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Spitzen-Riesling

Wo steht der deutsche Wein im Vergleich?

Von Stuart Pigott
 - 12:25
Auch in Deutschland wird herrlicher Wein angebaut. Bild: dpa, F.A.S.

Die Nachricht, dass der deutsche Wein besser geworden ist, hat inzwischen so gut wie die gesamte Bevölkerung der Bundesrepublik erreicht. Trotzdem ist das Vorurteil, die französischen Spitzenweine seien der deutschen Konkurrenz grundsätzlich überlegen, nach wie vor weit verbreitet. Für deutsche Bürger ist es tendenziell genauso schwierig, sich vorzustellen, dass manche deutschen Weine Weltklasse sind, wie es einfach ein Ding der Unmöglichkeit ist, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft könne es möglicherweise nicht ins Achtelfinale der nächsten WM schaffen. Aber wo steht der deutsche Wein tatsächlich im härtesten internationalen Vergleich?

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Die jährliche erste Präsentation der „Großen Gewächse“ (GG) des VDP – des Eliteverbands der deutschen Winzer – Ende August in Wiesbaden bietet Fachleuten die Chance, Hunderte von Spitzenweinen des aktuellen Jahrgangs zu verkosten. Vor wenigen Tagen standen die aktuellen trockenen weißen GG aus dem Jahrgang 2016 sowie die ebenfalls gerade zum Verkauf freigegebenen roten GG aus dem Jahrgang 2015 zur Begutachtung bereit.

Keine Mühe in Weinberg und Keller gescheut

Die trockenen Riesling-GG aus 2016 waren die zahlreichsten. Sie haben die größte wirtschaftliche Bedeutung und sind daher auch besonders imageprägend für Deutschland. Betrachten wir daher ein Riesling-Beispiel: das Weinbaugebiet Nahe. Alle 27 vorgestellten Weine schmeckten mindestens sehr gut, manche auch bestens. Es handelt sich um enorm ausdrucksstarke Weine von einer erstaunlichen Frische und Vitalität. Trotz dieser gemeinsamen Eigenschaften herrschte keinesfalls geschmackliche Eintönigkeit.

Die großartigen 2016er Riesling GG von Schlossgut Diel in Burg Layen etwa (sehr elegant und delikat) unterschieden sich grundlegend von den 2016er GG von Emrich-Schönleber in Monzingen (markant und tiefgründig). Das erinnerte mich an eine grundsätzliche Wahrheit beim Wein: Jeder großartige Wein schmeckt nicht nur so gut, dass man mehr davon trinken möchte, sondern auch einmalig.

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Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist das schönste GG im ganzen Nahe-Land? Ein heißer Kandidat für diesen Titel ist der 2016er Felseneck GG von Schäfer-Fröhlich in Bockenau: Der Wein schmeckt nicht nur atemberaubend reif und frisch, sondern verfügt auch über ungebändigte Eigenart. Ein perfekter Wein? Das ist ein fachliches Urteil, aber es hat auch eine persönliche Dimension.

Als ich im Mai 1984 zum ersten Mal an der Nahe war, hinterließen die besten Weine dort einen tiefen Eindruck in mir, weil sie wie keine anderen mir bekannten Weine schmeckten. Zahlreich waren die Spitzenweine an der Nahe damals aber nicht, und sie waren nur wenigen Menschen bekannt. Seitdem haben sich immer mehr Winzer an der Nahe der Erzeugung von hochwertigen Riesling-Weinen gewidmet. Diese langwierige Arbeit trägt jetzt die wunderbarsten Früchte, und die Anerkennung dafür wächst in Deutschland und der Welt.

Dies ist eine Geschichte, die inzwischen oft erzählt worden ist. Was selten erwähnt wird: Diese Winzer sind das Wagnis geschmacklich immer eigenständigerer Weine eingegangen und haben für dieses Ziel keine Mühe in Weinberg und Keller gescheut. Die besten 2016er Riesling GGs von der Nahe sind das Ergebnis dieses langen Strebens. Sie sind so großartig, weil sie maximale Eigenständigkeit besitzen. Sie beweisen, dass die besten deutschen Weine den französischen Spitzenweinen in nichts nachstehen. Auch diese Nachricht wird allmählich ein breiteres Publikum erreichen.

Die Weine

Die empfohlenen 2016er Riesling GG sind zu den gleichen Preisen bei www.gute-weine.de (Telefon 04 21/6 96 79 70) und www.pinard-de-picard.de (Telefon 0 68 38/979500) zu erwerben. Die Preise für die 2016er Riesling GG vom Schlossgut Diel fangen bei 34 Euro an, die von Emrich-Schönleber bei 37 Euro. Der 2016er Felseneck Riesling GG von Schäfer-Fröhlich kostet 45 Euro oder 97 Euro bei einer Magnum-Flasche. Bei viele anderen guten Fachhändlern findet man diese Weine zu ähnlichen Preisen.

Quelle: F.A.S.
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