Dänischer Designer

Ein Hauch von Gold für Arne Jacobsen

Von Peter-Philipp Schmitt
 - 21:57

Die Idee war verwegen: Die skandinavische Fluggesellschaft SAS wollte, dass ihre vor allem amerikanischen Passagiere, die seit 1954 erstmals von Los Angeles über die Polarroute nach Kopenhagen fliegen konnten, auf direktem Weg vom Flughafen im Tårnbyer Ortsteil Kastrup in die Stadt und ins unternehmenseigene Hotel gebracht werden. Geplant war auch ein hoteleigener Terminal, an dem die Fluggäste der SAS abgefertigt werden sollten. Für die Ausführung wurde der dänische Architekt und Designer Arne Jacobsen (1902 bis 1971) gewonnen, der bis 1960 das damals höchste Gebäude Dänemarks am Hauptbahnhof gegenüber dem Vergnügungspark Tivoli errichtete. Jacobsen hatte bei der Gestaltung fast freie Hand. So errichtete er nicht nur eine 69,60 Meter hohe „gläserne Zigarrenbox“, er entwarf auch die Einrichtung des Hotels, von den Türknäufen der 260 Zimmer über das Besteck im Restaurant bis hin zu den Aschenbechern im Foyer.

Heute erinnert nur noch wenig an das einstige SAS Royal Hotel, das seit 2009 zur Hotelkette Radisson Blu gehört. Daher wird das Gebäude auch als „verlorenes Gesamtkunstwerk“ bezeichnet. Einige der Möbelstücke, die Jacobsen für das Hotel entwarf, gelten inzwischen aber als Klassiker der Designgeschichte. Dazu zählen der Stuhl Drop und die Sessel- und Sofavarianten Egg und Swan.

Die fast schon skulpturalen Möbelstücke wurden bereits 1958 vom dänischen Hersteller Fritz Hansen produziert. Anlässlich des 60. Jahrestags präsentiert das Unternehmen nun eine Jubiläumskollektion. Vorgestellt wird sie auf der Stockholmer Möbelmesse Anfang Februar. Die Modelle Egg und Swan sind aus weichem Leder und werden als limitierte Edition mit jeweils 1958 Stühlen herausgegeben. Der Stuhl Drop, der mit dem robusten Stoff Sera bezogen ist, wird nur in diesem Jahr erhältlich sein. Die Füße der Stühle bestehen aus Aluminium, haben aber auch eine 23-Karat-Vergoldung.

Welche Bedeutung die Entwürfe Arne Jacobsens haben, zeigt sich daran, dass ihnen im Designmuseum Danmark in Kopenhagen ein eigener Raum gewidmet wurde, in dem die Originale zusammen mit Bildern aus dem Hotel ausgestellt werden. Und wer einmal übernachten möchte wie einst zu den besten Zeiten des Fünf-Sterne-Hotels von SAS, der kann im Radisson Blu Royal das Zimmer 606 anmieten, das noch so aussieht wie zu Anfang der sechziger Jahre - bis auf den Flachbildschirm.

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Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin
Peter-Philipp Schmitt
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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