Rezept-Tipps zur WM

Snack, Spiel, Pause, Snack

Von Anke Schipp
 - 13:44
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Der klassische Fernsehabend für die ganze Familie ist eigentlich der Samstagabend. Es sei denn, jedes Kind schaut auf seinem eigenen Tablet, was es will, oder die älteren Kinder arbeiten auf ihrem Smartphone Netflix-Serien ab. Der Samstagabend ist oft eine Gelegenheit, gemeinsam einen Film zu schauen. Ab Donnerstag dürfte es weitere Gelegenheiten für das gemeinsame Fernsehen geben. Die Fußball-WM in Russland wird von vielen Familien als gemeinsames Ereignis zelebriert, bei dem vielleicht noch Freunde und Nachbarn dazukommen.

Traditionell werden an Fußballabenden Würstchen und Kartoffelsalat gereicht, weil sie so gut zu Bier passen. Oder der Pizzaservice muss ran. Man kann sich aber auch ein bisschen mehr Mühe geben, denn das Essen ist wie ein guter Fußballkommentator, der, wenn es auf dem Rasen für die eigene Mannschaft schlecht läuft, das Spiel zwar nicht herumreißen, aber wenigstens für gute Stimmung sorgen kann.

Die Autorin des Kochbuchs „Samstagabend, Snacks und Drinks zum Teilen – oder auch nicht“ (Callwey Verlag, 20 Euro), Kate McMillan, rät dazu, das Essen für den Fußballabend als Buffet anzurichten. „Und vergessen Sie nicht große Servietten, damit die Gäste ihre Teller bequem auf den Schoß stellen können.“ Beginnen sollte der Fußballabend mit salzig-knusprigen Knabbereien, rät McMillan. Zum Beispiel mit selbstgemachten Chips (siehe Rezept unten), Edel-Popcorn oder aromatisierten Nüssen. Dazu eignen sich 125 g Erdnüsse oder Cashewkerne, die man bei 180 Grad im Backofen für 10 Minuten anröstet. Danach vermischt man sie in einer Schüssel mit 2 EL gehacktem Rosmarin, 2 TL braunem Zucker, 2 TL Salz, ½ TL Cayennepfeffer und 1 EL geschmolzener Butter.

Frisch gemachtes Popcorn (90 g Rohgewicht) kann man noch warm in eine Schüssel geben und mit 2 Esslöffeln Butter, 1 Esslöffel Limettenzesten und 1½ Teelöffel Chilipilver vermischen. Anschließend großzügig Salz dazugeben. Eine Alternative können auch Parmesan und Knoblauchpulver sein. Wer es lieber süßer mag, aber keinen Zucker verwenden will, probiert es einfach mit geraspelter Schokolade und Orangenzesten.

Phantasie beim Belegen

Wichtig beim WM-Essen ist, dass man es gut in der Hand halten kann, denn Besteck kann hinderlich sein, wenn ein Tor fällt und man spontan die Arme in die Luft reißen möchte. Deshalb eignen sich zum Beispiel Chicken Wings (Rezept siehe unten) oder eben Pizza, die man selbst oder mit einem Teig aus dem Kühlregal schnell machen kann. Phantasie sollte man beim Belag walten lassen: italienische Wurst und karamellisierte Zwiebeln zum Beispiel oder Mais, Tomaten und Fetakäse. Was Gesundes kann auch nicht schaden: Rohkoststicks aus Paprika, Salatgurke und Karotten lassen sich mit einem selbstgemachten Dip veredeln, etwa aus Mayonnaise, Frischkäse, Petersilie, Schalotte, zerdrückter Knoblauchzehe und etwas Dill zum Garnieren.

Natürlich hat man nach dem vielen salzigen Zeug spätestens in der 90. Minute auch Lust auf etwas Süßes. Möglich ist auch, dass die Mannschaft verliert und man glaubt, nur ein Zucker-Shot kann den Moment der Niederlage erträglich machen. Wer es unkompliziert mag, hat Eis am Stiel in der Tiefkühltruhe vorrätig. Man kann aber auch eine schnelle Tarte vorbereiten, aus einem Fertig-Blätterteig, den man mit Aprikosen und Himbeeren belegt, dazu einen Klecks Sahne oder Joghurt mit einem Teelöffel Honig vermischt.

Die Dekoration für den WM-Abend können übrigens die Kinder übernehmen. Sie werden die ausgefallensten Ecken für schwarz-rot-goldene Girlanden finden. Oder Fußbälle auf Pappe malen und sie dann ausschneiden – als Untersetzer für die Gläser. Im Internet gibt es zahlreiche Anleitungen, wie man eine WM-Fahne bastelt oder Popcorntüten, die man mit buntem Klebeband in der Farbe seiner Lieblingsmannschaft verziert.

Vereinbarungen vorher treffen

Und nur falls Ihre Kinder jetzt denken, sie könnten vom 14. Juni bis zum 15. Juli jeden Abend vor der Glotze hocken, auch wenn Senegal gegen Kolumbien spielt – am besten gleich die Rote Karte zeigen! Schließlich ist während der Weltmeisterschaft in einigen Bundesländern noch Schule.

Die späten Spiele beginnen um 20 Uhr, das heißt, der Fernsehabend endet dann erst gegen 22 Uhr, und es kann passieren, dass die Kinder danach so aufgewühlt sind, dass sie nicht einschlafen können. Also am besten schon vorab mit den Kleinen Vereinbarungen treffen. Zum Beispiel, dass man nur die Spiele am Wochenende schaut. Oder nur die Deutschland-Spiele.

Die Rezepte

HONIG-SESAM-WINGS

für 4 Personen

1,5 kg Hähnchenflügel, ohne Spitzen

60 ml Rapsöl

2 EL Shichimi-Togarashi-Gewürzmischung oder Zitronenpfeffer

180 ml süß-pikante Chilisauce

60 ml Teriyakisauce je 2 EL asiatisches Sesamöl

Honig Saft von 1 Limette

2 EL geröstete Sesamkörner oder in dünne Scheiben geschnittene Frühlingszwiebeln (nach Belieben)

In einer großen Schüssel die Flügel mit Öl gut überziehen. Shichimi Togarashi darüberträufeln und vermengen, bis alles gut überzogen ist. Zudecken und 30 Minuten bei Zimmertemperatur ruhen lassen. In einer kleinen Pfanne Chilisauce, Teriyakisauce, Sesamöl und Honig verrühren. Bei schwacher Hitze unter Rühren zum Köcheln bringen. Vom Herd nehmen und leicht auskühlen lassen. Limettensaft einrühren und beiseitestellen. Hähnchenflügel 15 bis 20 Minuten im Backofen oder auf einem Grill grillen. In eine große Schüssel geben, die Glasurmischung darüber- gießen und alle gut damit überziehen. Etwa 5 Minuten ruhen lassen, so dass sich die Aromen verbinden, auf eine Servierplatte geben, nach Belieben mit Sesam oder Frühlingszwiebeln bestreuen und sofort servieren.

KARTOFFELCHIPS MIT KARAMELLISIERTEM ZWIEBEL-DIP

für 4 bis 6 Personen

Das langsame Karamellisieren der Zwiebeln bringt diesen Retro-Dip auf den neuesten Stand, mit einem unverwechselbaren, hausgemachten Geschmack. Bereiten Sie den Dip am besten schon ein, zwei Tage im Voraus zu, so dass die Aromen Zeit haben, sich zu entwickeln und zu verschmelzen. Für die Chips kann man auch Süßkartoffeln verwenden.

FUR DEN ZWIEBEL-DIP

3 EL Olivenöl

1 große Zwiebel, geviertelt und in dünne Scheiben geschnitten

grobkörniges Salz und frisch gemahlener Pfeffer

250 g saure Sahne

50 g Mayonnaise

1 ½ TL Worcestershire-Sauce

½ TL Knoblauchpulver

¼ TL Selleriesalz

FÜR DIE KARTOFFELCHIPS

500 g dünnschalige Kartoffeln, geschält

2 l Rapsöl zum Frittieren

grobkörniges Salz

Für den Zwiebel-Dip das Olivenöl in einer Pfanne bei mittlerer Hitze erwärmen. Die Zwiebel zugeben, mit Salz und Pfeffer würzen und etwa 8 Minuten weich braten, dabei häufig umrühren. Die Hitze reduzieren und unter gelegentlichem Rühren 25 Minuten weiter braten, bis die Zwiebelscheiben karamellisiert sind. Auskühlen lassen.

In einer Schüssel Zwiebel, saure Sahne, Mayonnaise, Worcestershire-Sauce, Knoblauchpulver und Selleriesalz vermengen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, mit Küchenfolie abdecken und während der Zubereitung der Kartoffelchips kühl stellen. Mit einem Gemüsehobel oder einem scharfen Messer die Kartoffeln in sehr dünne Scheiben schneiden und in eine Schüssel mit kaltem Wasser legen. In einer Pfanne mit dickem Boden das Rapsöl bei mittlerer Hitze auf 180 Grad erwärmen. Die Kartoffel abgießen, auf einen mit Küchenpapier ausgelegten Teller legen und mit Küchenpapier trockentupfen.

Einen zweiten Teller mit Küchen- papier auslegen. Die Kartoffeln portionsweise etwa 5 Minuten goldbraun frittieren. Mit einem Schaumlöffel auf den vorbereiteten Teller legen und großzügig mit Salz bestreuen. Den Vorgang mit den restlichen Kartoffeln wiederholen. Die Kartoffelchips vor dem Servieren auskühlen lassen.

Alle Rezepte aus: „Samstagabend. Snacks und Drinks zum Teilen – oder auch nicht.“ von Kate McMillan, Callwey Verlag 2018

Quelle: F.A.S.
Anke Schipp
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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