Bose Soundlink Revolve im Test

Nicht Bose sein

Von Marco Dettweiler
 - 10:57
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Wie erkennt man einen Trend, der nicht aufzuhalten ist? Wenn große Hersteller ihre Produkte so modifizieren, dass sie zur Mode passen. Bose hat seinem Bluetooth-Lautsprecher Soundlink jetzt einen 360-Grad-Sound verpasst und ihn Soundlink Revolve genannt. Solche runde Böxchen haben auch Samsung, JBL, Ultimate Ears, Libratone, Cambridge Audio, Sony, Amazon, Apple und einige anderen. Sie gibt es schon seit einigen Jahren.

Die aktuelle Welle soll noch mehr die Jugendlichen ins Schwimmbad auf die Wiese, ins Wohnzimmer auf den Teppichboden oder überall dorthin treiben, wo zusammen Musik gehört wird. Das Konzept ist immer das gleiche: Die Lautsprecher strahlen die Musik so ab, dass sie gleich klingen, egal auf welcher Seite sich der Hörer befindet. Somit können mehrere Leute rund um die Box sitzen und zuhören. Um diese Geselligkeit zu ermöglichen, müssen die Hersteller die Membranen horizontal anordnen.

Der Soundlink Revolve kommt mit einer aktiven Membran aus. Ein Breitband-Treiber produziert die Schallwellen für den kompletten Frequenzbereich. Sie strahlen nach unten ab, wo sie von einem Diffusor verteilt werden, um dann durch die Löcher an der Seite gleichmäßig nach Außen zu gelangen. In der oberen Hälfte des Gehäuses sitzen noch zwei Passivmembranen für die Verstärkung der tiefen Töne.

Im Büro bot sich der Schreibtisch als Stellfläche an, um den Soundlink musizieren zu lassen. Nach wenigen Takten ist klar: Bose hat einen transparenten, feinen Klang hinbekommen. Es dröhnt nichts, nichts klingt dumpf. Einzelne Instrumente oder Töne setzen sich deutlich von anderen ab. Stimmen klingen weder blechern noch dünn.

Doch der Sound klingt nicht so satt, gefällig und warm, wie wir es von den Bose-Kopfhörern gewohnt sind. Die Quantität des Basses lässt sich in Maßen durch eine andere Aufstellung ändern. Das Experimentieren kann beginnen. Den Soundlink mehr oder weniger nah an die Wand gestellt, die Ohren mal ein Meter oder auch mal vier oder fünf Meter auf Entfernung gebracht, etwas lauter oder leiser gedreht, findet sich irgendwann die Stelle, an der er am besten klingt. Mehr an die Wand und somit auch weiter weg vom Hörer, nähert sich der Soundlink dem erwünschten Klang.

Verarbeitung und Funktionalität sind sehr gut. Der gummiartige Deckel mit den sechs Funktionstasten ist griffig, der restliche Teil der Box aus stabilem Metall. Das Gehäuse hat die Schutzklasse IPX4, ist somit “nur“ gegen Spritzwasser und Regen geschützt. Der UE Boom 2 von Logitech hat zum Beispiel IPX7, kann also auch mal eine Weile im Wasser abtauchen.

Der Revolve liegt sicher in der Hand, sodass man ihn bequem tragen kann. Zwölf Stunden Akkulaufzeit sind nicht ganz realistisch. Falls das Smartphone klingt, mit dem der Soundlink verbunden ist, kann man den Anruf annehmen, weil die Box auch als Freisprechanlage dient. Deswegen lassen sich Handys auch mit Siri oder Googles Sprachassistent steuern.

Wer möchte, kann eine analoge Quelle über eine 3,5-Millimeter-Klinke anschließen. Für 30 Euro gibt es eine teure, aber auch praktische Ladeschale, auf die man den Lautsprecher stellen kann.

Doch 230 Euro sind für den Revolve ein bisschen viel. Die Konkurrenz ist in diesem Bereich sehr gut und hat günstigere Produkte anzubieten.

Quelle: F.A.Z.
Marco Dettweiler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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