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Michalsky bei Jet Set

Orange für Millennials

Von Alfons Kaiser
 - 06:37

Michael Michalskys Liebe zur Marke Jet Set begann schon früh. Als Jugendlicher fuhr er samstags mit dem Zug aus dem beschaulichen Bad Oldesloe nach Hamburg, mehr zum Schauen als zum Shoppen. „Nie konnte ich mir was leisten“, sagt der Berliner Designer. Nur einmal, da griff er beim Schlussverkauf im Jet-Set-Geschäft zu und kaufte eine orangefarbene Jacke. „Es ist also wirklich eine lange love affair.“

Die Jacke gibt es noch heute – und die Liebe des Modemachers zu dem im Jahr 1969 in St. Moritz gegründeten Luxus-Sport-Unternehmen ist sogar größer denn je. Denn am Dienstag teilte die zur Schweizer Gaydoul Group AG gehörende Marke mit, dass Michael Michalsky als neuer Chefdesigner den Relaunch zu einem „gender- und altersneutralen Sportbekleidungsunternehmen“ orchestrieren soll.

Nun tritt der Modemacher also in seinem Atelier, einer alten Maschinenhalle an der Köpenicker Straße mit Blick auf die Spree, in seinen beiden Rollen auf: Rechts ist seine eigene Marke Michalsky, links Jet Set. Ähnlich wie Dirk Schönberger, der als neuer MCM-Chefdesigner nicht in Seoul arbeitet, sondern in Berlin, so setzt auch Michalsky seinen „creative hub“ nicht in der Schweiz auf, sondern mit mehreren Mitarbeitern in der deutschen Hauptstadt.

Es dauerte seine Zeit, bis die 49 Jahre alte Marke und der 51 Jahre alte Designer zusammenkamen. Die Marke dämmerte nach den großen Jahren lange vor sich hin, auch wenn ehrgeizige Manager wie Peter Kappler oder Massimo Suppancig sie ins Gespräch bringen wollten. Der Designer nahm einen kleinen Umweg über Heusenstamm, wo er für Levi´s arbeitete, über Herzogenaurach, wo er für Adidas die Sportmode neu erfand, und über Los Angeles, wo er sich in den vergangenen Jahren viel aufhielt, weil er als Juror für Heidi Klums Sendung „Germany´s Next Topmodel“ tätig war.

Mit Heidi verbindet ihn noch immer viel. Vor zwei Tagen erst postete er ein Foto mit der Mutter aller Models in Berlin, mit dem Hinweis auf die nächste GNTM-Staffel. Aber weil die Modelunternehmerin das System der Sendung geändert hat, ist er nun nicht mehr Juror. „Ich wirke an der Staffel mit“, sagt er diplomatisch über seinen jetzigen Teilzeit-Job.

Mit anderen Worten: Er hat genug Zeit für eine wirklich herausfordernde Tätigkeit. Und vielleicht war das Bild mit Heidi der erste Fingerzeig. Denn die Berliner U-Bahn-Kacheln im Hintergrund des Fotos leuchteten in sattem Orange, der Farbe seiner frühen Jacke und des neuen Jet-Set-Logos, das mit Orange, Schwarz und Weiß auskommt.

Die Zeiten für einen Neustart sind gut und schlecht zugleich. Gut, weil „luxury sportswear“ gerade einen Lauf hat. „Jet Set hat ja quasi die Athleisure-Mode erfunden“, sagt Michalsky. Schlecht, weil schon viele Unternehmen genau das machen. Stone Island oder Moncler haben sich mit einem ähnlichen Stil in den vergangenen Jahren rasant entwickelt. Und wenn man bedenkt, dass man recht coole Funktionsjacken nun auch bei Hermès oder Herno kaufen kann – dann schrumpft der Markt sportlicher Mode umso stärker, je näher man darauf schaut.

„Es ist mein Traumjob“

Michael Michalsky lässt sich davon nicht beirren. „Es ist mein Traumjob“, sagt er. Schon vor Jahren habe er auf Ibiza Schweizer kennengelernt, die über drei Ecken Kontakte zu dem Unternehmen hatten. „Da wäre ich gerne Chefdesigner“, sagte er ihnen – und wirklich meldete sich irgendwann Myriam Mele, die Geschäftsführerin. Sie wird überrascht gewesen sein, dass der mit gutem Selbstbewusstsein ausgestattete Designer nicht einfach nur Mode entwerfen wollte, sondern gleich die kreative Gesamtverantwortung für sich beanspruchte, nun also auch das öffentliche Erscheinungsbild in Anzeigen oder Schaufenstern oder in der Presse bestimmt.

Im Sommer begannen sie mit der Arbeit. „Für mich war es ein Aufbruch wie 1996, als ich in Herzogenaurach begann“, sagt Michalsky, der für Adidas unter anderem die Kollektionen mit Yohji Yamamoto, Stella McCartney und Missy Elliott erfand – die Erfahrung mit „collaborations“ könnte auch für Jet Set mal interessant sein. Schon im Januar wird während der Pariser Männermodeschauen die erste Kollektion im Showroom präsentiert. Seine eigene „StyleNite“ im Tempodrom, einen der Höhepunkte der Berliner Modewoche, lässt der Designer dafür ausfallen.

Best-Ager im Teenager-Look

Außer Skiwear und Sportswear wird er auch Basics anbieten. Seine Zielgruppe sind die „millennial minded“, wozu er auch sich selbst zählt. Nicht ohne Ironie betrachtet er sich selbst als „Beenager“, zugehörig also der wachsenden Konsumentenkohorte der Best-Ager im Teenager-Look. Da wird ihm auch für die Easyjetsetter etwas einfallen, die weder von Jet Set noch vom Jetset je etwas gehört haben.

An Ideen hat es diesem Designer noch nie gemangelt. Und im Archiv, aus dem er schon fünf lange Stangen mit alten Sachen geholt hat, findet er Schätze, die einst für Grace Kelly oder Gunter Sachs gedacht waren. Auch die orangefarbene Jacke aus seiner Jugend wird neu herausgebracht. Im Sommer rief er seine Mutter an, und sie fand das gute Stück doch wirklich noch im Keller. Nun wird es modern konfektioniert. Von Bad Oldesloe nach Paris – so schnell kann's gehen, bei allen Umwegen.

Quelle: FAZ.NET
Alfons Kaiser
Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.
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