Meine Wahl - Teil 3

Keine Reminiszenz an Rosa Luxemburg

Von Marlene Grunert
 - 15:15

Es ist Freitagnachmittag, Sahra Wagenknecht ist auf dem Weg zum Flughafen Tegel. Von dort geht es nach Hause ins Saarland. Sie ist geschminkt, trägt ein blaues Kostüm und mittelhohe Schuhe. Ihre Erscheinung ist zierlich, der Händedruck fest.

Frau Wagenknecht, schminken Sie sich selbst?

In der Regel schon, aber es sieht viel besser aus, wenn ich professionell geschminkt werde.

Was gehört für Sie zum Alltags-Make-up?

Ich mache meistens nur ein bisschen Make-up und Rouge drauf, was gerade dann nötig ist, wenn man sehr wenig Schlaf hat und immer blasser wird. Die Augen schminke ich mir kaum. Wimperntusche schmiert ja auch schnell. Auch mit wasserfester Tusche ist an warmen Tagen die Gefahr groß, dass man plötzlich nicht mehr so prickelnd aussieht. Mein schlimmstes Erlebnis in dieser Hinsicht war in diesem Frühsommer ein Auftritt in Baden-Württemberg. Da habe ich eine Rede gehalten bei 36 Grad im Schatten, und ich habe furchtbar geschwitzt. Danach habe ich mich im Spiegel angesehen und hatte lauter schwarze Streifen auf den Wangen. Gruselig.

Verzichten Sie privat auf Schminke?

Ja, da schminke ich mich sehr wenig. Es sei denn, man geht mal besonders schön aus.

Empfinden Sie es als Last, dass es im Politikalltag eine Erwartung an gewisse Äußerlichkeiten gibt?

Ach, das gehört dazu, und ich lege selbst Wert drauf, einigermaßen auszusehen. Früher habe ich das nicht so sehr beachtet. Es gibt aus der Zeit Fernsehaufnahmen, auf denen ich im Gesicht scheußlich glänze. Eigentlich ist das natürlich irrelevant für das, was man sagt, aber es ändert eben die Wahrnehmung der Leute. Wenn man sehr ungünstig aussieht, entwertet das irgendwie auch den Inhalt.

Warum tragen Sie Ihre Haare nicht offen?

Weil ich mich dann mehrmals am Tag neu föhnen müsste. Wenn ich mir die Locken eindrehe, sehen sie auch offen gut aus, nur hält das leider nicht den ganzen Tag. Im Politalltag finde ich es viel zu mühsam, mir morgens auch noch eine aufwendige Frisur zu föhnen - wo man eh so wenig Schlaf hat. Und selbst wenn ich die Zeit investieren würde, könnte ich an einem feuchten, regnerischen Tag schon am Nachmittag vor keine Kamera mehr.

Seit wann tragen Sie die Haare hochgesteckt?

Seitdem ich 16 Jahre alt war. Ich hatte als Mädchen eben auch immer das Problem, dass ich keine Locken hatte. Aus dem Zopfalter war ich irgendwann raus, und dann hatte ich die Idee, einen französischen Zopf zu flechten und ihn hinten hochzuziehen.

Ist Ihre Frisur auch eine Reminiszenz an Rosa Luxemburg?

Das ist Unsinn. Als ich mir damals die Frisur zum ersten Mal gemacht habe, habe ich über Politik überhaupt noch nicht nachgedacht. Es gibt im Übrigen viel schönere Hochsteckfrisuren. Aber die kann ich mir nicht selbst machen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin
Autorenporträt / Grunert, Marlene
Marlene Grunert
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