Stylisch und gesund

Taschen gegen Smartphone-Nacken

Von Jennifer Wiebking
 - 22:59
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Die Menschheit mag es mit dem Smartphone geschafft haben, zahlreiche Funktionen in einem einzigen Gerät zu vereinen, aber der Ballast wird für seinen Besitzer trotzdem nicht geringer. Das Thema ist bekannt. Schon der Schulranzen war vor 30 Jahren zu schwer, und auf eine sinnvolle Lösung des Problems ist bis heute niemand gekommen. Aber auch Erwachsene, die keine schweren Bücher mehr mit sich herumtragen müssen, sind vor Haltungsschäden eben nicht sicher. Das Handy mag federleicht sein, die ständigen Updates in den Apps und der nicht enden wollende Strom an neuen Mails, die im Postfach landen, sind dann aber trotzdem so wichtig, dass der moderne Mensch heute viel Zeit vornübergebeugt verbringt.

Der aufrechte Gang gilt als entscheidender Schritt in der Evolution. Seit ein paar Jahren läuft und sitzt der Mensch nun eher gebeugt über dem Smartphone, um auf dem neuesten Stand zu bleiben oder gar den entscheidenden Schritt voraus zu sein. Die Begleiterscheinung: der Smartphone-Nacken. Wer auf sein Handy schaut, senkt den Kopf meist um gut 45 Grad. Macht locker 20 Kilogramm mehr Gewicht, die der Rücken zu stemmen hat, also etwa so viel wie ein Kasten Wasser wiegt.

Immerhin, die Designer haben das Problem erkannt. Sie hängen ja selbst ständig am Handy. Vielleicht fertigen sie deshalb jetzt federleichte Taschen, der Rücken hat schließlich schon genug zu tun. Von Céline gibt es in diesem Sommer zum Beispiel eine Ledertasche, die vielmehr ein Tuch ist, zusammengehalten wird es an den vier Ecken. Der Online-Shop Net-a-porter verkauft eine Tasche von Simon Miller, die wie eine Butterbrot-Tüte aussieht, und PB 0110 hat ein Modell aus Polyamid zu bieten, das passenderweise den Namen „Airy“ trägt, diese Taschen sind ja wirklich federleicht. So leicht, dass diese Modelle auch gut fliegen können, denn unsere Fotos sind nicht verwackelt, sondern stilvoll unscharf.

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Tod's arbeitet unterdessen mit Canvas, auch das hilft, die Wirbelsäule zu entlasten. Die Shopper-Bags, zum Beispiel von Louis Vuitton, The Bridge oder Giorgio Armani, sind zwar eher Klassiker als Innovationen, aber immerhin kommen sie mit so wenig Metallbeschlägen aus, dass sie es locker mit dem Smartphone-Problem aufnehmen können. Und die Taschen haben noch einen Vorteil: Sie sind so riesig, dass man darin ewig nach seinem Handy kramen wird und es am Ende vielleicht gar nicht findet. Der Nacken dankt!

Quelle: F.A.Z. Magazin
Jennifer Wiebking
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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