Meine Wahl - Teil 7

Dorothees Dirndl

Von Marlene Grunert
 - 08:34

Dorothee Bär empfängt in ihrem Büro im Bundesverkehrsministerium. Hinter dem Schreibtisch hängt ein Bild: ein pinkfarbenes Fadenkreuz auf schwarzem Grund. Darüber steht nicht "Tatort", sondern "Heimat". Die Eingangsfrage kommt von ihr: "Haben Sie ein Dirndl?" Nein, ich komme aus Norddeutschland. "Na und?", fragt sie. "Dirndl stehen jeder Frau. Schlanke macht es weiblicher und weibliche Frauen schlanker."

Was bedeutet Ihnen das Dirndl?

Zum einen steht es für Tradition und Heimat, deshalb kann ich Ihre Antwort auch akzeptieren. Ich komme eben aus Franken und trage Dirndl, seit ich auf der Welt bin. Es ist eines der wenigen Kleidungsstücke, bei dem jeder weiß, wo man herkommt. Das ist auf Delegationsreisen sehr praktisch. Im Ausland wird Deutschland mit Bayern assoziiert. Wenn wir bei einem Empfang auf deutsche Branchen aufmerksam machen wollen, wählen wir deshalb oft ein bayerisches Motto. Da weiß dann jeder, egal ob in Kalifornien oder Schanghai: Das ist Deutschland.

Und in ästhetischer Hinsicht?

In Tracht ist man immer gut angezogen. Man ist nie over- oder underdressed.

Gibt es Anlässe, zu denen Sie besonders gerne Dirndl tragen?

Als der Papst den Bundestag besucht hat, habe ich sehr gern ein Dirndl angezogen, als Reminiszenz an unseren bayerischen Papst. Die Medien haben das gar nicht verstanden. Unter einem Foto von mir im Plenum stand: "Nach der Wiesn keine Zeit mehr gehabt, sich umzuziehen?"

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Mögen Sie Trachten generell?

Ich mag Trachten schon sehr gern. Was ich nicht mag, ist diese Verfälschung, diese Landhausmode, das finde ich ganz scheußlich, ganz furchtbar. Darin erkennt man die Preußen auf der Wiesn. Wir sagen dazu: "Wie g'wollt und net 'könnt."

Was verstehen Sie unter Landhausstil?

Ich meine damit bräunliche, jutemäßige Stoffe aus Sackleinen. Furchtbar.

Manche finden das Dirndl sexistisch, weil es ein bestimmtes Frauenbild verkörpere.

Das ist völlig abwegig. Die Diskussion kann man auch beim Kleid an sich führen. Kleider betonen doch immer Weiblichkeit. Sexistisch finde ich das Dirndl auch nicht. Da können wir eher über kurze Lederhosen reden, da zeigen die Männer ja auch ihre Wadln.

Zeigt Ihr Mann Wadln? Er ist ja Landrat.

In seinem Landkreis ist das nicht üblich. Die Lederhosen zieht er eigentlich nur in München auf die Wiesn an. Ich mag das.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin
Autorenporträt / Grunert, Marlene
Marlene Grunert
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