Gesucht, Gefunden

Von JENNIFER WIEBKING mit Fotos von HELMUT FRICKE

17. April 2017 · Heute Morgen schon nach Ostereiern im Garten gefahndet? Dann kann es jetzt mit den Trends für dieses Frühjahr weitergehen. Denn auch die liegen nicht gerade auf der Straße. Dass an ihnen was dran sein könnte, sieht man oft erst auf den zweiten Blick.

Mykita Es gab den Sommer der Wayfarers, der verspiegelten Gläser, der runden Janis-Joplin-Gestelle. Dieser Sommer könnte jener der Pornobrille, pardon, der Metallrahmen (hier von Mykita) werden. Erster Hinweis: In Asien hat die Metallbrille schon die Nerdbrille verdrängt. Zweiter Hinweis: An den ersten paar schönen Tagen in diesem Jahr scheint man sich darüber hierzulande in den angesagteren Stadtvierteln auch schon einig.

Vans „Old Skool“ Es ist ein schöner Zufall, dass der Vans „Old Skool“ gerade jetzt ein Revival erlebt. Es wird wohl kaum an jenes des Adidas-Superstar-Sneakers heranreichen, des meistverkauften Modells Turnschuh in den Vereinigten Staaten im Jahr 2016. Das Vans-Revival ist ebenfalls wenig vergleichbar mit dem anderen großen Star-Turnschuh von Adidas, dem Stan Smith, den selbst Daimler-Chef Dieter Zetsche auf schwäbischem Pflaster trägt, als handele es sich um den Boden des Silicon Valleys. Besitzer des Vans „Old Skool“ sind schon einen Schritt weiter. Und schauen jetzt gleichermaßen zurück auf die Geburt des halbwegs underground gebliebenen Sneakers vor genau vierzig Jahren.

A.P.C. Was machen Männer in Zeiten, da FrauenT-Shirts mit feministischer Botschaft tragen? Ihr Modell ist nichts für ihn, denn Männer, die, sagen wir, mit „We should all be feminists“ auf der Brust herumlaufen, kommen schnell so rüber, als müssten sie für Frauen dasWort ergreifen. Ein männlicher Spruch ist auch keine Option, Slogans wie „Bier rein, Bier raus“ haben das Konzept ruiniert. Mit einemT-Shirt mit Tiermotiv (von A.P.C.) distanziert er sich dagegen genug von allzu klaren Botschaften.

Max Mara Gut, allzu viel kann man mit einem Blazer an warmen Tagen nicht anfangen, aber aus jedem Sommer wird irgendwann ein Herbst, und dann hat man diesen kastigen Zweireiher im Schrank hängen.Wer jetzt schon Gedanken an die Herbstgarderobe verschwendet, braucht in ein paar Monaten eigentlich nur dieses eineTeil, um auf dem neuen Stand zu sein. Aus leichtem Leinenstoff (hier von Max Mara), kann man ihn in diesem Sommer dann übrigens doch schon ganz gut gebrauchen.

Marc O’Polo Diese Shorts (von Marc O’Polo) dürften auf nackter Haut nicht weniger leuchten als hier zwischen sattem Grün. Das ist eine guteNachricht,denn Shorts sind für Männer nicht mehr peinlich. Wenn sie schon seit einiger Zeit wie selbstverständlich Sandalen tragen, dann kombinieren sie dazu seit vergangenem Sommer ohne Scham Shorts. Es gibt jetzt Straßen-Shorts, die so knapp sind, dass man es riskieren würde, damit an einem amerikanischen Strand festgenommen zu werden. Dagegen ist dieses Paar schon wieder fast gewöhnlich.

Closed Für Frauen könnte es jetzt die leichtere Jeans sein und zugleich die besser sitzende Seidenhose. Die Chino (von Closed) hat lange genug ihr Dasein als Requisite von Menschen gefristet, die mit dem Thema Sommer nicht allzu viel anfangen können. Ein paar Frauen mit Stil wissen es natürlich schon lange, siehe Michelle Obama, siehe auch Jennifer Aniston, siehe sogar Gwyneth Paltrow. Bei Fragen zum Styling einfach letztere beiden zusammen mit dem Stichwort „chino“ googeln.

Ralph Lauren Eigentlich Ironie, dass ausgerechnet jetzt, da sich Piloten immer weniger als Stilvorbilder erweisen, das Kurzarmhemd in der Mode eine Rolle spielt. Natürlich ist es nicht ihr Kurzarmhemd, frisch gebügelt und weiß, wie es sich bei Lufthansa gehört, das jetzt im Alltag zum Zuge kommt. Aber jenes der Bahnbeamten, die traditionell noch nie Stilvorbilder waren, dürfte es noch weniger sein. Andererseits, farblich kommt dieses Hemd (von Ralph Lauren) dem Bahn-Hellblau sehr nah.

Weekday Es ist okay, Pink ambivalent gegenüberzustehen. Pink ist schließlich der größtmögliche Gegensatz zu einer geschlechtsneutralen Farbe. Aber dieser Tage gibt es wiederum genug Gelegenheiten, Pink auch mal gut zu finden, diesen Ton, der wie kein anderer für einen neuen Feminismus steht, der das Frau sein mit allen seinen Schwächen und Stärken feiert. Kein Zufall also, dass dieser gepuderte Pinkton (Kleid von Weekday), der aussieht, als hätte eine Visagistin ihn angerührt, jetzt besonders angesagt ist.

Falke In den Achtzigern mag die große Konkurrentin der Netzstrumpfhose Leggings geheißen haben. Letztere hat sich längst vom Image emanzipiert, einen großen Teil zum geschmacklosesten Jahrzehnt beigetragen zu haben. Jetzt holt auch die Netzstrumpfhose (von Falke) auf. Zwischen Jeans und Ballerinas mit kleinen Absätzen ist sie ein schönes Detail ohne viel Aufwand. Nur beeilen muss man sich, solange es noch nicht allzu warm ist und jede Art von Strumpfhose grotesk aussieht.

Jimmy Choo Jeder Sommer braucht auch seinen Sommerschuh. Die Pantolette (von Jimmy Choo) ist die direkte Nachfolgerin der Babouches, der maghrebinischen Slipper von vergangenem Jahr. Es ist jetzt ganz egal, ob die Sohle aus Gummi ist wie beim Flip-Flop, aus Bast wie bei der Espadrille, aus Kork wie beim Birkenstock, Hauptsache, die Schuhe sind hinten offen. Für den Anfang minimiert ein Paar ohne Absätze erheblich die Gefahr umzuknicken.

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Quelle: F.A.S.