Vom Foto zur Kosmetik

Bei Fujifilm gibt’s weiter was zu lächeln

Von Florian Siebeck
 - 11:54

Das Jahr 2000 war das Jahr von Kodak und Fujifilm. Nie war die Nachfrage nach Fotofilm so hoch. Umso schmerzlicher war die Entwicklung, die das Geschäft in den nächsten zehn Jahren nehmen würde. Der Umsatz sank um 90 Prozent, Kodak stürzte in eine existenzielle Krise - nur Fujifilm, so schien es, blieb verschont. Mitarbeiter sagen, man habe das schon seit den Achtzigern geahnt. Der „Economist" schrieb damals, Kodak habe sich wie eine japanische Firma verhalten, die lieber sehenden Auges ins Verderben rennt, als sich anzupassen. Fujifilm hingegen habe gehandelt wie ein amerikanischer Konzern. Während die Filmproduktion heute weniger als ein Prozent des Umsatzes ausmacht, ist Fujifilm einer der erfolgreichsten Kosmetikhersteller in Asien. Unter dem Namen Astalift bringt der Konzern schon seit zehn Jahren schöne Produkte auf den Markt.

Eine logische Konsequenz

Was auf den ersten Blick verwunderlich erscheint, ist auf den zweiten eine logische Konsequenz aus der sich verändernden Lebenswelt im 21. Jahrhundert. Denn Hautpflegetrends gehen von Asien aus, da kennt Fujifilm sich aus. Fujifilm hatte außerdem das Geld, eine neue Marke auf den Markt zu bringen, konnte Marketing und hatte eine Expertise aus 70 Jahren Filmproduktion.

Denn Kollagen ist nicht nur Hauptbestandteil der Haut, sondern auch von Fotofilmen. Fujifilm hat jahrelang versucht, die Strahlkraft von Bildern zu erhalten und Oxidierungen zu verhindern - denn ultraviolette Strahlung sorgt nicht nur dafür, dass Bilder ausbleichen, sie lässt auch die Haut schneller altern. Die Strahlen verstärken die Melaninproduktion der Haut, Flecken entstehen, und die Proteine Kollagen und Elastin, die die Haut straff halten, zerfallen. Der Durchbruch für Fujifilm kam mit Astaxanthin, einem Antioxidans, das in Meeralgen vorkommt und gegen Hauterschlaffung und Pigmentflecken wirken soll. Heute ist es eine der Hauptzutaten von Astalift-Pflegeprodukten. Laut Fujifilm ist es „1000 Mal wirksamer als Coenzym Q10" und wird nur deshalb kaum von der Konkurrenz verwendet, weil es äußerst flüchtig und schwer zu handhaben ist. Es ist beinahe unmöglich, den fettlöslichen Wirkstoff in Kosmetik einzuarbeiten, ohne dass er seine Wirkung verliert. Nach eigenen Angaben kommt Fujifilm eine selbst entwickelte „Infinitesimaltechnologie" zugute: Das Astaxanthin wird in Mikropartikel eingearbeitet und dadurch nutzbar gemacht. Es kann so direkt in der Epidermis seine Wirkung entfalten.

Das Hintergrundwissen für diese „Mikronisierung" kam wieder vom Film, wo mehr als 100 verschiedene Partikel in einer Emulsion zusammengeführt werden müssen und dann auf 20 Mikrometer dünnen Kollagenmembranen aufgetragen werden. 2012 probierte Fujifilm, Astalift auch in Deutschland zu lancieren - erfolglos. Nach nicht einmal einem Jahr wurde der Vertrieb wieder eingestellt, zu schwierig war der Markt. Bei der anspruchsvollen japanischen Kundin steht Astalift aber weiter hoch im Kurs. Mit einem Umsatz von 2,92 Milliarden Euro gehören Kosmetik und Healthcare heute zu den größten Sparten von Fujifilm. Tendenz: steigend.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin
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