Sonntagsbraten der Politiker

„Aus der Suppe müssen mehr Augen rausschauen als reinschauen“

Von Susanne Dembsky
 - 13:33
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Markus Söder (50), CSU, Bayerischer Staatsminister

Beim Sonntagsbraten denke ich sofort an meine Kindheit und an meine eigenen Kinder. Seit meiner Jugend ist es so, dass es am Sonntag einen Braten gibt und dazu immer Kloß mit Soß. Ein ordentliches Stück Fleisch ist sonntags Pflicht, das gilt besonders bei uns in Franken. In der Woche haben wir früher in der Küche gegessen. Doch am Sonntag, nach dem Kirchgang, wenn meine Mutter den Gong geschlagen hat, kam die ganze Familie – mein Vater, meine Schwester, mein Großvater und ich – in der Essstube an einem großen Tisch zusammen. An besonderen Tagen gab es Gänsebraten, der nach einem festen Ritual aufgeteilt wurde. Mein Vater und ich bekamen die Keulen, meine Mutter und meine Schwester die Brust. Und eine fränkische Spezialität liebe ich besonders: Schäufele mit einer schönen Kruste und Kloß mit Soß. Ich habe sie gerade vorletzten Sonntag wieder bekommen. Es war eine Gemeinschaftsarbeit meiner Frau und meiner Schwiegermutter.

Ich selber koche nicht. Mich kann man gut bekochen. Ich bin für alles Frische dankbar und ein großer Genießer. Für mich ist ein Sonntag ohne Braten unvollendet. Ich freu mich besonders, dass meine Jungs auch Fans davon geworden sind. So vererbt sich die Kloß-mit-Soß-Tradition über Generationen. Und ein gutes Essen ist die einfachste Form der Familienzusammenführung.

Schweine-Schäufele nach Schwiegermutter-Art

für 4 Personen

4 Schweine-Schäufele à 500g (Stück aus der Schulter, Schwarte eingeschnitten)

Salz, Pfeffer, 1 Prise Kümmel ganz, 1 Lorbeerblatt,

3 Nelken, 1 Knoblauchzehe geschält und halbiert,

1 Prise Majoran

2 Zwiebeln, 2 Karotten, ½ Sellerie geputzt und in Würfel geschnitten, 2 EL Tomatenmark, 2 EL Pflanzenöl, 0,1 l dunkles Bier, 1 TL Speisestärke

1. Gemüse in Öl anbraten, bis die Zwiebeln eine leicht braune Farbe haben. Dann das Tomatenmark unterrühren und weiter leicht anbraten. Mit ein wenig Wasser ablöschen. Den Fond einkochen lassen. Diesen Vorgang zweimal wiederholen. Nun die Gewürze dazugeben und leicht köcheln lassen.

2. Schäufele salzen und pfeffern. Die rohen Schäufele mit dem Saucenansatz in einen großen Bräter setzen und zwei Stunden im Backofen mit geschlossenem Deckel bei 150° schmoren. Das Fleisch dabei öfters mit dem Bratensaft oder mit dunklem Bier übergießen. Dann die Schäufele herausnehmen und mit der Grillfunktion oder Oberhitze zehn Minuten bei 200° Grad die Schwarte knusprig werden lassen.

3. Soße durch ein Sieb passieren und im Topf nochmals erhitzen. Speisestärke mit kaltem Wasser verrühren und Soße damit binden. Gut durchkochen lassen und abschmecken.

Fränkischer roher Kloß:

1 kg rohe mehlig kochende Kartoffeln, 250g gekochte Kartoffeln, in Butter geröstete Semmelwürfel, Salz.

Die Kartoffeln reiben und in einem Knödelsack (weißes Küchentuch) auspressen. Das Kartoffelwasser in einem Glasgefäß auffangen. Warten, dass sich die Kartoffelstärke absetzt. Nun vorsichtig das Wasser über der Kartoffelstärke abgießen. Die ausgepressten Kartoffeln in einer großen Schüssel mit der Kartoffelstärke und dem Salz vermischen. Die gekochten Kartoffeln zu Brei stampfen und in die rohe Kartoffelmasse einarbeiten. Vier große Klöße formen, in die Mitte die Semmelwürfel drücken, in sprudelndes Salzwasser geben. Dann nur noch ziehen lassen, bis die Klöße oben schwimmen. Gesamte Garzeit bei Klößen à 200g circa 20 Minuten.

Thomas Oppermann (63), SPD, Fraktionsvorsitzender

Eines meiner Leibgerichte war der Rinderschmorbraten mit Kartoffeln und Rosenkohl meiner Mutter. Der hat mir das richtige Sonntagsgefühl vermittelt. Und die Sahnesauce dazu hat das ganze perfektioniert. Ich bin in einer kleinen Molkerei, die mein Vater leitete, groß geworden. Sonntags saßen wir an einer langen Tafel: meine Eltern, meine drei Geschwister, unsere Hausangestellte und zwei bis drei Gehilfen. Es war generell so, dass man beim Essen schauen musste, die richtige Portion zu nehmen. Denn was auf den Teller kam, musste aufgegessen werden. Lieber nahm ich zweimal. Wenn etwas auf dem Teller liegenblieb, war das unangenehm.

So einen Sonntagsbraten wie damals habe ich nie wieder bekommen. Die Essgewohnheiten haben sich ja heute geändert. Auch ist der Familienrhythmus ein anderer geworden. Meine Kinder haben viele Sporttermine. Wir sind schon froh, wenn wir überhaupt mal zusammen essen. Heute ist mein Leibgericht – wenn ich für mich selbst koche – Cannelloni à la Claudia. Ich stopfe sie mit feingeschnittenem Fischfilet und gewürfeltem Mozzarella.

Rinderschmorbraten nach dem Rezept meiner Mutter

Gutes, abgehangenes Schmorfleisch vom Rind

Mehrere Zwiebeln, gewürfelt

Suppengrün (Porree, Karotten, Sellerie), gewürfelt

Mondamin oder Mehl

Rosenpaprika, Salz und Pfeffer

Saure Sahne oder Sahne

Etwas Rotwein zum Anrühren des Mondamins

Olivenöl, das zum Braten geeignet ist

Rindfleisch salzen und pfeffern. Mit Olivenöl in einem Schmortopf kräftig anbraten. Zwiebeln und Suppengrün zugeben, kurz mit anschmoren und mit Wasser ablöschen. Bei mittlerer Temperatur circa zwei Stunden weiterschmoren lassen. Hin und wieder mit etwas Wasser übergießen und wenden. Wenn das Fleisch gar ist, herausnehmen und warm stellen. Sud durch ein Sieb geben und kurz aufkochen. Mondamin oder Mehl in Rotwein glattrühren. Unter ständigem Rühren in die köchelnde Soße geben, bis sie leicht sämig wird. Von der Kochplatte nehmen. Sahne oder saure Sahne zugeben und mit Salz, Pfeffer und Rosenpaprika abschmecken. Dazu Salzkartoffeln, Rosenkohl oder Rotkohl servieren.

Katrin Göring-Eckardt (51), Bündnis 90/Die Grünen, Fraktionsvorsitzende

Früher haben wir am Sonntagmittag nach der Kirche immer um einen Braten zusammengesessen, und montags gab es die Reste. Heute hat es sich mehr in den Abend verlagert. Und meinen Sonntagsbraten mache ich gerne, wenn ich noch dazu komme, aus Rind- oder Büffelfleisch, je nachdem, was ich von meinem Bauern bekomme.

Während meines Theologie-Studiums in Leipzig war ich tatsächlich diejenige, bei der es immer einen Sonntagsbraten gab. Das sprach sich ganz schnell rum. Bei mir haben sich gerne viele Freunde versammelt. Ich habe oft Falschen Hasen für uns gemacht, einen Hackbraten, den konnte man gut verlängern. In meiner Küche stand nur ein kleiner Kohleherd. Da wurde der Falsche Hase reingeschoben, fertig. Ich hatte ja auch nur wenig Geld, und es gab einfach Zwiebelgemüse mit Tomatenmark dazu, das ist sehr delikat, das mache ich heute noch manchmal.

Das letzte Mal wurde ich sonntags von meinen Söhnen bekocht. Es gab Gulasch. Meine beiden Söhne können super gut kochen. Da haben sich die heimischen Kochkurse wirklich gelohnt.

Mein Falscher Hase aus Studentenzeiten

für 8 Personen

2 kg Gehacktes (halb und halb)

3 alte Brötchen

4 Eier

2 mittelgroße Zwiebeln

Salz und Pfeffer

Öl oder Schmalz

Brötchen im warmen Wasser einweichen. Die Zwiebeln sehr fein würfeln.

Fleisch mit den Eiern vermengen, Salz und Pfeffer darüber streuen.

Die ausgedrückten Brötchen hineinkneten. Die Zwiebel daruntermengen. Jetzt muss sich daraus ein „Brot“ formen lassen. Sollte das nicht klappen, mit Semmelmehl verfestigen.

Im Bräter das Öl oder Schmalz heiß werden lassen, den falschen Hasen hineinlegen. Anbraten, vorsichtig umdrehen, von der anderen Seite anbraten, dann Deckel drauflegen und bei 200 Grad (Umluft 180) in den Ofen.

Fertig ist er, wenn er sich beim Draufdrücken nicht mehr verformt. Je nachdem, wie dick er ist, dauert das 30 bis 60 Minuten.

Zwiebelgemüse:

1 Kilo große Zwiebeln, am besten Gemüsezwiebeln, halbieren und in Scheiben schneiden.

In Öl andünsten, bis sie glasig sind, mit Salz und Pfeffer würzen. Wer es mag, gibt Kümmel dazu. Am Schluss 200g Tomatenmark unterrühren und, wenn es zu flüssig ist, etwas Vollkornmehl darüberstreuen und unterrühren. Ofenkartoffeln passen perfekt dazu.

Katja Kipping (39), Die Linke, Parteivorsitzende

An dem Wort Sonntagsbraten mag ich vor allem das Wort Sonntag. Es war meinen Eltern sehr wichtig, dass wir an dem Tag gemeinsam als Familie Ausflüge machten: Wandern in der Sächsischen Schweiz, ins Museum oder im Sommer zum Baden. Wir haben oft unterwegs gegessen. Dadurch gab es zu Hause kein großes Festtagsessen.

Mit Braten habe ich es auch nicht wirklich. Ich bin Vegetarierin, wenn auch undogmatisch. Doch ich erinnere mich noch an den wunderbaren Duft der brutzelnden, leicht gebräunten Eierkuchen meiner Mutter am Sonntag. Die haben wir beim Baden als Picknick gegessen. Wenn man so will, sind Eierkuchen die Sonntagsbraten meiner Kindheit. Und im Sommer Wassermelonen. Es war der Hammer, wenn es die im Laden gab. Heute finde ich es besonders schön, wenn ich an einem freien Wochenende, was leider nicht so häufig vorkommt, mit meiner Familie zu Hause koche. Ich esse ja so häufig unterwegs und weiß oft gar nicht, was in dem Essen drin ist, Geschmacksverstärker und so. Ich freue mich auf was Frisches, wo nur naturbelassene Gewürze und Gemüse ins Essen kommen. Das Selbstbestimmte ist mein Sonntagsbraten. Ich mag gerne Kartoffeln mit Gemüse, wie Apfel-Sellerie mit Butterkartoffeln. Das ist eins meiner Lieblingsessen.

Apfel-Sellerie-Sahne-Gemüse mit Butterkartoffeln

für 3 Personen

1 Handvoll Rosinen 10 Minuten in Wasser einlegen, abgießen.

1 Pfund Kartoffeln schälen, in kleinere Stücke schneiden und diese schön weich kochen. Währenddessen eine halbe Zwiebel würfeln und sanft in Olivenöl anbraten.

3 Stangen Staudensellerie würfeln und ebenfalls anbraten.

1 Apfel schälen, in kleine Stücke schneiden und anbraten.

Das Ganze mit Salz, Pfeffer und Chili abschmecken.

Dann einen kräftigen Schuss Weißwein dazugeben und alles 10 min. köcheln lassen. Jetzt die eingeweichten Rosinen dazu geben und leicht weiterrühren. Wenn der Wein verdunstet ist, einige Esslöffel Sahne oder Crème fraîche unterrühren. Die abgegossenen Kartoffeln in zerlassener Butter schwenken. Mit frischer Petersilie bestreuen.

Julia Klöckner (44), CDU, Landes- und Fraktionsvorsitzende

Beim Sonntagsbraten, da denke ich an Rouladen und an ihre wunderbare dunkle Sauce. Und an Kartoffeln: Herrlich, wenn man sie mit der dunklen Sauce zerdrückt. Dazu an knackigen Endiviensalat. Ich denke an einen vollbesetzten Tisch und daran, Zeit zu haben. Das war wie ein Ritual. Nach dem Gottesdienst hat sich meine Familie an unserem massiven Esstisch versammelt. Oft kamen Tante und Onkel mit meinen Cousinen und Cousins oder auch Lehrlinge aus dem Betrieb dazu.

Das Haus, unser Hof in Guldental, war eigentlich nie abgeschlossen. Das war auf unserem Weingut so üblich. Seit 400 Jahren werden in unserer Familie Reben angepflanzt, Trauben gekeltert und Weine gemacht. Ein Lieblingsessen von mir war auch die Markklößchensuppe nach dem Rezept meiner Oma. Wir Kinder freuten uns, wenn sie eine Nachkriegsweisheit zitierte: „Aus der Suppe müssen mehr Augen rausschauen als reinschauen.“ Mein Bruder und ich haben immer darum gekämpft, wer die meisten Markklößchen bekommt. Unseren großen Tisch konnte man in der Mitte drehen. Die Technik, wie wir am schnellsten an den Topf kommen, haben mein Bruder und ich bis heute nicht verlernt.

Wenn ich mir etwas wünschen darf, wenn ich nach Hause zum Essen komme, dann ganz klar: Rouladen. Denn Rituale sind für mich ein Stück Heimat. Es ist dann, wie am Lagerfeuer zusammenzukommen: essen und einfach miteinander erzählen. Und das Handy, das ist dann abgeschaltet.

Rinderrouladen nach dem Rezept meiner Tante

4 Rinderrouladen

5 EL Senf

Zwiebeln

50g gewürfelter Speck

3 gewürfelte Essiggurken

Salz, Pfeffer

Suppengrün

Öl

500 ml Brühe

Ein Schuss Rotwein

Dunkler Soßenbinder

Die vier Rinderrouladen waschen und trocken tupfen, dann auf einem Brett nebeneinander legen und etwas glatt klopfen. Senf gut auf den Rouladen verteilen, mit Salz und Pfeffer würzen.

Gewürfelte Zwiebeln, Essiggurken und Speck auf den Rouladen verteilen. Seiten einklappen und zusammenrollen, mit einem dünnen Faden oder einem Zahnstocher fixieren.Suppengrün in kleine Stücke schneiden. Öl in einer Pfanne mit hohem Rand erhitzen. Rouladen von allen Seiten scharf anbraten. Suppengrün dazugeben und mit anschwitzen.

Mit Brühe und einem Schuss Rotwein ablöschen, hier so viel Flüssigkeit dazugeben, dass die Rouladen gerade bedeckt sind.

Aufkochen lassen, Herd runterschalten und mit geschlossenem Deckel ca. 1 1/2 bis 2 Stunden ganz langsam vor sich hin köcheln lassen, bis die Rouladen zart geworden sind.

Rouladen aus der Flüssigkeit nehmen, Faden oder Zahnstocher entfernen, warm stellen.Soße durch ein Sieb geben, auf den Herd stellen, mit Salz, Pfeffer und Senf abschmecken und bei Bedarf mit etwas Soßenbinder binden.Salzkartoffeln und Rotkraut oder auch ein knackiger Endiviensalat passen am besten dazu.

Quelle: F.A.S.
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