Chinesische Trinklust

Schöner Schampus mit Gerstennote

Von Peter Badenhop
 - 14:56

Chinesen trinken alles. Schnaps, Bier, Pflaumenwein und inzwischen auch immer mehr Wein. Vor allem aber trinken Chinesen viel. Sehr viel. Im englischen Sprachraum – die müssen es wissen – wird ihnen gerne eine heavy drinking culture attestiert. Und wer einmal ein ausschweifendes Geschäftsessen mit chinesischen Managern oder chinesische Sommeliers erlebt hat, der weiß, was damit gemeint ist. Dabei ist dann auch zu beobachten, dass Chinesen gnadenlose Prestigetrinker sind. Die Château-Besitzer im Bordeaux und die Whisky-Brenner in Schottland wissen davon ein frohes Lied zu singen – mal ganz abgesehen von der Cognac-Industrie, die den trinkfreudigen und zahlungswilligen Millionären und Milliardären aus dem Reich der Mitte im Grunde ihr Überleben verdankt.

Aber die Chinesen lieben nicht nur den französischen und britischen Luxus, sie schwören auch auf deutsche Wertarbeit. Und deshalb trinken immer mehr von ihnen jetzt „Neuschwansteiner". Das kostet zwar ein kleines Vermögen – hierzulande 39 Euro je 0,75-Liter-Flasche, in Hotels und Restaurants in Hongkong und Schanghai locker auch mal 100 Euro oder mehr. Aber für die Reichen dieser Welt ist der Preis ein Statussymbol, in China mehr als irgendwo sonst. Auf die Idee, Bier zu Champagnerpreisen zu verkaufen, ist Christian Seitz gekommen, ein Immobilienunternehmer aus dem Allgäu.

Der fröhliche Unternehmer, der in der Nähe des Schlosses aufwuchs, erwarb von der Neuschwansteiner Brauerei die Rechte an dem Namen, der in der ganzen Welt bekannt ist. Dann ließ er ein besonders edles Brauverfahren mit dem vielsagenden Namen „Méthode Royale" entwickeln und gab Luxus-Flaschen mit goldener Schrift, goldenem Verschluss und goldener Münzprägung in Auftrag. Geliefert wird in einer edlen schwarzen Schachtel, natürlich mit Schlossmotiv.

Das bernsteinfarbene, rauchig-malzige Edelmärzen vermarktet er in der besseren Gesellschaft vor allem des Fernen Ostens. In gewissen Kreisen in Peking, Macau, Dubai, Moskau und London ist das Bier schon der Hit. Luxus geht eben immer. Und die Prestigetrinker in aller Welt, nicht nur in China, brauchen neue Marken-Geschichten – und neue alkoholische Getränke.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin
Peter Badenhop
Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.
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