Anzeige

Extrawünsche in Hotels

Die Gelüste der Gäste

Von Susanne Dembsky
 - 16:47
Der Gast hat immer recht, oder? Bild: Getty, F.A.S.

Hotel Adlon, Berlin

Anzeige

Champagner gegen Kuhmilch

Ich kenne die Geschichte nur über Kollegen. Es war kurz bevor ich wieder im Adlon angefangen habe. Ein Gast, er kam aus dem arabischen Raum, hat darauf bestanden, dass er morgens einen halben Liter frische Kuhmilch bekommt. Kosten und Mühen waren ihm egal. Es war aber schon abends. Meine Kollegen hingen sich ans Telefon. Und fanden einen Bauern in Brandenburg, der bereit war, ihnen jetzt noch eine Kanne Milch abzufüllen. Sie lockten ihn mit einem Tausch: Kuhmilch gegen Champagner. Und holten die Milch noch in der Nacht ab. Und der Gast – der bekam frühmorgens seine frische Kuhmilch serviert. Wir versuchen, alle kulinarischen Wünsche unserer Gäste zu erfüllen. Ein Concierge-Kollege aus Hawaii kam mit der Bitte auf mich zu, ihm unser Hollandaise-Rezept zu schicken. Warum? Der CEO seiner Kette, ein amerikanischer Hotelier, hatte vor Jahren mit seiner Frau im Adlon übernachtet. Nun wollte er für den runden Geburtstag seiner Frau ein Rezeptbuch zusammenstellen. Mit all ihren Lieblingssachen, die sie auf der Welt gegessen hatte. Und sie liebt die Hollandaise aus dem Adlon. Die Dame erinnerte sich genau an ihr Frühstück – Egg Benedict mit Spinat, Forellenkaviar und mit ebender Sauce Hollandaise, die sie so liebt. Haben wir gerne gemacht.

Chef Concierge André Höftmann, 39, ist seit sieben Jahren im Hotel tätig.

Villa Feltrinelli, Gardasee

Anzeige

Krokodilfleisch gibt es keins, aber Kutteln jeden Tag

Ich finde es immer wieder faszinierend, wenn Gäste mit etwas sehr Einfachem ganz glücklich sein können. Wenn sie sich zum Beispiel runter ans Seeufer setzen, eine schöne Caprese (Mozzarella mit Tomaten und Basilikum) bestellen und sich eine Flasche für 500 Euro gönnen. Einen Pommery Cuvée Louise Rosé Brut ’03. Letztens hatten wir Tina Turner und auch Herbert Grönemeyer zu Gast. Die beiden Künstler wünschten sich schlicht „Spaghetti al pomodoro“. Die stehen nicht auf der Karte, doch unser Sternekoch Stefano Baiocco hat sie gerne für sie gemacht. Die italienische Küche zeichnet sich ja auch durch so einfache, phantastisch schmeckende Gerichte aus. Wir versuchen, alle Wünsche unserer Gäste zu erfüllen, bei dem Wunsch nach Krokodilfleisch am Gardasee allerdings haben wir gepasst. Ich denke, der Gast wollte uns austesten: Was muss ich machen, damit die endlich mal nein sagen. Ein Stammgast aus Wien bestellt sich jedes Jahr Kutteln bei uns. Das könne er eigentlich nirgends mehr finden, und es erinnere ihn an seine Oma, an seine Kindheit zurück. Wenn er bei uns ist, bestellt er sich fast täglich Kutteln und auch Innereien in den verschieden Zubereitungsarten. Unsere Küche kennt das schon und besorgt vorher die Kutteln. Sie werden mit ‚Tomatensauce in umido‘ (stark einkocht) oder auch zu einer aromatischen Suppe zubereitet. Seine Gattin teilt die Liebe ihres Mannes zu Kutteln nicht so ganz. Doch unser Gast ist glücklich.

Hotelmanager Peter Eisendle, 46, leitet den Hotel- und Restaurantbereich seit sechs Jahren.

Nassauer Hof, Wiesbaden

Darf ich im Kurpark Enten jagen?

Das Gastgewerbe steckt voller Überraschungen. Es gibt immer wieder Einmaligkeiten. Champagner floss früher mehr im Bankenbereich, heute ist es die Immobilienbranche. Da kann es schon die Fünf-Kilo-Dose Kaviar sein und beim Champagner gerne die Doppel-Magnum. Oder wenn zum Beispiel der eine oder andere Gast den Wert eines guten Glas Weines zu schätzen weiß, aber aus ethnischen Kreisen kommt, denen der Konsum untersagt ist, und aus diesen Kreisen dann die Bitte kommt: „Wir hätten gerne einen Tiganello oder wir würden gerne eine Flasche Chateau Palmer trinken.“ Es freut einen, dass einige so prowestlich eingestellt sind und diese Kultur schätzen. Etwas Besonderes war es, als das Oberhaupt einer Königsfamilie aus dem Nahen Osten ein ganzes Lamm bestellte. Das haben wir in unserer Küche zubereitet und, auf einer Platte angerichtet, in die Suite gebracht. Ein Speisemeister filetierte dort das Lamm, und der Vorkoster, beide gehörten zum Hofstaat, probierte, bevor es serviert wurde. Dem Familienoberhaupt war dabei das Fleisch, das direkt um das Herz des Tiers sitzt, vorbehalten. Ein andermal wollte ein junger Gast tatsächlich im benachbarten Kurpark Enten jagen, um sie dann zu essen. Er kannte es so aus seiner Heimat. Wir sollten sie ihm zubereiten. Es brauchte eine gewisse Überzeugungsarbeit von uns, dem Gast begreiflich zumachen, dass man bei uns in Deutschland nicht so einfach wilde Tiere schießen darf, um sie hinterher zu essen.

Hoteldirektor Thorsten Sander, 44, leitet das Hotel seit Mai 2015.

Hotel Sacher, Wien

Zu scharf selbst für die Köche

Jeder Wunsch des Gastes ist für mich eine Herausforderung. Wir haben es recht oft, dass es gewisse Gäste gibt, die mit ihren eigenen Angestellten reisen. Ihre Kultur mitbringen. Eine Familie aus Indien reiste immer mit ihrem Koch und Butler. An einem Abend sollte indisch gekocht werden, möglichst so, wie man es in Indien gewohnt war. Herr Stolzer, unser Küchenchef, ging dann mit dem Koch der Gäste auf den Naschmarkt, um die Zutaten für den Lammtopf mit grünem Curry, soweit es sie in Österreich gibt, einzukaufen. Das grüne Curry war sehr, sehr scharf, in der Küche hat es keiner essen können. Als Beilage gab es noch Kichererbsen und einen roten Reis. Für unseren Küchenchef war es sehr spannend, mit seinem indischen Kollegen zu kochen. Vor einigen Wochen bestellte ein Gast spontan per Telefon um 20 Uhr eine „ganze gefüllte Ente“ für 22 Uhr. Er wollte seine Frau beim Dinner nach Besuch der Wiener Oper damit überraschen. Nur hatten wir keine Ente auf der Karte. Es war sehr heiß in Wien, so um die 30 Grad. Die komplett falsche Jahreszeit für eine ganze Ente. Das war ein bisschen knapp. Wir konnten dann tatsächlich eine bei unserem Lieferanten organisieren. Und die Gäste bekamen ihre Ente. Klassisch gefüllt mit Äpfeln, Orangen und Zwiebeln, dazu Rotkraut und Knödel. Das kommt täglich vor, dass Gäste nach der Oper in der „Roten Bar“, eines unserer Restaurants, noch drei bis vier Gänge zur Nacht dinieren. Auch Deftiges.

Direktor Reiner Heilmann, 53, leitet das Hotel seit 26 Jahren.

Brenners Park-Hotel, Baden-Baden

Kräuterquark vom Sternekoch

Als Hotelier gewöhnt man sich an eine enorme Bandbreite von Wünschen. Ein Gast zum Beispiel, der schon länger in das Hotel kommt, als ich hier bin, ein ausgesprochener Gourmet, bleibt immer so sieben bis zehn Tage. Er isst jeden Tag in unserem Park-Restaurant; immer die schönen Dinge wie Hummer und Seezunge. An seinem letzten Tag – und das jedes Mal – bestellt er in unserem 2-Sterne-Restaurant eine große Portion Pellkartoffeln mit Kräuterquark. Es ist sein ganz spezielles Rezept, wir haben das von ihm bekommen. Er freut sich dann wie ein König. Die Ingredienzien hat er en détail festgelegt. Wie Quark, Cognac, einen halben Teelöffel Kümmel, Senf und Knoblauch nur zum Ausreiben der Schüssel und so weiter. Es ist zwar nur Quark mit Pellkartoffeln, doch die Virtuosität der Zubereitung ist sternemäßig. Ein völlig exotischer Wunsch kam von einem Gast aus dem Mittleren Osten: Zebrafleisch. Das besorgen wir einfach nicht. Wir bestellen auch kein Mineralwasser mehr aus Neuseeland, um einen Mordseindruck zu machen. Die Zeiten sind vorbei. Im Vorfeld vom Besuch des Ex-Präsidenten Clinton haben wir uns extrem viele Gedanken gemacht: Wow, was könnte man tun? Man überlegt auch: laktosefrei, glutenfrei, low carb, low fat und so weiter. Und am Ende? Wiener Schnitzel. Wobei: Die Panade muss wirklich gut sein.

Der Geschäftsführende Direktor Frank Marrenbach, 50, leitet das Hotel seit 17 Jahren.

Quelle: F.A.S.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenHerbert GrönemeyerTina TurnerGardaseeWienHotel Adlon

Anzeige