Stil-Fragebogen mit Conchita

„In Lukas war ich unsterblich verliebt“

Von Peter-Philipp Schmitt
 - 11:40

Sie versucht schon länger, ihren Nachnamen abzulegen. Doch so richtig gelingt es Conchita nicht. Und so klebt der Kunstfigur, die Thomas Neuwirth erschuf, der Name Wurst noch immer an. Als der Österreicher als Frau mit Bart vor vier Jahren den Eurovision Song Contest in Kopenhagen mit „Rise Like A Phoenix“ gewann, war das eine Sensation. Beim Finale am Samstag in Lissabon kann der Neunundzwanzigjährige nicht dabei sein. Conchita arbeitet an ihrer neuen CD: Zusammen mit den Wiener Symphonikern nimmt sie „From Vienna With Love“ auf. Für den 20. Oktober ist ein Konzert geplant.

Was essen Sie zum Frühstück?

Viel zu viel Kaffee mit Milch.

Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?

Überall. Ich liebe es, im Ausland lokale Designer zu entdecken. Und ich kaufe gerne Secondhand, am liebsten bei Humana.

Hebt es Ihre Stimmung, wenn Sie einkaufen?

Oh, ja! Ich weiß nicht warum, und ich schäme mich auch ein bisschen dafür, aber Shopping macht mich glücklich.

Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?

Das ist ein Pelzmantel von meiner Oma. Und jetzt bitte keine Moralapostel: Die Kaninchen sind seit mindestens 200 Jahren tot! Ich habe den Pelz aus sentimentalen Gründen in meinem Kasterl hängen. Meine Oma hat ihn mir geschenkt, als ich 15 war, weil sie wusste: Das Kind ist fabulous and it needs something fabulous.

Was war Ihre größte Modesünde?

Das unklügste war wohl, im Sommer in Köln bei 40 Grad in einem Latexkleid mit langen Ärmeln aufzutreten. Ich habe tatsächlich auf der Bühne in meiner eigenen Pfütze gestanden. Das war ekelhaft und peinlich zugleich.

Tragen Sie zu Hause Jogginghosen?

Ja.

Haben Sie Stil-Vorbilder?

Victoria Beckham.

Haben Sie jemals ein Kleidungs- oder Möbelstück selbst gemacht?

Unzählige. Ich habe ja an der Grazer Modeschule eine Ausbildung als Damen- und Herrenkleidermacher absolviert. Das Kleid für den Eurovision Song Contest habe ich allerdings nicht, wie viele meinen, selbst gefertigt, ich habe nur wie eine nervige Diva daran mitgearbeitet: hier länger, dort kürzer, und bitte noch mehr Steine!

Besitzen Sie ein komplettes Service?

Ja, aus Gmundner Keramik.

Mit welchem selbst zubereiteten Essen konnten Sie schon Freunde beeindrucken?

Da ich kaum koche, lassen sie sich ganz einfach beeindrucken. Mit Rührei zum Beispiel bin ich schon der Star.

Welche Zeitungen und Magazine lesen Sie?

„Vogue“, „Vogue Living“, „Paper“, „Tush“. Ich liebe Magazine mit Bilderstrecken von tollen Fotografen. Zeitungen interessieren mich überhaupt nicht.

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Welche Websites und Blogs lesen Sie?

Youtube ist für mich die größte Bibliothek an Inspiration. Blogs lese ich nicht.

Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?

2014, nach meinem Grand-Prix-Sieg. Da habe ich Shirley Bassey einen von Hand geschriebenen Brief nach Monaco geschickt, mit Siegel, und sie gefragt, ob sie ein Duett mit mir singen wollen würde. Sie hat mir eine sehr höfliche Absage geschickt – per Mail.

Welches Buch hat Sie am meisten beeindruckt?

Auf ein Buch kann ich mich nicht festlegen. Mich haben aber schon immer Bücher begeistert, die einen motivieren, seine eigenen Stärken zu feiern. Das fing schon mit Kinderbüchern etwa von Walt Disney an, in denen Helden aus den hinteren Reihen hervortreten und dann ein schönes Leben haben.

Ihre Lieblingsvornamen?

Ich wollte immer Lukas heißen. Das hier habe ich noch nie jemandem erzählt: Meine Eltern haben ein Gasthaus, und als ich klein war, hatten wir jedes Jahr Stammgäste aus den Niederlanden bei uns. Die Familie hatte einen Sohn, Lukas, der etwas älter war als ich. In den war ich unsterblich verliebt.

Ihr Lieblingsfilm?

„Wenn Träume fliegen lernen“, die Vorgeschichte zu Peter Pan. Der ist so traurig und wunderschön. Und „Moulin Rouge“. Den habe ich gesehen und wusste: Das werde ich, wenn ich groß bin.

Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?

Ich habe kein Auto.

Tragen Sie eine Uhr?

Nein. Ich habe zwar meistens mein Handy dabei, was die Uhr relativiert, aber ich mag es auch, oft nicht zu wissen, wie spät es ist.

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Tragen Sie Schmuck?

Auf der Bühne hänge ich mich zu wie ein Christbaum. Privat trage ich nur meine Piercings. Den Nasenring zum Beispiel nehme ich nie raus.

Haben Sie einen Lieblingsduft?

Ich liebe alles von Tom Ford, ich liebe Issey Miyake, Diptyque, Santal 33 von Le Labo. Ich habe eine Riesenauswahl zu Hause und mische quer durchs Regal. Ich will nicht riechen wie alle anderen.

Was ist Ihr größtes Talent?

Ideen zu haben.

Was ist Ihre größte Schwäche?

Ich bin wahnsinnig ungeduldig, in einem Ausmaß, dass ich richtig feindselig werden kann.

Womit kann man Ihnen eine Freude machen?

Wenn man authentisch ist. Selbst wenn der andere ein Arschloch ist, dann weiß man wenigstens, woran man ist.

Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?

Mein bester Einstieg in ein relevantes Gespräch ist die Klamotte. Meine eigene oder die des anderen. Von da arbeite ich mich dann vor bis hin zu Fragen wie: Und warum geht’s Dir momentan nicht so gut?

Sind Sie abergläubisch?

Ganz klar mit Nein kann ich die Frage nicht beantworten. Es gibt schon Momente, in denen ich denke, gehen wir lieber auf Nummer sicher und fordern nichts heraus.

Wo haben Sie Ihren schönsten Urlaub verbracht?

Auf Mykonos mit Freunden.

Wo verbringen Sie Ihren nächsten Urlaub?

Auf Mykonos mit Freunden.

Was trinken Sie zum Abendessen?

Wenn ich ausgehe, gerne Wein. Zu Hause trinke ich keinen Alkohol, außer wenn ich eine Pizza bestelle. Zu Pizza gehört einfach Bier.

Quelle: F.A.Z. Magazin
Peter-Philipp Schmitt
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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