Furla kommt nach Deutschland

All’italiana

Von Maria Wiesner
 - 09:40
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Alberto Camerlengo weiß, dass die Deutschen von Italien fasziniert sind: Sonne, Kultur, Lebensstil! Und, wenn es nach ihm geht: Lederwaren! Deshalb sagt der Geschäftsführer von Furla, dass Deutschland wichtig sei für seine Marke und nun noch wichtiger werde. Bislang konnte man die Taschen nur in einem Laden in München und in Kaufhäusern erhalten. Nun hat Furla an der Goethestraße in Frankfurt auf zwei Etagen ein eigenes Geschäft eröffnet, im Sommer folgt ein Laden in Berlin am Ku’damm, im Herbst in Düsseldorf an der Königsallee. „2018 soll für uns das Deutschland-Jahr werden.“

Camerlengo, der in Verona geboren wurde, in der Nähe des von Deutschen so geliebten Gardasees, hat Deutsch in der Schule gelernt und einige Zeit in Darmstadt verbracht. Der Manager, der unter anderem für Fossil und Brooks Brothers arbeitete, ging 2011 zu Furla, wo er im vergangenen Jahr CEO wurde. In den vergangenen Jahren konnte die Marke gut zulegen. An diesem Mittwoch werden die Geschäftszahlen veröffentlicht. Sie zeigen einen Gesamtumsatz von 499 Millionen Euro für 2017 an – ohne Wechselkurseffekte sind das 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Vorteile des Familienunternehmens

Für Camerlengo liegt die positive Entwicklung natürlich am Produkt, das sich durch italienisches Design und starke Farben auszeichne. Dann wird er konkreter: Dass Furla noch immer ein Familienunternehmen ist, habe seine Vorteile. 1927 gründete Aldo Furlanetto das Lederwarengeschäft in Bologna, heute führt es seine Tochter Giovanna Furlanetto fort. „Im Familienunternehmen kann man eine Langzeitstrategie verfolgen, die nicht jedes Jahr wieder umgeworfen wird, das ist einer der Vorteile.“ Um auch bei steigenden Verkaufszahlen weiter garantieren zu können, dass „Made in Italy“ keine Phrase wird und die Produktion im eigenen Land möglich ist, kaufte Furla im Dezember eine Produktionsstätte in der Toskana. „Das war notwendig, denn in diesem Jahr haben wir schon mehr produziert als im Vorjahreszeitraum“, sagt Camerlengo.

Auch die Marketing-Strategie sei aufgegangen, sagt der Chef. Furla setzt wie so viele Marken nun stark auf soziale Medien. Auf Instagram präsentiert man sich jung und hip. „In den vergangenen fünf Jahren haben wir unseren Fokus auf eine jüngere Käuferschaft gerichtet“, sagt Camerlengo. So sei die Metropolis-Tasche, eine Crossbody-Bag, gerade sehr beliebt bei jungen Kunden. „Gleichzeitig haben wir unsere Stammkunden aber nicht verloren.“ Das Instagram-Marketing diene auch dazu, junge Kunden zeitig an die Marke zu binden, damit sie ihr später treu bleiben. Sogar in der Ladengestaltung erkennt man die Digital-Affinität. Im Geschäft in Frankfurt stehen die Taschen wie Juwelen auf schmalbeinigen goldenen Tischchen. Die Beleuchtung ist warm und hell genug für Selfies.

Bei Furla arbeitet man bereits an der nächsten digitalen Idee. „Junge Kunden mögen es nicht, wenn ihnen eine Verkäuferin hinterherläuft. Die shoppen lieber für sich, wollen aber genaue Informationen über das Produkt. Wir arbeiten daran, dass sie alle Informationen digital im Laden abrufen können.“ Bis dahin wird man noch mit den Verkäuferinnen reden müssen – aber auch das ist ja immerhin all’italiana.

Quelle: F.A.Z.
Maria Wiesner
Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.
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