Mode & Design
Deutsche in Los Angeles

„Trumps Wahl war schockierend für die ganze Kunstwelt“

Von Rose-Maria Gropp
© Joshua White/JWPICTURES.com, Frankfurter Allgemeine Magazin

Frau Magers, Frau Sprüth, Sie haben Standorte in Berlin und London – warum jetzt auch Los Angeles?

Philomene Magers: Wir kennen Los Angeles sehr gut und haben hier seit den neunziger Jahren viel Zeit mit unseren Künstlern verbracht, zum Beispiel mit Barbara Kruger und John Baldessari. Letztlich waren es diese beiden Künstler, die uns auf die Idee brachten, nach Los Angeles zu kommen. Wir wollten schon lange nach Amerika.

Monika Sprüth: In Los Angeles entstand ein Vakuum für viele unserer Künstler, als zwei Galerien schlossen, bei denen sie ausstellten. Wir entschieden uns, das zu füllen, und wir folgten dem Wunsch der Künstler, an Ort und Stelle zu sein. In einem immer globaler werdenden Kunstmarkt wünschen sich diejenigen, um die es geht, nämlich die Künstler, dass sie beschützt und begleitet werden.

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„Diese Stadt ist jung“: Monika Sprüth und Philomene Magers haben nun auch eine Galerie in Los Angeles

Und Sie haben ein passendes Gebäude für Ihre Galerie gefunden.

Philomene Magers: Es hat einige Zeit gedauert, etwas zu finden, was genau unseren Vorstellungen entspricht. Ich kenne dieses einzigartige Gebäude schon lange. Früher war es ein Restaurant. Es hat eine typische Los-Angeles-Ästhetik, wie die Gebäude in Arbeiten von Ed Ruscha. 1966 planten die Architekten Pereira & Associates es als Nebengebäude ihres Hochhauses mit 31 Geschossen auf der Miracle Mile. Verteilt auf zwei Geschosse, können wir auf rund 950 Quadratmetern Ausstellungen zeigen. Natürlich ist auch die direkte Nachbarschaft zum LACMA, dem Los Angeles County Museum of Art, großartig.

Neuer Standort: Philomene Magers und Monika Sprüth sind nun auch unter Palmen
© Joshua White/JWPICTURES.com, Frankfurter Allgemeine Magazin

Was macht die Westküste, insbesondere Los Angeles, so interessant für Sie? New York wäre ja auch eine Option gewesen.

Monika Sprüth: Wir wollten ursprünglich wirklich nach New York. Aber unsere Künstler gaben den entscheidenden Impuls. Viele von ihnen leben in Kalifornien, zum Beispiel Ed Ruscha, Sterling Ruby, Kaari Upson, Analia Saban und Ryan Trecartin. Wir arbeiten sehr eng mit all unseren Künstlern zusammen. Da war es naheliegend, hierher zu kommen. Es ist eine Künstlerstadt, es gibt bezahlbare Studios und Freiräume für Künstler. Die Stadt ist jung und lebendig, es gibt erstklassige Kunsthochschulen und hochkarätige Museen und Privatsammlungen. Gleichzeitig hat Los Angeles mit der Filmindustrie einen zentralen Beitrag zur kulturellen Entwicklung im 20. Jahrhundert geleistet. Diese Mischung macht die Stadt attraktiv.

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Sie arbeiten schon seit Jahren auf internationalem Niveau. Gibt es besondere Synergien in Los Angeles, mit anderen Galerien oder mit Museen?

Philomene Magers: Wir arbeiten an unseren anderen Standorten seit langem eng mit den Museen in Los Angeles zusammen. Es ist natürlich einfacher, wenn man vor Ort ist und die Kuratoren alle Ausstellungen sehen können.

Wie interessant ist für Ihre Galerie die räumliche Nähe zu den Sammlern in Kalifornien?

Monika Sprüth: Kalifornische Sammler reisen natürlich, wie alle anderen Sammler auch, durch die Welt. Mit dem Standort Los Angeles geht es uns um die konstante räumliche Nähe zu ihnen. Wir zeigen hier unsere amerikanischen Künstler genauso wie unsere europäischen Künstler, die teilweise in Amerika noch wenig sichtbar sind.

Philomene Magers: In den Ausstellungen werden Werke im größeren Kontext gezeigt und für den Besucher erfahrbar gemacht. Es gibt Raum für Gespräche. Das steht nach wie vor in keinem Vergleich zu einer Messepräsentation, bei der künstlerische Positionen nur über einzelne Werke vermittelt werden können, oder zu einem Gespräch, das darauf basiert, dass man digitale Bilder versendet.

Räumliche Nähe zu den kalifornischen Sammlern: Philomene Magers (links) und Monika Sprüth
© Claudia Lucia, Frankfurter Allgemeine Magazin

Was bedeutet die zeitgenössische Kunst für Los Angeles, also auch für Hollywood und seine Stars? Und umgekehrt: Was bedeuten die Stars für die Kunst?

Monika Sprüth: Hollywood ist der prägende Ort für eine der wichtigsten Kunstformen des 20. Jahrhunderts, das bewegte Bild. Dadurch ergeben sich Synergien. Natürlich besuchen auch kunstinteressierte Schauspieler und Regisseure manchmal die Ausstellungen, wie Leonardo DiCaprio, Gus Van Sant, Jessica Chastain oder Lady Gaga.

Finden Sie in der Kunstszene auch neue junge Künstler für Ihr Galerieprogramm?

Philomene Magers: Selbstverständlich. Kaari Upson lebt und arbeitet hier und ist neben der Schweizerin Pamela Rosenkranz unser jüngster Zuwachs zum Programm. In den vergangenen Wochen haben wir Upsons Skulpturen und Filme erstmals in Deutschland gezeigt.

Wird der neue amerikanische Präsident einen Einfluss auf die Kunstszene haben?

Philomene Magers: Die Wahl von Donald Trump war ein schockierendes Ereignis für die ganze Kunstwelt, und die Künstler reagieren jetzt schon stark darauf.

Monika Sprüth: Der Protestmarsch am 21. Januar in Washington wurde von der Kunstwelt massiv unterstützt. Historisch haben solche politischen Veränderungen immer zu einer Politisierung in der Kunstproduktion geführt.

Bleibt trotz der Internationalisierung Deutschland weiterhin ein wichtiger Standort für Sie?

Monika Sprüth: Ich habe die Galerie 1983 in Köln gegründet, und seit den neunziger Jahren arbeiten Philomene und ich zusammen. In Deutschland leben viele unserer Künstler, und es ist auch unser Lebensmittelpunkt. Die Galerie in Berlin betrachten wir als unseren Hauptsitz, und von Berlin aus agiert der größte Teil unserer Mitarbeiter. Gerade weil wir im vergangenen Jahr die Galerie in Los Angeles und ein Büro in Hongkong eröffnet haben, ist Deutschland als Ausgangspunkt unser wichtigster Standort.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin
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