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Ende März geht’s los

Countdown zum Umstieg auf DVB-T2

Von Wolfgang Tunze
© dpa, F.A.Z.

Schreck lass nach: „Millionen TV-Haushalten droht schwarzer Bildschirm“, mahnt der Bundesverband Technik des Einzelhandels in seiner jüngsten Pressemeldung. Ein vorgezogener Aprilscherz? Zunächst eine Teilentwarnung: Veränderungen stehen nur für das Antennenfernsehen DVB-T ins Haus. Wer seine TV-Programme via Kabel, Satellit oder Internet bezieht, kann unverdrossen und ohne Handlungsbedarf weiter gucken wie bisher. Wer gar nicht so genau weiß, über welche Infrastruktur die bewegten Bilder eigentlich auf den Schirm kommen, geht im Teletext des Ersten oder von RTL einfach auf die Seite 199: Sie klärt darüber auf, ob die TV-Signale über die Antenne vom Funkturm kommen oder aus irgendeiner anderen Quelle.

Für Antennen-Gucker wird es jetzt tatsächlich höchste Zeit, Vorkehrungen zu treffen, denn am 29. März quittiert DVB-T in vielen Regionen Deutschlands den Dienst, allerdings nicht ersatzlos. Dem betagten Übertragungssystem folgt eine modernere Variante, DVB-T2 HD genannt. Sie bringt bis zu 40 Programme ausschließlich in HDTV-Qualität auf die Mattscheibe, verwendet dazu allerdings eine neue Technik, die passende Empfangsgeräte voraussetzt. Was man für das runderneuerte Antennenfernsehen braucht, haben wir in „Technik und Motor“ schon vor vier Monaten erörtert. Inzwischen aber gibt es neue Fakten — und damit Anlass genug für ein Update.

Mit einer passenden Settop-Box aufrüsten

So hatten wir noch im November 2016 festgestellt: Es gibt zwar schon Fernseher mit eingebauter Empfangselektronik für DVB-T2 HD, aber fast ausschließlich große, wohnzimmertaugliche Kaliber mit Ultra-HD-Bildschirmen. Zum Glück stimmt das so nicht mehr. Schließlich ist DVB-T2 HD ja insbesondere für kleinere Zweitgeräte interessant. Wer will schon vom Schlafzimmer aus ein Antennenkabel zur Sat-Schüssel oder zur Kabeldose verlegen? Inzwischen also sind viele einfache Full-HD-Fernseher, sogar solche mit küchengerechten 32-Zoll-Bildschirmen (Diagonale 81 Zentimeter) fit für den DVB-T2-HD-Empfang.

Woran erkennt man sie? Die Antwort ist nicht ganz trivial. Denn das neue Antennenfernsehen stellt zwei Anforderungen: Die Geräte müssen mit dem effizienteren Übertragungsstandard DVB-T2 zurechtkommen, und sie müssen darüber hinaus in der Lage sein, die ebenfalls enorm effiziente Videokodierung H.265, auch HEVC genannt, zu verarbeiten. Darüber aber geben die Kurzbeschreibungen im Mediensupermarkt nicht immer glasklar Auskunft. Ein grünes Logo mit dem Schriftzug DVB-T2 HD soll sie identifizieren, doch nicht an allen geeigneten Geräten ist das Etikett auch wirklich zu sehen. Finale Klarheit schafft eine Geräteliste auf der Website der deutschen TV-Plattform (http://www.tv-plattform.de/de/dvb-t2-hd-geraeteliste). Sie ist jetzt, anders als noch im vergangenen Herbst, umfassend und mit ihren Auswahlfiltern obendrein komfortabel. Wer mag, kann sich das Werk auch als PDF-Datei auf den Rechner laden und ausdrucken — als Rückversicherung beim Gerätekauf.

Wer nicht gleich ein neues Fernsehgerät anschaffen möchte, kann sein vorhandenes Modell auch mit einer passenden Settop-Box aufrüsten. Nach unserer Erfahrung gilt auch für diese Geräteart: Die Beschreibungen in den Regalen der Elektronikmärkte klären längst nicht immer zweifelsfrei, welche Modelle wirklich für DVB-T2 HD taugen. Im Zweifel also empfiehlt sich auch hier ein Blick in die Liste der TV-Plattform.

Umstieg bei mobilen Geräten

Nach dem Technik-Umstieg Ende März kann man über die Antenne sowohl alle wichtigen öffentlich-rechtlichen Programme empfangen (einschließlich 3Sat, Arte, ZDF Neo, Phoenix und der Dritten) als auch die Programmfamilien um Pro Sieben, RTL und Sat1. Allerdings: Die Privaten werden verschlüsselt ausgestrahlt. Zum Empfang braucht man entweder ein Entschlüsselungsmodul des Plattformbetreibers Freenet TV, das in den CI-Plus-Schacht des Fernsehgeräts gesteckt wird (Kostenpunkt: um 80 Euro) oder eine Settop-Box, die schon Freenet-TV-tauglich ist. Bis 30. Juni ist der Empfang der Privaten kostenfrei, danach sind je Jahr 69 Euro fällig.

Und wie sieht es mit mobilen Geräten aus? Für Macs, Windows-Rechner und Tablets gibt es USB-Empfangssticks; wir haben Modelle von Terratec (für Windows) und Eye TV (für Mac und Windows) getestet. Freenet TV hat einen Stick angekündigt, der auch für den Empfang der verschlüsselten privaten Sender funktionieren soll. Demnächst ist er fertig, wir werden ihn prüfen. Voraussichtlich werden auch bald Empfangsgeräte folgen, die das Antennenfernsehen über das Heimnetz verbreiten — für den Empfang auf allen erdenklichen Rechnern und Mobilgeräten.

Mehr Schärfe, als Satelliten oder Kabel liefern

Braucht man für den DVB-T2-HD-Empfang spezielle Antennen? Im Prinzip funktioniert alles, was auch mit dem bisherigen DVB-T-Empfang funktioniert hat. In den Zentren der Ballungsgebiete genügen zumeist Zimmerantennen, etwa kleine Teleskop-Stäbe oder mit Verstärkern ausgerüstete Modelle in allem möglichen Bauformen. Besonders praktisch ist eine neue, flexible Variante, die nicht viel dicker geriet als ein Blatt Papier: Sie lässt sich sogar diskret hinter dem Fernseher an die Wand heften. Ob es auf dem flachen Land eine Außenantenne sein muss und ob der Empfang überhaupt möglich ist, klären Karten oder eine Adressenabfrage auf dieser Website.

Wenn alles klappt, liefert DVB-T2 HD respektable Bildqualität. Netzbetreiber Freenet verspricht sogar mehr Schärfe, als Satelliten oder Kabel liefern, aber das ist übertrieben. Zwar strahlt das neue Antennenfernsehen die bewegten Bilder durchweg im Vollbild-Modus und mit 1080 Zeilen aus; Astra überträgt die öffentlich-rechtlichen Programme dagegen nur mit 720 Vollbild-Zeilen. Aber Freenet rechnet die 720-Zeilen-Motive einfach nur auf 1080 Zeilen hoch. Außerdem spendiert Freenet dem Antennenfernsehen nur einen Bruchteil der Datenrate, die Astra aufwendet, arbeitet allerdings mit einer sehr viel wirksameren Videokompression. Summa summarum: DVB-T2 HD sieht zwar nicht ganz so scharf aus wie der Satellitenempfang, kommt aber nahe an diese Qualitätsreferenz heran.

Quelle: F.A.Z.
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