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PRÊT-À-PARLER

Das besondere Pink

Von Jennifer Wiebking
 - 21:48

Junge und selbstbestimmte Frauen nutzen Pink jetzt für ihre Zwecke. Ausgerechnet Pink, die Farbe, die Frauen jahrelang gemieden haben, weil an den Warnungen eines Vereins wie Pinkstinks, die Farbe schränke Generationen von Frauen in ihren Möglichkeiten ein, tatsächlich etwas dran sein könnte. Mit den rosafarbenen Ü-Eiern geht es los, und ruckzuck hat man seine Chance auf die Professur in Physik vertan. Der erste Gedanke: besser kein Pink.

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Dabei ist Pink schon aus Generationenvertragssicht nicht dazu da, gemieden zu werden. Pink wird nicht verschwinden. Also umso besser, wenn sich Frauen selbst dieser Farbe bemächtigen. Mit Pink kann man heute das Frausein richtig feiern, diese neue Art des Feminismus, die ohne Dogmen auskommt, dafür aber Material für Instagram hergibt, setzt trotzdem noch ein Zeichen, wenn man auf der Straße gegen Donald Trump demonstriert. Natürlich ist Pink in diesem Sinne schrecklich oberflächlich - und zugleich gut zu sehen. Die Pussyhats sind ein schönes Beispiel. Dabei ist das Pink der Stunde, das den Namen Millennial Pink trägt, eigentlich heller, fast Hautfarben. Bei Missoni trugen die Models es auch auf dem Laufsteg, zu ihren Pussyhats, und Stella McCartney legt nun ihren Bryce-Coat in diesem pudrigen Pink auf. Kann man über Net-a-porter bestellen oder sich selbst ans Werk machen, diesen besonderen Farbton zu mischen. Denn natürlich werden sich diese Teile nur die Wenigsten leisten können. Der Vorwurf wurde auch schon Maria Grazia Chiuri gemacht, der neuen Kreativdirektorin von Dior. Ihre Feminismus-T-Shirts kosten mehrere hundert Euro.

Auch was für Menschen über 30

Aber es spricht nichts dagegen, selbst kreativ zu werden und sich mit so einem T-Shirt dem Millennial Pink anzunähern. Einfach ein hellgraues T-Shirt in die Waschmaschine legen, dazu einen Beutel rote Farbe, das Ergebnis müsste dem pudrigen Ton recht nahe kommen. Dass es von dort nicht weit ist bis zu Grau, zeigt auch das Kleid von Prada.

Millennial Pink soll Programm sein und all den Millennials aus der Seele sprechen, die sich dank der sozialen Netzwerke kreativ inszenieren, die sicher auch wüssten, was sie mit den Handschuhen von Gucci machen würden, die selbstverständlich Pantoletten tragen, den Schuh des Sommers, mit dem man in Samt von Kennel & Schmenger auch noch in diesem Herbst losziehen kann. Auf deren Tasche Michael Kors steht, sodass auch das Portemonnaie von derselben Marke sein kann. Es ist schon eine lustige Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet die jungen Leute von heute einen eigenen Farbton haben, denen nachgesagt wird, sie würden sich wie ihre Eltern kleiden: die gleichen Skinny Jeans, die gleichen Turnschuhe. Zumindest haben sie ein Rosa für sich. Andererseits: Der Mantel von Max Mara und die Tasche von Valentino sehen so aus, als wären sie auch was für Menschen über 30. Es nutzen fast schon wieder zu viele Pink für ihre Zwecke.

Quelle: F.A.M.
Jennifer Wiebking
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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