Neues Geschäft in Düsseldorf

Anthropologie als Verkaufskonzept

Von Quynh Tran
 - 17:17

Es war eine Freundin, die ihm ihr Leid klagte. Sie war in ihren Dreißigern, weltgewandt, kreativ, berufstätig und damit kaufkräftig und konsumfreudig. Nur gab es in ihrer Kleinstadt in Pennsylvania keine Einkaufsmöglichkeiten, die einer Frau ihres Kalibers gerecht wurden.

Berufstätige, anspruchsvolle Frauen als Markt, dass bisher niemand darauf gekommen ist! Das musste sich der Unternehmer Richard Wayne gedacht haben, als er kurz darauf den ersten Anthropologie-Shop in einem ehemaligen Autocenter in der Kleinstadt Wayne eröffnete. Das war 1992, zu einer Zeit als die kommerzielle Standardisierung auf Höchstgeschwindigkeit lief und in den Vereinigten Staaten Mega Malls mit immer gleichem Antlitz wie Pilze aus dem Boden schossen.

Statt nach Ware von der Stange, fühlte sich der erste Laden mehr wie ein Zuhause an: ein gemütliches Sofa, ein Kelim aus den Suks von Marrakesch, bunte Körbe von Märkten in Tulum, dazu türkische Kaftane und indische Seidenschals. Ein bisschen schick, ein bisschen Bohème, ganz individuell – wie von einer Frau, die mitten im Leben steht und es sich leisten kann, kleine Memorabilien von ihren Reisen mitzubringen und sich ganz nach ihrem Geschmack einzurichten.

Haynes hatte damit noch vor der Hochzeit der Concept Stores die Idee eines Lifestyle-Konzepts kommerzialisiert. Mit Erfolg, mittlerweile gibt es in Nordamerika mehr als 200 Geschäfte.

Für Haynes ist es nicht der erste Erfolg. Bereits 1970 ist ihm ein ähnlicher mit seinem ehemaligen Mitbewohner Scott Belair gelungen: Im Rahmen eines Studentenprojekts für Belairs Entrepreneurship-Kurs eröffneten sie mithilfe von Judy Wicks einen Laden nahe des Campus der University of Pennsylvania. Mit einer Mischung aus Vintage-Bekleidung, Musik und Postern war er auf ein Publikum aus Jugendlichen und Studenten zugeschnitten. Belair bekam die Höchstnote und zog weiter an die Wall Street. Hayne blieb und baute Urban Outfitters, wie er den Laden umbenannte, zu einem landesweiten Modeimperium aus.

1984 folgte Free People, benannt nach dem ursprünglichen Namen des ersten Ladens, mit einer Palette aus Mode und Accessoires im Bohème-Stil für Frauen in den Zwanzigern. Anthropologie ist folglich die Fortsetzung für Frauen zwischen 30 bis 45 Jahren.

Damit bleibt die Urban Outfitters-Gruppe auch in Zeiten, da Modeketten wie H&M Verluste verzeichnen, auf Expansionskurs. Die zielgruppenorientierten Verkaufsstrategie nach demografischen Gruppen, im digitalen Kontext auch Microtargeting genannt, zahlt sich aus. Allein im vergangenen Jahr wurden neue Urban Outfitters-Läden unter anderem in Deutschland, Frankreich, Italien und Schweden eröffnet während andere Bekleidungsketten schließen mussten.

Erstes Geschäft in Europa

Nun folgt das erste Geschäft der Marke Anthropologie auf dem europäischen Kontinent, in Düsseldorf auf der Königsallee an diesem Freitag. Gefeiert wird am Eröffnungswochenende mit einem Programm aus Workshops und Geschenken für die ersten Kundinnen.

„Das Besondere an Anthropologie ist, dass jeder Laden ein einzigartiges Sortiment und Erscheinungsbild hat. Jeder Standort hat eine eigene Werkstatt, in der wir ortsansässige Künstler und Kreative beschäftigen, die den Laden und ein eigenes Veranstaltungsprogramm gestalten“, erzählt Gisela Garcia-Escuela, Managing Director für Europa. Der Kostenaufwand für die individuelle Gestaltung und die meist kostenfreien Veranstaltungen sei hoch, dafür werden die emotionalen Erlebnisse mit langanhaltender Kundentreue belohnt, so Garcia-Escuela.

Anthropologie ist damit, genau wie die anderen Marken der Urban Outfitters-Gruppe, nicht nur ein kommerzieller Raum, sondern ein Habitat, das die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe bedient.

Anthropologie war übrigens auch das Hauptstudienfach des Gründers Richard Hayne, der mit einem Anfangskapital von gerade mal 4000 Dollar ein Modeimperium aufgebaut hat, das ihn zum Milliardär machte. Wie sich zeigt, muss Hayne ein exzellenter Student gewesen sein, hat doch eben sein Verständnis vom Menschen und seinen Bedürfnissen, um genauer zu sein von Frauen und ihren Bedürfnissen, zum Erfolg geführt.

Quelle: FAZ.NET
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