Interview mit Juliane Köhler

„Irgendwann werde ich alt aussehen. Natürlich!“

Von Stefanie Schütte
 - 16:48

Frau Köhler, wir möchten mit Ihnen über Ihre Schönheitsgeheimnisse sprechen. Sie sehen mit Anfang 50 fast makellos aus mit einer sehr guten Haut. Besitzen Sie irgendeine Wundercreme? Und wenn ja, wie heißt die?

Darauf gibt es mehrere Antworten. Eine davon ist wohl, dass ich nur Naturkosmetik von Dr. Hauschka benutze. Ich muss hier etwas ausholen: Nach dem Konzept dieser Marke trägt man eigentlich nicht so viel Creme auf. Sondern man erzieht die Haut dazu, sich selbst wieder zu versorgen. Man durchläuft dafür erst einmal eine Phase mit Trockenheitsgefühlen, weil man sich nicht eincremen soll. Stattdessen benutzt man ein Gel oder ein klärendes Spray. Dann lernt die Haut nach und nach, selbst wieder Fett und Feuchtigkeit zu produzieren. Das ist genau das Gegenteil von der Wirkung herkömmlicher Cremes. Die sind halt alle sehr reichhaltig. Da stopft man sozusagen die Poren voll. Dann ist man vielleicht kurzfristig glücklich. Aber längerfristig ist dieses Dr.-Hauschka-Prinzip einleuchtend, finde ich. Ich mache das seit Jahren, und es ist wirklich toll. Ich habe aber auch noch ein wirkliches Wundermittel. Das ist ein kleiner sogenannter Gua-Sha-Schaber für die Haut. Diese Technik kommt aus China.

Wo haben Sie das denn kennengelernt?

Das hat mir eine Kosmetikerin in Tel Aviv gezeigt. Dieser Gua-Sha-Schaber ist so groß wie eine Bankkarte und sieht auch ungefähr so aus. Es gibt ihn aus Horn oder auch aus Jade. Man streicht damit über die Haut und führt eine Art Tiefenmassage durch.

Wirkt das wie eine Lymphdrainage?

Ja, so ähnlich. Es gibt ja auch elektrische Vibrationsgeräte. Die erzeugen denselben Effekt. Aber das Gua Sha ist viel einfacher zu handhaben. Man muss es nur wirklich jeden Morgen machen. Die Haut speichert es nach und nach ab. Wenn man das regelmäßig macht, muss man irgendwann, nach einigen Monaten, nur noch einmal drüberstreichen. Und schon ist die Haut aktiviert. Das Ganze dient der Zellenerneuerung. Die Haut wird sozusagen bis in die untersten Schichten stimuliert. Dadurch erneuern sich die Zellen viel schneller. Und außerdem fühlt man sich wahnsinnig frisch. Man kann das übrigens am ganzen Körper machen.

Viele Kosmetikfirmen propagieren ein ganzes Arsenal von Wirkstoffen und Maßnahmen. Ihre Regel heißt eher „Weniger ist mehr". Heißt das im Umkehrschluss, dass ein echtes „Mehr" eher schadet?

Das weiß ich nicht. Ich kenne mich nicht aus mit den unglaublich teuren Anti-Aging-Cremes, die es gibt. Die habe ich nie ausprobiert. Ich benutze Dr. Hauschka einfach schon so lange. Die haben übrigens auch eine Regenerationslinie für die reife Haut. Und die Gua-Sha-Methode überzeugt mich auch. Ich habe das Ding in der Tasche und hole es heraus, wenn ich zwischendurch einmal Zeit habe oder am Set warten muss. Man streicht im Gesicht über die Wangen nach außen, über die Stirn oder auch die Oberlippe. Es hilft gegen Falten. Es ist so, als würde die Haut Muskeln bekommen. Überhaupt ist es gut, die Gesichtsmuskulatur anzuregen. Das heißt, man macht Fratzen und versucht, jeden Muskel im Gesicht zu aktivieren.

Wie sind Sie auf Naturkosmetik gekommen? Ist das ökologisches Bewusstsein?

Ich war schon immer so gepolt. Ich bin anthroposophisch aufgewachsen und war in der Waldorf-Schule. Diese Art der Nachhaltigkeit kenne ich sozusagen schon seit Geburt.

Dann haben Sie Ihrer Haut wahrscheinlich auch nie schädliche Dinge zugeführt?

Naja, ganz am Anfang vielleicht schon. Aber da ist ja die Haut noch robust und jung. Aufpassen muss man wahrscheinlich erst so ab Mitte 40. Ich habe zwei Töchter, die haben auch so eine Haut mit sehr kleinen Poren. Die sind erst 15 und 20 und tun überhaupt nichts auf die Haut. Die brauchen das nicht.

Leben Sie auch in anderen Bereichen anthroposophisch? Zum Beispiel in Bezug auf die Ernährung?

Nein, gar nicht. Ich esse wahnsinnig gerne, und ich esse alles. Ich bin auch keine Veganerin oder Vegetarierin. Ich esse nur wenig Zucker. Das mache ich aber, weil ich Süßes nicht so gerne mag. Zucker ist, glaube ich, nicht gut für die Haut.

Auf Bildern wirken Sie ungeschminkt. Meiden Sie Make-up?

Auf den meisten Bildern wurde ich von Maskenbildnern geschminkt. Die haben gute, sehr durchscheinende Schminke extra für Fotos. Der Look wirkt nur ungeschminkt. Ich kann auch sehr schlecht aussehen, müde und faltig. Ich bin halt Anfang 50. Da kann ich Gua Sha nehmen und Dr. Hauschka und sonst etwas. Das Altern ist trotzdem da.

Es herrscht in Ihrem Beruf sicher ein gewisser Druck in Bezug auf jugendliches Aussehen. Was halten Sie von Maßnahmen dagegen wie Botox oder Fillern? Würden Sie sagen: nie und nimmer? Oder ist das Standard im Filmbetrieb?

Für mich kommt das nicht in Frage, überhaupt nicht. Ich möchte nicht irgendein fremdes Zeug bei mir im Gesicht haben. Botox ist ja ein Gift. Auch kleine Veränderungen - etwa am Augenlid - möchte ich eigentlich nicht machen. Ich sehe natürlich im Spiegel, dass ich älter werde. Und das finde ich auch furchtbar. Aber ich möchte nichts künstlich verändern, weil mir so etwas total fremd ist.

Gab es einen Zeitpunkt, an dem Sie das für sich entschieden haben?

Ich habe mal einen Satz gelesen von Hildegard Knef, der mich beeindruckt hat. Sie hat mit etwa 70 Jahren geschrieben, sie sei so stark geliftet, dass sie beim Blick in den Spiegel überhaupt nicht wisse, wie sie eigentlich wirklich aussehen würde. Diese Erkenntnis finde ich schockierend und schlimm. Dass man nie erfahren wird, wie man eigentlich ausgesehen hätte, wenn man nichts gemacht hätte. Als ich den Satz vor etwa zehn Jahren gelesen habe, beschloss ich, so etwas nie zu machen. Meine Agentin sagte damals: „Juliane, ich brauche in der Agentur später mal auch noch richtige Alte, die wirklich alt aussehen." Also nicht diese seltsamen Gesichter, die auf eine merkwürdige Weise jung wirken. Oder eigentlich nicht jung, sondern eher monsterartig.

Altersforscher sagen, dass Regelmäßigkeit ein Schlüssel ist zu einem gesunden Leben und gutem Aussehen. Leben Sie regelmäßig?

Ich habe keinen so regelmäßigen Rhythmus. Ich spiele Theater, dann drehe ich wieder einen Film und bin wochenlang unterwegs. Häufig stehe ich abends auf der Bühne und bin spät im Bett. Ich muss aber früh aufstehen, weil die Kinder in die Schule gehen. Natürlich sieht man das im Gesicht. Deswegen nehme ich auch immer wieder Auszeiten. Die Sommerferien sind mir zum Beispiel heilig. Da drehe ich nie. Egal, was für ein Filmangebot ich habe. Stattdessen fahre ich mindestens vier Wochen mit meinen Kindern irgendwohin. Man muss versuchen, das ganze Leben immer entspannter zu sehen. Dass man nicht grübelt oder sich andauernd Sorgen macht. Alles kommt zu seiner Zeit. Dazu gehört, dass ich akzeptiere, dass ich älter werde. Es ist bestimmt nicht gut, dagegen zu kämpfen. Irgendwann werde ich alt aussehen. Natürlich! Und dann ist das eben so.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin
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