Köchin Sarah Wiener

„Meinen Urlaub verbringe ich im Garten“

Von Peter-Philipp Schmitt
 - 17:38

Als Fernsehköchin wurde sie bekannt. Dabei ist Sarah Wiener gar keine ausgebildete Köchin. Die in Halle (Westfalen) geborene Österreicherin wuchs in Wien auf. Mit 17 Jahren verließ sie die Schule und trampte durch Europa. Im Künstlerlokal „Exil“ in Berlin-Kreuzberg, einem Restaurant, das einst ihrem Vater, dem Schriftsteller Oswald Wiener, gehörte, wurde Kochen schließlich ihre Leidenschaft. Heute führt die Fünfundfünfzigjährige ein Catering-Unternehmen und mehrere Restaurants. Mit ihrer Sarah Wiener Stiftung setzt sie sich dafür ein, dass Kinder im Kita- und Grundschulalter etwas Vernünftiges zu essen bekommen.

Was essen Sie zum Frühstück?

Das kommt darauf an, welchen Wochentag wir haben und wo ich gerade bin. Wenn ich die Wahl habe, fange ich mit einem grünen Tee an, trinke danach einen Milchkaffee, esse gerne ein selbstgemachtes Müsli, danach noch ein gekochtes Ei mit Brot und Käse oder Schinken.

Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?

Gerne auf Reisen, in China, Vietnam, Japan. Ich mag Handwerk, und wenn ich in Rumänien ein Kleid aus einem von Hand gewebten und bestickten Stoff sehe, der mir gefällt, muss ich es haben.

Hebt es Ihre Stimmung, wenn Sie einkaufen?

Ja, doch ehrlicherweise meist nur kurz. Wenn man etwas Schönes kauft, bereitet das schon Lust, aber das vergeht auch schnell wieder.

Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?

Ein Kleid von meiner Mutter. Den Stoff hat meine Mutter, die Künstlerin Lore Heuermann, vor 40 oder 50 Jahren gebatikt. Das Kleid hat sie dann zu einer Vernissage getragen. Später habe ich es für mich ändern lassen.

Was war Ihre größte Modesünde?

Früher habe ich Netzstrumpfhosen mit Turnschuhen getragen oder bin in Männer-Pyjamas zur Schule gegangen. Da war ich relativ schmerzfrei. Das würde ich heute nicht mehr machen. Aber einen attraktiven Menschen entstellt ja nichts, wenn er jung und naiv ist.

Tragen Sie zu Hause Jogginghosen?

Eher selten. Jogginghosen leiern viel zu schnell aus, und dann sieht man so aus, wie man sich nicht fühlen möchte.

Haben Sie Stil-Vorbilder?

Nein. Jeder sollte seinen eigenen Stil finden.

Haben Sie jemals ein Kleidungs- oder Möbelstück selbst gemacht?

Mit zwölf habe ich einen Hocker aus Holz gebaut, den meine Mutter noch hat. Er gefällt mir noch immer.

Besitzen Sie ein komplettes Service?

Ja, zum Beispiel Gmundner Porzellan. Ich warte aber noch darauf, dass endlich einmal 20 Leute vorbeischauen und ich alle Teile hervorholen kann.

Mit welchem selbst zubereiteten Essen konnten Sie schon Freunde beeindrucken?

Das kommt öfter vor, ich bin ja Köchin. Meist beeindruckt es Freunde besonders, wenn ich aus dem, was gerade im Garten oder auf der Wiese wächst, schnell etwas Köstliches kochen kann, was einfach ist und so gut wie nichts kostet.

Welche Zeitungen und Magazine lesen Sie?

„Zeit“, „Tagesspiegel“, „Süddeutsche“, „Stern“, manchmal „NZZ“, „Bild“, „Bunte“, „Gala“, in Österreich „Standard“, „Krone“, „Kurier“, sowie alles von „Geo“ - „Geo Wissen“, „Geo Natur“, „Geo Epoche“, aber unregelmäßig.

Welche Websites und Blogs lesen Sie?

Null.

Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?

Ich schreibe öfters Karten. Der letzte Brief ging vor ein paar Wochen an jemanden, dessen Mutter gestorben ist.

Welches Buch hat Sie am meisten beeindruckt?

Da gibt es viele. Ich stamme aus einer Schriftsteller-Familie, bei uns gab es Tausende Bücher, von denen ich viele verschlungen habe. Beeindruckt hat mich die Sprache im „Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil.

Ihre Lieblingsvornamen?

Adam und Artur, die Namen meines Bruders und meines Sohns. Und Una, so heißt meine Schwester.

Ihr Lieblingsfilm?

Habe ich keinen.

Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?

Ohne. Zumindest in der Stadt. Auf dem Land mit.

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Tragen Sie eine Uhr?

Ja, eine Männeruhr von Parmigiani.

Tragen Sie Schmuck?

Nicht regelmäßig. Aber wenn, dann muss er originell sein, groß, bunt oder ein Einzelstück von einem Künstler. Ich habe auch viel Schmuck von meiner Mutter, aus Tonkugeln, aus Pakistan, viel Auffälliges.

Haben Sie einen Lieblingsduft?

Neben vielen Gewürzen und dem Wald: meinen eigenen und den von geliebten Menschen. Der beste Duft ist der natürliche.

Was ist Ihr größtes Talent?

Vor kurzem hat jemand zu mir gesagt, mein größtes Talent sei es, Andere begeistern zu können.

Was ist Ihre größte Schwäche?

Es gibt nicht eine große. Bei mir stehen zahlreiche Schwächen gleichberechtigt nebeneinander.

Womit kann man Ihnen eine Freude machen?

Ganz leicht: mit einem freundlichen, aufmunternden, liebenswürdigen Gespräch zum Beispiel, mit einem Lachen oder auch mit Zeit, die man mir schenkt.

Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?

Woher jemand kommt.

Sind Sie abergläubisch?

In gewisser Weise ja. Ich rede nicht gerne über Dinge, die in Planung sind.

Wo haben Sie Ihren schönsten Urlaub verbracht?

Eine grauenhafte Vorstellung zu denken, den schönsten Urlaub habe ich schon hinter mir.

Wo verbringen Sie Ihren nächsten Urlaub?

Ich baue gerade ein Haus, darum verbringe ich meinen Urlaub momentan in meinem Garten oder dort, wo es einer werden soll.

Was trinken Sie zum Abendessen?

Kommt ganz aufs Essen und meine Begleitung an. Von Wasser und Kräutertee über Gin Tonic und Rotwein bis hin zu Champagner ist alles möglich.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin
Autorenporträt / Schmitt, Peter-Philipp (pps.)
Peter-Philipp Schmitt
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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