Anzeige

Virtual Reality

In den Fußstapfen der Migranten

Von Maria Wiesner
 - 09:48
Mit Virtual-Reality-Brillen schickt Inarritu seine Zuschauer in die Wüste. Bild: HANDOUT/EPA-EFE/REX/Shutterstock, Frankfurter Allgemeine Magazin

Stellen Sie sich vor, Sie verlassen Mexiko und wandern auf illegalem Weg durch die Wüste in Richtung Vereinigte Staaten. Sand, Hitze, Angst. Schwer vorstellbar? Die Installation „Carne y Arena“ von Alejandro González Iñárritu setzt dort an. „Über die vergangenen vier Jahre, in denen ich an diesem Projekt gearbeitet habe, hatte ich das Privileg, mit vielen Flüchtlingen aus Mexiko und Mittelamerika Interviews zu führen“, sagt der mexikanische Regisseur. „Ihre Lebensgeschichten haben mich verfolgt. Also habe ich sie gebeten, mit mir an dem Projekt zu arbeiten.“

Anzeige

Herausgekommen ist eine Installation über sechseinhalb Minuten. Der Besucher wird mit Virtual-Reality-Brille in die Wüste geschickt und tritt in die Fußstapfen der Flüchtlinge, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Amerika kommen. Ihre Premiere hatte die Installation bei den Filmfestspielen in Cannes im Mai. Alle wollten einen der begehrten Slots für die Vorführung. Denn wenn Iñárritu etwas inszeniert, ist es visuell beeindruckend. Der Regisseur hat für seine Filme „Birdman“ und „The Revenant“ mehrere Oscars erhalten, sein Kameramann Emmanuel Lubezki ist ebenfalls mit dem Academy Award ausgezeichnet worden. Nun haben beide für „Carne y Arena“ wieder zusammengearbeitet.

„Ich wollte, dass der Besucher in der Haut der Immigranten steckt", sagt Iñárritu. Deshalb hat er auch keine Schauspieler engagiert, sondern die Flüchtlinge ihre eigenen Geschichten nachspielen lassen, zum Teil in den Kleidungsstücken, die sie beim Überqueren der Grenze trugen. Der Besucher irrt dank Virtual-Reality-Brille durch die Wüste. Nun ist „Carne y Arena“ in der Fondazione Prada in Mailand zu erleben. Bitte vorher online einen Slot buchen! Die Plätze pro Vorstellung sind begrenzt.

Installation „Carne y Arena“, Fondazione Prada, Mailand, bis zum 15. Januar 2018.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin
Maria Wiesner
Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenMexikoFlüchtlingeVirtuelle Realität

Anzeige