Schau von Ralph Lauren

Das Rad neu erfinden

Von Markus Ebner
 - 11:49
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Ferrari, Bugatti, Mercedes – was hat das mit Mode zu tun? Sehr viel, wenn man dem Autosammler und Modedesigner Ralph Lauren glauben will.

Es ist Modewoche in New York, aber alles ist ein bisschen anders als sonst. Die Geschäfte laufen nicht mehr so gut wie früher, und es kommen auch weniger Besucher. Was machen da die guten alten Namen aus Manhattan? Donna Karan hat sich zurückgezogen. Calvin Klein wird gerade von einem Belgier namens Raf Simons neu erfunden. Tommy Hilfiger war nie richtig dabei und lässt jetzt auch noch ein Model seine Kollektionen entwerfen. Ralph Lauren, obwohl der Älteste der Großen, ist noch voll da. Aber gut gelaufen ist es in letzter Zeit wirklich nicht mehr für ihn.

Der Modemacher und Unternehmer wollte sich neu erfinden. Dafür holte er einen neuen, jungen Chef, Stefan Larsson, der bei H&M groß geworden war und in Amerika die Marke Old Navy doch wirklich in die Milliarden-Umsatzzone gehievt hatte. Ralph Lauren, stets beeindruckt von Erfolg, rief den Schweden an, um die digitalen Herausforderungen zu meistern und seine Marke für „Millenials“ attraktiv zu machen. Doch neue Besen kehren manchmal zu gut. Ralph Lauren, inzwischen 77 Jahre alt, wollte nicht unbedingt alles hören, was Larsson ihm erzählte, vor allem wenn es um die eigene Familie und die mögliche Nachfolge ging. Also wurde der Schwede im Frühjahr an die frische Luft gesetzt. CEO ist nun Patrice Louvet, der lange bei Procter & Gamble gearbeitet hat.

„Es geht einfach um Schönheit“

Was nun? Ralph Lauren scheint all der Excel-Tabellen und Powerpoint-Präsentationen müde zu sein. Er ist einfach wieder zurück in die Rolle des Kreativen geschlüpft, der sich auf seinen Instinkt und nicht auf Spreadsheets verlässt. Also bringt er am Dienstagabend seine neue Kollektion für Frühjahr und Sommer 2018 in die Garage – also nicht in eine Werkstatt, sondern eine wohltemperierte Halle in Bedford vor den Toren der Stadt, die er 2010 eigens für seine große Oldtimer-Sammlung errichten ließ.

Autos und Mode? „Das gehört doch zusammen“, meint Lauren nach der Schau. „Es geht einfach um Schönheit.“

So einfach, wie das klingt, ist es dann auch: Passion und Profession verbindet er so, dass keine Naht zu erkennen ist, nicht einmal eine Schweißnaht. Aus der Automobilgeschichte ist von Bugatti bis Mercedes alles da. Und Lauren überträgt die Oberflächen der Autos glänzend auf die Kleider – wie in einem ferrarirot strahlenden butterweichen Leder-Trenchcoat oder einem gelb-schwarzen „goddess dress“, getragen von Kendall Jenner, passend zu dem in der Mitte des Laufstegs geparkten McLaren-Rennwagen.

Auch Active-Wear ist dabei – Autorennen sind ja Hochleistungssport

Die Schau geht los mit klassischen Prince-of-Wales-Stoffen, die erkennen lassen, dass es bei diesem Designer wie in der Maßschneiderei um jeden Millimeter geht. Und wo wir schon mal hier sind: Auch Active-Wear ist dabei, Autorennen sind ja Hochleistungssport.

Nach der Modenschau in der Oldtimer-Halle gibt’s Abendessen. Katie Holmes in Vintage-Lederjacke und etwas zu silbrig geratenen Leggings. Jessica Chastain in weißem Jumpsuit mit weitem Bein. Auch Donna Karan und Diane von Fürstenberg sind da. Ralph Lauren lässt Hummersalat und Hamburger aus seinem Restaurant an der Fifth Avenue servieren. Diane Keaton, von Lauren schon vor 40 Jahren für den Woody-Allen-Film „Stadtneurotiker“ ausgestattet, unterhält sich mit dem Modeschöpfer und seiner Frau Ricky. Bei allem Reichtum: Es geht ungezwungen zu. Bei Ralph Lauren ist das kein ganz unwichtiges Verkaufsargument. Auch in der Krise. Besonders in der Krise.

Quelle: F.A.Z.
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