Women against Trump

Von BIFEN XU mit Fotos von RALPH MECKE

26.09.2017 · Sie sind Journalistinnen in New York. Und sie schreiben gegen den amerikanischen Präsidenten an. Eine neue Generation von Frauen zeigt der Öffentlichkeit, wofür sie steht.

Mauren O’ Connor trägt eine gepolsterte Bomberjacke mit Streifen von Diane von Furstenberg, Anhänger in Weißgold mit Diamanten aus der „Possession Collection” von Piaget.

Mauren O’ Connor, „New York Magazine“

Sie kennt sich mit vielen Dingen aus. Maureen O’Connor schreibt seit drei Jahren eine Sex-Kolumne für das „New York Magazine“. „Das mit der Kolumne war deren Idee“, sagt sie, ohne dass es wie eine Entschuldigung klingt. Davor war Maureen O’Connor Redakteurin bei „The Cut“, der Website für Frauen, auf der von Mode bis Liebe viele Lebensthemen aufgegriffen werden. 2011 enthüllte sie für den Blog „Gawker“, dass der Kongressabgeordnete Chris Lee über die Website „Craigslist“ nach Sexpartnern gesucht hatte; kurz darauf trat Lee zurück. Seit Donald Trump Präsident ist, hat Maureen O’Connor wieder Lust auf politische Themen. „Es gibt keinen Ausweg: In diesen Zeiten muss man über Politik reden“, sagt sie beim Shooting für dieses Magazin. „Der Wahlkampf war sexuell aufgeladen, ja belastet. Die Politik ist so präsent seit der Wahl, dass sie auch unser ganzes privates Leben bestimmt.“ Da kann sie natürlich nicht schweigen.


Lizzie Crocker trägt einen langen cremefarbenen Mantel und Kleid aus Kaschmir von The Row.

Lizzie Crocker, „The Daily Beast“

Sie ist senior reporter bei der von Tina Brown gegründeten Website. Lizzie Crocker schreibt beim „Daily Beast“ über alles – von Sex bis Mode, von Celebritys bis Medien. Donald Trump als Präsident hat ihre Rolle als Reporterin grundlegend verändert, sagt sie. „Viele Leute, die in den Obama-Jahren den Medien noch trauten, trauen ihnen jetzt nicht mehr. Für uns wird es also schwieriger, Artikel zu schreiben, auch wenn es nicht um Politik geht.“ Denn wenn sich die Wahrnehmung ändert, muss der Journalismus darauf reagieren, meint sie. Was es nicht einfacher macht: „Der Wettbewerb ist viel schlimmer geworden und viel aggressiver.“ Trotzdem liebt sie ihren Job. „Was ich am meisten liebe: dass ich jeden Tag dazulerne.“ Insofern hat sogar noch Donald Trump sein Gutes: In diesem Jahr lernt sie besonders viel dazu.


„Der Wahlkampf war sexuell aufgeladen, ja belastet. Die Politik ist so präsent seit der Wahl, dass sie auch unser ganzes privates Leben bestimmt.“
Mauren O’ Connor, „New York Magazine“

Emily Steel trägt einen Jumpsuit aus Samt und Seide mit Krawattenband von Tory Burch.

Emily Steel, „New York Times“

Anfang April berichtete die „New York Times“, der „Fox-News“-Moderator Bill O’Reilly habe Schweigegeld in Höhe von 13 Millionen Dollar an fünf Frauen gezahlt, die ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen hatten. Die Nachricht schlug ein. Anzeigenkunden des Senders zogen sich zurück, und der Konzern 21st Century Fox trennte sich von dem in rechten Kreisen beliebten Moderator. Aufgedeckt hat die Geschichte Emily Steel, gemeinsam mit ihrem „Times“-Kollegen Michael S. Schmidt. Emily Steel wollte schon immer Journalistin werden. Als kleines Mädchen war sie fasziniert davon, Menschen zu befragen, die Wahrheit herauszufinden und von Tatsachen zu berichten. „Das bewirkt etwas: in dunkle Ecken leuchten und den Mächtigen auf die Finger schauen. Wir müssen damit weitermachen. Es gibt nichts Wichtigeres, als darauf zu achten, dass die Berichte fair und richtig sind. Das ist die einzige Art, wie wir die Angriffe auf die Medien parieren können. All diese Anschuldigungen von wegen fake news, die muss man wirklich mit Fakten bekämpfen.“


Eve Peyser trägt einen übergroßen gestreiften Mantel von Public School.

Eve Peyser, „Vice“

Sie arbeitet erst seit zwei Jahren als Journalistin, aber sie wirkt erfahren. Bei „Vice“, dem schrägen und oft überraschend relevanten Online- und Print- Magazin, schreibt Eve Peyser zum ersten Mal über Politik – zuvor hatte sie unter anderem für die Tech-Website „Gizmodo“ gearbeitet. „Ich versuche wirklich, nachsichtig zu sein mit Leuten, mit deren Meinung ich nicht übereinstimme“, sagt sie. „Besonders, weil wir in Zeiten leben, in denen jeder dauernd über jeden herzieht.“ Ihr Großmut hilft ihr aber nicht immer weiter. Im Internet scheinen die Arbeitstage 24 Stunden zu dauern, und Online-Leser üben keine Nachsicht. „Ich habe 50.000 Follower bei Twitter, da fühle ich mich schon angreifbar.“ Irgendwann hat sie auch mal genug von allem, vor allem von Donald Trump. Dann lässt sie bei Twitter nur noch diese wütend erschöpfte Zeile los: „this guy is addicted to fucking up and i’m exhausted“.


Irin Carmon trägt ein kurzes Stretchkleid von Opening Ceremony.

Irin Carmon, „Washington Post“

Wenn sogar die Konkurrenz sie lobt! Die „New York Times“ schrieb, Irin Carmon sei bekannt für ihre Intelligenz und ihre feministische Aufrichtigkeit. Die Journalistin, die im Ressort „Outlook“ der „Washington Post“ schreibt, war als Mitautorin von „Notorious RBG: The Life and Times of Ruth Bader Ginsburg“ (2015), der Biographie der Supreme-Court-Richterin, drei Monate auf der Bestseller-Liste der „New York Times“. Früher war Irin Carmon Reporterin bei den Sendern MSNBC und NBC. Bei der „Post“ schreibt sie über Justiz, Politik, Gender. Und was rät sie jüngeren Feministinnen? „Historisches lesen! Die Geschichte bewegt sich immer einen Schritt vor und zwei zurück. Immer wenn Unterdrückte ihr Recht einfordern, seien es Schwarze oder Frauen, fühlen sich andere bedroht. Wir müssen die Menschen davon überzeugen, dass eine gerechte Gesellschaft auch Frauen und Menschen jeder Hautfarbe umfasst. Es dauert. Aber nur weil viele dagegen sind, heißt das nicht, dass sie die Zukunft bestimmen.“


Eliza Brooke trägt einen schwarzen Pelzmantel mit goldenem Futter von Oscar de la Renta, ärmelloser Rollkragenpullover von Michael Kors Collection, Hose mit hoher Taille von 3.1 Phillip Lim.

Eliza Brooke, „Racked“

Auch diese Website gehört zu den vielen amerikanischen Meinungsseiten, die von einer Anleitung zum Sticken mühelos zu einem Totalverriss der white supremacy übergehen. Eliza Brooke, die über Business, Kultur und Mode schreibt, ist bei „Racked“ also richtig am Platz. Nach ihrer Zeit bei „Fashionista“ und „TechCrunch“ begann sie bei „Racked“ zunächst im Moderessort. Aber als im vergangenen Jahr der Wahlkampf zwischen Donald Trump und Hillary Clinton lief, schrieb sie auch über Politik – und wie sie das Leben, die Mode und das Einkaufsverhalten verändert. Manchmal wird es ganz konkret: „Über die Trump-Marken, zum Beispiel die von Ivanka, muss man natürlich berichten. Jeder ist hier über Nacht zu einem politischen Reporter geworden.“ Es sieht nicht so aus, als ob sie mit dieser neuen Rolle hadern würde.


Prachi Gupta trägt eine Bomberjacke im College-Stil, Sweatshirt und Jeans von Tommy Hilfiger.

Prachi Gupta, „Jezebel“

Seit der Amtseinführung des Präsidenten ist auch bei „Jezebel“ der Teufel los, obwohl sich die Website vor allem um „Celebrity, Sex, Fashion“ kümmert. Als senior reporter füllt Prachi Gupta unter anderem ihren politischen Podcast „Big Time Dicks“ mit all den Schauergeschichten aus Washington. Die Einunddreißigjährige, die Business studiert und bei vielen Medien gearbeitet hat, schrieb bis Ende vergangenen Jahres bei „cosmopolitan.com“ über den Wahlkampf – und konnte unter anderen Hillary Clinton, Ivanka Trump und Michelle Obama interviewen. Im Journalismus fehlt es noch an diversity, meint sie: „Als ich begann, gab es kaum Farbige in den Medien. Nicht nur deswegen habe ich eine große Verantwortung, sondern auch, weil ich Zugang zu Politikern habe, den andere nicht haben. Man muss aufpassen. Denn wenn man Politiker einfach machen lässt, ist das schlecht für alle. Wir müssen sie dauernd mit unseren Fragen bedrängen.“


„Wir müssen die Menschen davon überzeugen, dass eine gerechte Gesellschaft auch Frauen und Menschen jeder Hautfarbe umfasst. Es dauert. Aber nur weil viele dagegen sind, heißt das nicht, dass sie die Zukunft bestimmen.“
Irin Carmon, „Washington Post“

Jessica Iredale trägt einen Trenchcoat und Lederhosen von Proenza Schouler, Kaschmirpullover von Ralph Lauren Collection, Boots von The Row.

Jessica Iredale, „Women’s Wear Daily“

Vor zwölf Jahren begann sie bei der täglich erscheinenden Fachzeitschrift. Ihr erster Job: Assistentin von Bridget Foley, der WWD-Instanz. Jessica Iredale hat sich hochgeschrieben, darf längst Modekritiken schreiben und reist zu den Schauen nach Europa. Seitdem Donald Trump die Präsidentenwahl gewonnen hat, registriert sie bei vielen amerikanischen Designern, dass sie das Thema Frauenrechte nach vorne bringen. „Das hat man ganz klar gesehen bei den Schauen mit den Kollektionen für diesen Herbst. Viele Designer haben geradezu politische Mode gemacht. Und die meisten haben ihre Meinung zum neuen Präsidenten gesagt.“ Aber auch in politisch nicht so bewegten Zeiten arbeitet sie in einem Traumberuf: „Ich spreche gern mit Designern, und die Schauen sind ein kulturelles Ereignis.“


Mattie Kahn trägt ein Kleid mit „puritan collar“ und Polkatupfen von Altuzarra, Kette in Weißgold privat, Ohrringe von Piaget.

Mattie Kahn, „elle.com“

Sie stammt aus New York, und deshalb setzt sie sich für New York ein. Auch ihr Arbeitsplatz ist in New York, bei der „Elle“. Schon als Studentin erfuhr sie, was politischer Journalismus bedeutet: Einen Sommer lang half sie den Journalisten John Heilemann und Mark Halperin bei der Arbeit an dem Buch „Game Change“ über die Präsidentenwahl 2008. Seitdem ist sie besessen von politischen und feministischen Themen. „Wenn die Modeszene angeblich ein einziges Drama ist, dann ist Politik die nächste Stufe. Denn die Mode ist einfach nur lustig, und die Leute sind verrückt. Politik ist zu 100 Prozent narzisstisch.“ Vielleicht trifft sie sich daher zu Hintergrundgesprächen lieber mit Frauen als mit Männern. „An einem spannenden Tag telefoniere ich morgens mit Cecile Richards, der Chefin von Planned Parenthood, und am Nachmittag mit der demokratischen Senatorin Kamala Harris. Was für ein Privileg, solche tollen Frauen interviewen zu dürfen!“

Fotograf: Ralph Mecke Styling und Casting: Markus Ebner Stylingassistenz: Evelyn Tye und Laurie Arbellot de Repaire Haare und Make-Up: Markphong Tran (Artists by Timothy Priano) Fotografiert am 20. Juli 2017 in den Jack Studios in New York.
Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin