir uns darauf nicht, und irgendwie widerstrebt es dem Naturfreund, Gift zu verteilen. Der nächste Gedanke gilt den natürlichen Feinden, man muss sie fördern. Trickreich sind Fadenwürmer (Nemathoden), die es im Handel zu kaufen gibt. Sie werden mit Wasser verteilt, dringen in die Schnecken ein und verbreiten dort ein Bakterium (Moraxella osloensis), das ihnen ein Ende bereitet. Gedanken an Würmchen (einer anderen Art) werden wach, die vor Jahren in Fischen gefunden wurden, wer verspritzt gern Parasiten im Gemüsegarten?

Bleiben also für die biologische Bekämpfung jene Tiere, denen die Nacktschnecken schmecken. Das ist wohl relativ, denn vor allem die rotbraune Spanische Wegschnecke (Arion lusitanicus), die sich in Europa breitmacht, ist anscheinend so widerlich bitter, dass noch nicht einmal Igel und Kröten zubeißen mögen – selbst versucht haben wir sie nicht.

Enten sind nicht so zimperlich, besonders die asiatischen mit den langen Beinen werden hier gern genannt. Sie brauchen allerdings Wasser zum Trinken, damit der Schleim nicht den Schlund verstopft, und zum Baden. Wer mag sich um sie kümmern und in seinem Garten die Schnecken durch die Hinterlassenschaften der Vögel ersetzen? Auch unter den heimischen Tierarten gibt es Helfer. Zum Beispiel einige Käfer, die wenigstens die Eier fressen. Und Nacktschnecken. Jawohl, nämlich jene mit der Tigermusterung (Limax maximus). Die freundlichen Räuber vertilgen auch die spanischen Invasoren und darunter angeblich sogar Exemplare, die fast so groß sind wie sie selbst. Willkommen sind auch die Weinbergschnecken (Helix pomatia). Ob die tatsächlich die Eier ihrer nackten Verwandten fressen, ist umstritten, aber sie interessieren sich nicht besonders für unsere Kräuter und stehen ohnehin unter Naturschutz.

Hundekot verschwinden lassen

Die Plage mittels natürlicher Feinde loszuwerden wird wohl nicht ganz gelingen. Wir denken deshalb an einen mechanischen Schutz. Dazu gehören trockene Wege aus Kalk, Asche oder Steinmehl, auf denen sich die Schnecken nicht gern voranschleimen – eine schneckenabweisende Gartenanlage also. Und an Schneckenzäune aus dem Fachhandel. Sie sind so gestaltet, dass die gierigen Viecher nicht über die Kante kommen (sollen). Ähnlich wirken angeblich Kupferringe und Lavakörnchen, die mit Ölen und Harzen getränkt sind, und ein neuer Anstrich namens Schnexagon.

Aus den Beeten eine Festung zu machen wäre uns aber doch zu mühsam. Bleibt also die traditionelle Methode – einsammeln und vernichten. Für den letztgenannten Vorgang gibt es eine Reihe von Methoden, die allesamt unappetitlich sind. In einem Eimer voller Salz schleimen sie sich zu Tode, und kochendes Wasser bereitet ihnen den Garaus. Sie in kaltem zu ertränken geht nicht gut, sie klettern nach ein paar Minuten einfach aus dem Eimer. Die oben genannte Gartenbesitzerin bevorzugt freilich die praktische Methode, aus einer Schnecke mit der Gartenschere zwei Teile zu machen – das ist uns zu nah dran. Ein scharfer Spaten tut es auch. Die Reste kann man liegenlassen, mit etwas Glück versammeln sich daran Artgenossen, die man so ebenfalls abstechen kann.

Tierfreunde werden einwenden, dass man die Schnecken vielleicht lieber irgendwo aussetzt. Dazu muss man sie einsammeln, der Handel bietet hier für ein paar Euro Schneckenzangen an – wir verwenden einen langen Greifer mit Gummis an der Zange, der ist auch nicht viel teurer. Der Garten des Nachbarn ist keine gute Idee, die Schnecken sind schneller wieder da, als man ihnen zugetraut hätte. Im Wald verärgert man mit seinen Schnecken die Pilzsammler. Wer wie wir einen städtischen Grünstreifen und ein paar Alleebäume vor der Bürotüre hat, kann sie dorthin verpflanzen – sie fressen den Hundekot.

Die Bierfalle

Für all diese Verwendungen muss man sie erst einmal haben. Nacktschnecken sind überwiegend nachtaktiv, über Tag sind nur ein paar unentwegte unterwegs. Deshalb haben wir die vom Gartenfreund und Erfinder Claus E. Fischer ersonnene Methode ausprobiert; sie funktioniert, wenn es halbwegs trocken ist: Breite Eierpaletten werden doppelt gelegt und mit Wasser gefüllt. Unter den Karton kann man ein paar Möhrenscheiben geben. Dahin kriechen die Schnecken dann. Eine große Plane oder ein nasser Sack als Falle gehen aber auch. Am nächsten Morgen kann man die verfressenen Kerle einfach einsammeln. Hilfreich sind ein paar Tropfen Bier auf dem Karton. Denn das haben die Schnecken mit bajuwarischen Mannsbildern gemein: Sie stehen auf vergorene Gerste.

Deshalb haben wir in der vergangenen Woche zum ultimativen Trick gegriffen und eine flache Schale mit Bier hingestellt – es muss nicht unbedingt das teure aus dem Herzen der deutschen Natur sein, das billige importierte schmeckt auch. Der Erfolg ist verblüffend: Sie kommen von allen Seiten gekrochen, klettern hoch und lassen in Reihe den Hintern über den Rand hängen, während sie es sich gutgehen lassen. Nach ein paar Minuten ein letzter trüber Blick in die Runde, dann versinkt das Tier in der Labsal. Dass auf diese Weise Schnecken angezogen werden, fürchten wir nicht. Sie sind ohnehin da.

Am besten ist eine Kombination aus all dem. Wir haben den Kampf gegen die Nacktschnecken aufgenommen. Wer obsiegen wird, ist ungewiss.

Quelle: F.A.S.
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Lukas Weber
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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