Versteigerung in Genf

Der Diamant der Könige und Kaiser

Von Michaela Wiegel
 - 14:40

Die Franzosen haben ihren König guillotiniert, der Schatz der Monarchen aber hat Revolutionen und Umstürze überdauert. Davon zeugt der große rosafarbene Diamant „Le Grand Mazarin“, der an diesem Dienstag im Auktionshaus Christie’s in Genf versteigert wird. Der 19,07 Karat schwere Edelstein stammt aus den berühmten Golkonda Minen in Indien und gehörte zunächst Kardinal Jules Mazarin, der für König Ludwig XIII. und hernach für seinen Zögling Ludwig XIV. die französischen Regierungsgeschäfte führte. Mazarins Einfluss am französischen Königshof blieb bis zu seinem Tod 1661 ungebrochen. An Reichtum mangelte es ihm nicht, allein aus seinen kirchlichen Ämtern konnte er auf die Einkünfte von sechzig Abteien und des Erzbistums Reims zurückgreifen. Seine einzigartige Diamantensammlung vermachte Mazarin nach seinem Tod dem Sonnenkönig.

Dieser ließ den besonders schönen rosafarbenen Edelstein „Le Grand Mazarin“ zunächst in die Krone seiner Frau Maria-Theresia von Österreich einsetzen. Nach dem Tod der Königin wurde der Edelstein in die Diamantenkette des Sonnenkönigs eingearbeitet. König Ludwig XV. und König Ludwig XVI., der unter der Guillotine starb, schmückten sich ebenfalls mit dem Diamanten. Nach den Revolutionswirren ließ Napoleon Bonaparte den berühmten Edelstein aus einer geheimen Schatzkammer hervorholen. Zu seiner Hochzeit mit der Erzherzogin Marie-Louise von Österreich 1810 beauftragte er den Juwelier Francois Regnault Nitot, aus den geretteten Schätzen der Krone – darunter der Grand Mazarin, aber auch weitere Diamanten aus der Sammlung des Kardinals – ein Diadem für die Braut zu fertigen.

Im Schloss von Versailles können Besucher heute ein Gemälde der Kaiserin Marie-Louise mit ihrer Diamantenkrone sehen, das vom Maler Robert Lefevre erstellt wurde. Auch Louis XVIII, Charles X, Napoleon III. sowie dessen Frau Eugénie sollen später den Diamanten getragen haben. Christie’s schreibt in einer Notiz, vier Könige, vier Königinnen, zwei Kaiser und zwei Kaiserinnen hätten sich mit dem Grand Mazarin geschmückt. Der Diamant sei „ein zeitloses Symbol der Schönheit“.

Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 besiegelte den Abschied von den Reichtümern der Monarchie. Um die hohen Kriegsschuldzahlungen an das Deutsche Reich zu bestreiten, wurde „Le Grand Mazarin“ 1887 von der französischen Regierung unter den Hammer gebracht. Damals ersteigerte ihn der französische Juwelier Frédéric Boucheron, dessen Name am Place Vendome in Paris als Teil der Kering-Gruppe überdauert hat. 1962 wurde der rosafarbene Diamant im Louvre gezeigt. Die Ausstellung „Schätze der französischen Krone“ wurde zum Publikumserfolg. Seither konnte die Öffentlichkeit den Diamanten nicht mehr erblicken – bis zu der jetzt organisierten Ausstellung zu Verkaufszwecken. Der Verkäufer legt auf Anonymität Wert. Laut Christie’s dürfte der geschichtsbeladene Diamant zwischen sechs und neun Millionen Euro wert sein.

Farbige Diamanten erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren merklich gestiegen. Im vergangenen Jahr erzielte das Auktionshaus Sotheby’s in Genf für den Diamanten „Unique Pink“, den „einzigartigen Rosafarbenen“, knapp 27,8 Millionen Euro. Der 15,38 Karat schwere Edelstein wurde damals als weltgrößter rosafarbener Diamant in Perlenform vorgestellt. Schon der Schätzpreis war im Mai 2016 mit 28 bis 38 Millionen Dollar angegeben worden. Den bislang höchsten Auktionspreis für einen rosafarbenen Diamanten hatte Sotheby’s 2013 mit 46,2 Millionen Dollar für den 24,8 Karat schweren Stein „Graff Pink“ erzielt.

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© AFP, reuters
Quelle: F.A.Z.
Michaela Wiegel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michaela Wiegel
Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.
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