Drinnen & Draußen
Internationale Hygiene

So geht das Ausland baden

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Au revoir, Bidet!

Zwei Besonderheiten zeichnen das französische Badezimmer aus: Die Toilette ist meist getrennt untergebracht, abgeschottet von Mauern und Tür. Das mag Platz kosten, doch der Franzose erträgt die Grenzüberschreitung nicht, wenn sich das stille Örtchen dort befindet, wo sich der Mensch reinigt. Apropos Reinigung: Das Bidet zur Wasser-Säuberung von Genitalien und Anus (nicht der Füße) ist das zweite französische Charakteristikum, auch wenn es in Frankreich heute nicht mehr so häufig im Einsatz ist. Es gibt schöne Ölgemälde, die seinen frühen Gebrauch durch Damen in prächtigen Gewändern zeigen. Die Marquise von Pompadour (1721 bis 1764) besaß ein berühmtes Stück, ganz aus Buchenholz gefertigt. In den frühen Jahren leistete das Bidet oft in Freudenhäusern seine Dienste, später wurde es in den Haushalten populär. In den vergangenen Jahren fiel es in Frankreich dem Platzmangel zum Opfer. Beim Bidet waren die Franzosen zu Einsparungen bereit, bei der getrennten Toilette hingegen nicht. (chs.)

Leiden unter Bosniens Duschen

Zentralheizungen gehören auf dem Balkan eher zur Ausnahme denn zur Regel. Das merkt jeder, der einmal außerhalb der Sommerzeit in Bosnien war. Wenn die Familien ihre urigen Holzöfen befeuern, die das Herzstück einer jeden guten Stube bilden, duftet das ganze Land nach verbranntem Holz. Was für Reiseromantiker ein Hochgenuss sein kann, wird für Langduscher schnell zur Qual. Denn: Ohne Zentralheizung kommt das warme Wasser aus dem Boiler. Und der ist meist nicht sehr groß. Optisch unterscheiden sich die bosnischen Bäder deshalb zwar kaum von den deutschen. Doch der Teufel steckt im Detail. Dem einen Glückspilz, der am Morgen als Erstes unter die Dusche darf, reicht die Warmwassermenge in der Regel noch aus. Doch schon den Zweiten kann es eiskalt erwischen. Dann steht er eingeseift und hilflos da und muss wählen: warten und frieren, bis sich das Wasser im Boiler wieder erhitzt (was Stunden dauern kann). Oder Augen zu und durch. (maj.)

Wo die Dänen knausern

Für deutsche Urlauber im Ferienhaus hinter den Dünen an der dänischen Nordseeküste gehört es zum Abenteuer: Nach jedem endlos langen Sommertag werden Sonnencreme, Salzwasserkruste und der Sand zwischen den Zehen in einem Badezimmer abgebraust, wie es die Mehrzahl der Touristen aus dem Nachbarland zu Hause noch nie gesehen hat: Es gibt keine Badewanne, auch keine Duschkabine, sondern einfach nur eine Handbrause an der Wand, dazu einen flatternden Vorhang, um die zum Duschen vorgesehene Ecke vom Rest des Raums mit Waschbecken, Toilette und Waschmaschine zu unterscheiden. Das Wasser läuft über die Fliesen zu einem Abfluss in der Mitte des Fußbodens, der sich kaum wahrnehmbar von allen Seiten dorthin neigt. Ja, das muss die große Freiheit des Nordens sein, ein Sommerferienluxus, duschen grenzenlos, unbeschwert von Kanten und Wannen, und dass danach das ganze Badezimmer pitschnass ist, kann nur Kleingeister stören. Erst wenn man einmal die Gelegenheit hatte, dieselbe Anordnung auch in Privatwohnungen in einem Bad von gerade einmal 4 Quadratmetern zu sehen, dazu die falsch verlegten Fliesen und den Schimmel, wird klar: Es ist kein Luxus, sondern billig. Und die Dänen, die so oft für edles Design und geschmackvolle Interieurs gepriesen werden, haben auch eine andere Seite. (lzt.)

Im britischen Wechselbad

Eines muss man den Briten lassen: In ihrer Liebe zum Teppichboden sind sie konsequent. Kaum eine Wohnung, in der nicht auch im Bad ein hochfloriges Etwas liegt – oder das, was davon im Lauf der Jahre so übriggeblieben ist. Auch sonst macht die Insel ihrem Ruf alle Ehre, etwas, nun ja, eigenwillig zu sein. Unvergessen die Wohnungsübergabe, bei der die Vermieterin en détail vorführte, in welchem Winkel man doch bitte an der Kordel der Klospülung ziehen möge, damit a) das Wasser fließt, ohne dass b) gleich der gesamte Wasserkasten aus der Decke hinterherkommt. Was zu einem anderen Thema führt: der Wasserversorgung im Allgemeinen und der konsequenten Ablehnung der Mischbatterie im Besonderen. Ein Wasserhahn, mit dem man nach Belieben die Temperatur regulieren kann? Welch unnötige Anbiederung an die Moderne. Stattdessen gibt es vor allem in Häusern älteren Datums einen Hahn für kaltes und einen für heißes Wasser – und die Wahl zwischen genau diesen beiden Extremen. Grund ist, dass sich das Warmwasser früher aus einem separaten Tank im Haus speiste und als nicht so sauber galt wie das kalte aus der städtischen Leitung. Immerhin: In Neubauten werden, polyglotten Bauherren sei Dank, beide Wasserströme nun in einem Hahn vereint – spontane Wechselbäder nicht ausgeschlossen. (loe.)

Transatlantischer Pull-Effekt

Die Unterschiede zwischen amerikanischen und deutschen Toiletten fanden schon im Jahr 1973 ihren Weg in die Literatur. In dem Buch „Angst vorm Fliegen“ von Erica Jong zeigt sich die Heldin entsetzt von den Flachspüler-Toiletten, die sie in Deutschland vorfindet. Die „niedliche kleine Porzellan-Plattform“, auf der sich die Ausscheidungen ansammeln, bevor sie hinuntergespült werden, habe den Effekt, dass der Fäkaliengestank auf deutschen Toiletten so stark sei wie nirgendwo sonst auf der Welt. Die Verhältnisse haben sich seither freilich geändert, und in Deutschland haben sich mehr und mehr Tiefspüler-Toiletten durchgesetzt, wie sie auch die Amerikaner kennen. Unterschiede gibt es freilich noch immer: Amerikanische Toiletten arbeiten üblicherweise mit einem geräuschvollen Saugmechanismus, während in Deutschland die Inhalte der Schüssel vom Spülwasser in den Abfluss gedrückt werden. Also gewissermaßen „Pull“ in Amerika und „Push“ in Deutschland. Wegen dieser verschiedenen Mechanismen sind die Abflussrohre in amerikanischen Toiletten meist kleiner als in Deutschland, und in der Toilettenschüssel sammelt sich nach dem Spülen mehr Wasser an. Beides hat Vor- und Nachteile. Amerikanische Toiletten verstopfen leichter, dafür ist es nicht so oft notwendig, eine Klobürste zu verwenden, und etwaige üble Gerüche werden von dem vielen Wasser im Becken leichter neutralisiert. Gerade ältere Toilettenmodelle in Amerika verbrauchen sehr viel Wasser, bisweilen zwanzig Liter oder mehr für einen einzelnen Spülvorgang. Ein Gesetz aus dem Jahr 1992 schreibt mittlerweile eine Höchstgrenze von rund sechs Litern je Spülung vor. (lid.)

Hightech und Ritual in Japan

Das japanische Badezimmer ist ein richtiges kleines Wunderwerk der Technik und Hygiene. Es ist von den Toiletten räumlich strikt getrennt und hat seine ganz eigenen Regeln. Jedes ordentliche Bad besteht aus einem Vorraum, einem Duschraum und einer sehr tiefen Badewanne. Die Wasserhähne sind Hightech, ob in Chrom, Plastik oder Porzellan gefasst, sind sie von einem Computerchip gesteuert, mit oder ohne berührungsempfindliche Benutzeroberfläche ausgestattet. An der kann man nicht nur die Temperatur und den Druck des Wassers einstellen, sondern auch die Art des Strahls, der aus der Dusche kommt: grob, fein, ganz fein oder auch superfein. Vor jedem Wannenbad wird sich ordentlich abgeduscht. So zirka eine halbe Stunde lang. Mit eiskaltem und kochend heißem Wasser, mit einem ganzen Bataillon an Shampoos, Seifen und Schwämmen, mit kleinen Eimern und Näpfchen, die man gut mit Wasser füllt und sich dann einfach über den Kopf schüttet. Immer und immer wieder. Die Wanne wartet dann mit glasklarem frischem Wasser. Seife und Schaum sind hier strikt verboten. Gesäubert hat man sich ja schon unter der Dusche. Ist man nach einer weiteren halben Stunde so ordentlich aufgeschwemmt und hat endlich genug vom ewigen Geblubber des schon in jeder Standardwanne eingebauten Whirpools, geht es wieder raus. Im Vorraum dann trocknet man sich nicht mit irgendeinem Leinen- oder Frotteehandtuch ab. Man nimmt ein Badetuch aus Imabari, wo so gut wie alle guten Bade-, Frottier- und Abtrockentücher in Japan hergestellt werden. (fib.)

Quelle: F.A.S.
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