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Filmfestspiele in Cannes

Oh, da ist Monica!

Von Maria Wiesner, Cannes
© Maria Wiesner, F.A.Z.

Die Stars in Cannes haben eine Suite in einem der großen Hotels an der Croisette. Die richtigen Stars wohnen im Hôtel du Cap-Eden-Roc. Sharon Stone, Angelina Jolie und George Clooney sollen zu den Stammgästen gehören. Und mit der Amfar-Spendengala und dem Vanity-Fair-Empfang finden hier zwei der wichtigsten Partys des Filmfestivals statt.

Also auf nach Antibes, wo das Hotel auf einer felsigen Anhöhe steht. Empfang anlässlich einer Fotoausstellung zum 70. Jubiläum des Filmfestivals. Das Erscheinen von Monica Bellucci ist auch angekündigt. Wenn das kein Grund ist!

Sie weiß, wie man in die Zeitung kommt: Monica Bellucci bei der Eröffnungsfeier in Cannes mit Schauspieler Alex Lutz.
© Reuters, F.A.Z.

Eine halbe Stunde lang umrundet man die Bucht auf der Küstenstraße, dann biegt der Wagen in die Hoteleinfahrt ein. Die Wachleute checken die Einladung und den Kofferraum. Erst dann geht es den knirschenden Kiesweg hinauf. Und schon sind die ersten Zeilen aus Fitzgeralds „Zärtlich ist die Nacht“ präsent: „An dem freundlichen Gestade der französischen Riviera steht etwa auf halbem Wege zwischen Marseille und der italienischen Grenze ein großes stolzes rosenfarbenes Hotel. Ehrerbietige Palmen kühlen seine gerötete Stirn, und ein kurzes, strahlend weißes Stück Strand liegt ihm zu Füßen.“

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Seit diesen Zeiten hat sich viel getan. Die Oetker-Familie, die das Anwesen in den Sechzigern kaufte, modernisierte behutsam Zimmer und Suiten. Die Ruhe von damals liegt noch heute über dem Anwesen, sobald man durch die Drehtür aus Holz auf die Terrasse tritt. Rasenflächen, Palmen, Liegestühle rund um einen Meerwasser-Infinity-Pool. Hier gab Bruce Willis schon Saxophon-Sessions.

Fotos aus dem großen Archiv von „Paris Match“

Das Ensemble thront über einem kleinen natürlichen Hafen. Davor liegen drei Yachten. Ein Shuttleservice bringt die Gäste zum Anlegesteg des Hotels. Die Sonne knallt aufs Mittelmeer. Weiße Schirme überspannen eine Terrasse. Am Rand sind auf weißen Tafeln Abzüge der Fotoausstellung angebracht: Romy Schneider beim Sonnenbaden, Claudia Cardinale am Strand, Sharon Stone umringt von Stylisten in ihrer Hotelsuite. Die Fotos stammen aus dem großen Archiv von „Paris Match“. „Es sind Aufnahmen, die unsere Geschichte geprägt haben“, sagt Marc Brincourt, Chef der Fotoabteilung des Magazins. Fast vier Monate habe er mit der Auswahl der Abzüge verbracht, sagt er – und läuft mit der Kamera im Anschlag zum anderen Ende der Terrasse, wo sich französische Schauspielerinnen unterhalten. So glamourös wie auf den Archivbildern sieht leider keine von ihnen aus, aber La Bellucci soll ja schließlich auch noch kommen.

Hier wohnen die richtigen Stars: Hôtel du Cap-Eden-Roc
© Maria WIesner, F.A.Z.

Zuerst einmal zischen aber Kellner mit kleinen Häppchen – „Erbsenrisotto oder Oktopushäppchen“ – zwischen den Gästen hindurch. Die Schauspielerinnen lehnen lächelnd ab und zupfen an ihren Spitzen-Kleidchen. Ein amerikanischer Stammgast im weißen Leinenanzug mit Bogart-Gesicht greift beherzt zu und ordert Weißwein mit Eiswürfeln. Mit dem Glas in der Hand schaut er zufrieden über die Bucht: „Es gibt nichts besseres als Antibes und hier wird es nicht besser als im Cap du Roc.“ Er wohnt in Los Angeles, Filmproduktion betreibt er „so nebenbei“. Zum Festival fahre er nur ungern, zu viel Trubel. Lieber lasse er seine Crew hier herüber kommen und lade sie zum Essen ein. „Oh, schauen Sie, Monica“, sagt er und verschwindet in Richtung einer Frau, die zwar dunkle Haare hat, aber zehn Jahre jünger ist als der Star, den hier alle erwarten.

Smartphone statt Champagner-Glas

Dann geht plötzlich ein Geflatter durch die Grüppchen. Statt nach Champagner greifen nun alle nach ihrem Smartphone. Monica Bellucci, weißes schulterfreies Kleid, nudefarbene Riemchen-High-Heels, große Sonnenbrille in Schmetterlingsform, die sie nicht abnimmt. Es folgt ein kleines Statement zum Kino („Das italienische Kino hat meine Liebe zum Film entfacht, das französische hat sie weiterentwickelt“) und Lob für die Fotos („Sie sind Teil der Kinogeschichte“). Sie hat ihre Stylistin im Schlepptau, die vor jedem Bild noch einmal die Haare zurechtrückt und Strähnchen aus dem Gesicht der Schauspielerin entfernt.

Schon auf dem Weg hinaus überfallen die französischen Schauspielerinnen den Star noch schnell für Selfies. Auf die Frage, was sie denn da eigentlich trägt, haucht sie mit ihrer rauchigen Stimme: „It’s all Dior.“ Dann schwebt sie die Treppe hinunter. Die Französinnen bleiben vor einem Foto-Abzug von ihr in der Ausstellung stehen. „Sie sieht nicht einen Tag älter aus“, sagt eine von ihnen. Zur Sicherheit vergleicht sie das zehn Jahre alte Foto mit dem Selfie, das sie gerade selbst gemacht hat.

Quelle: F.A.Z.
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