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Meine Wahl - Teil 6

Die knallbunte Grüne

Von Marlene Grunert
 - 17:47
Farbenfrohe Vielfalt oder gruselige Modesünden? An dieser Frage scheiden sich die Geister, wenn es um die Klamotten am Leib von Claudia Roth geht. Bild: Miriam Migliazzi & Mart Klein, Frankfurter Allgemeine Magazin

Frau Roth, Sie tragen oft farbenfrohe und auffällige Klamotten. Warum?

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Es geht mir nicht darum aufzufallen. Ich ziehe an, was mir gefällt. Ich habe schon von meiner Mutter gelernt, wie wichtig es für das Wohlbefinden ist, einen eigenen Stil zu haben. Für mich spielt es außerdem immer eine Rolle, was ich gerade vorhabe. Es gibt die friedliche und werbende Kleidung, und dann gibt es die Kampfkleidung.

Kampfkleidung?

Wenn ich weiß, dass es in den politischen Konflikt geht, ziehe ich etwas an, das mich schützt und meine Position stärkt. Das ist wie am Theater, wo ich ja herkomme. Da gehören zu einer Rolle auch Kostüm und Maske. Rolle heißt nicht, dass ich jemand anderen spiele, sondern dass ich eine Bühne betrete. Ich glaube übrigens, die Kanzlerin ist permanent im Kampfdress.

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Welche Bedeutung haben Farben für Sie?

Ich bin die Grüne, nicht die Graue. Für mich sind Farben lebensunterstützend. Es ist grau genug auf dieser Welt. Oftmals auch viel zu braun, viel zu dunkel. Dieser Weltidee wollte ich immer schon etwas Knalliges entgegensetzen. Farben sind für mich auch ein Statement. Lila war zum Beispiel immer die Farbe des Feminismus. Damals haben wir unsere Latzhosen eingefärbt und dabei alles andere mit verfärbt. Auch Knallgrün ist ein Statement: für Umwelt, Natur, Lebendigkeit. Deshalb habe ich auf unserem letzten Parteitag auch meine strahlendste grüne Jacke angezogen. Es war eine Liebeserklärung an die Veranstaltung, ein Mantel gegen die Verzagtheit. Kleidung muss mir aber immer auch gefallen. Ich ziehe nichts an, was nur dem Zweck dient, sondern möchte mich immer wohlfühlen.

Es geht also immer um einen Ausdruck von Individualität.

Absolut. Manche finden's gruselig, aber ich bestehe drauf: So bin ich.

Inwiefern ist Ihre Kleidung Ausdruck grüner Programmatik?

Für uns war Selbstbestimmtheit immer essentiell. Und dem kann ich auch dadurch Ausdruck verleihen, dass ich mich dem Kleiderzwang widersetze. Manchmal musst du aber natürlich auch kompromissbereit sein. Auf eine Beerdigung würde ich zum Beispiel nicht mit einer bunten Jacke gehen.

Haben Sie Lieblingsfarben?

Ich liebe Schwarz. Es gibt aber kaum eine Farbe, die ich nicht mag. Außer Anthrazit vielleicht. Im Bundestag fällt die Farbwahl manchmal schwer, weil das Blau der Sitze so knallig ist. Wenn du da mit einem schreienden Magenta kommst, dann bist du auf Krawall gebürstet. Das macht Gerda Hasselfeldt von der CSU. Chapeau! Sie trägt zum Teil Farben, da haut's dir die Augen raus. Aber ich finde das gut, bei aller politischen Uneinigkeit.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin
Marlene Grunert
Volontärin
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