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Lumix TZ-101 oder Olympus TG-5

Nimm mich mit, Kamera, auf die Reise

Von Hans-Heinrich Pardey
© Pardey, F.A.Z.

Warum überhaupt noch Reisekameras? Heute sind Fotoapparate doch keine unhandlichen Holzkisten mehr, und neun Zehntel aller Touristen haben ständig eine Kamera als Komponente ihres Taschentelefons bei sich. In zweierlei Hinsicht erscheinen speziell fürs Reisen entworfene, kompakte Digitalkameras jedoch nach wie vor sinnvoll: Manches Smartphone taugt, ob mit oder ohne Hülle, nicht für wirklich rauhe Bedingungen: Seewasser, Sand, Matsch, Eis und Schnee oder ein Sturz aus dem Wanderrucksack. Und so mancher Tourist möchte einfach deutlich bessere Bilder mit nach Hause bringen, als die besten Smartphone-Kameras sie bislang liefern können.

Die Olympus Tough TG-5 (rund 480 Euro in den Farben Rot oder Schwarz) ist, wie der Name schon sagt, eine Kamera fürs Grobe. Eine ihrer Vorläuferinnen wurde in der Redaktion schon mal in einer Cremetorte versenkt und mit dem übrigen Abwasch gereinigt, ohne dass sie aufhörte, Bilder zu machen. Staubfest, bis 15 Meter Tauchtiefe dicht, bis minus 10 Grad Celsius kältefest, überlebt sie auch Stürze aus einer Fallhöhe von 2,10 Meter. Man darf sich auch mal mit bis zu 100 Kilogramm auf sie draufsetzen. Ihre zwei Klappen sind rundherum mit Dichtlippen versiegelt und mit einer doppelten Verriegelung versehen.

Das Objektiv – Anfangslichtstärke 1:2, Brennweitenbereich 25 bis 100 Millimeter Kleinbildäquivalent – bleibt hinter seiner Glasscheibe. Ein Ring davor wird abgenommen, um Zubehör wie den Blitzdiffusor für Nahaufnahmen oder den Fisheye- und den Telekonverter anzusetzen. Der neue Sensor hat weniger Pixel als der im Vorgängermodell, sorgt aber mit dem gleichen Bildprozessor wie in der OM-D E-M1 Mark II für mehr Bildqualität, einen größeren Dynamikumfang und macht die Tough insgesamt etwas schneller. Ob energiefressendes GPS, 4k-Video, Vernetzbarkeit oder Spezialprogramme für die Unterwasserfotografie – die TG-5 hat eine sehr gute Ausstattung. Nur kommt man an manche Funktion wegen der kleinen Knöpfchen und Rädchen nicht so toll ran, vor allem mit Handschuhen nicht.

Klasse der „Edelkompaktkameras“

Die Lumix TZ-101 (rund 650 Euro) kann man völlig zu Recht in die Klasse der „Edelkompaktkameras“ mit 1-Zoll-Sensor (rund 20 Megapixel) einordnen, auch wenn das Kürzel TZ ausdrücklich für Traveller Zoom steht. Das Leica DC Vario-Elmarit mit optischer 5-Achsen-Bildstabilisierung hat eine Anfangslichtstärke von 1:2,8 und deckt einen Brennweitenbereich von 25 bis 250 Millimeter Kleinbildäquivalent ab. In einem jackentaschentauglichen Gehäuse haben die Lumix-Entwickler so ziemlich alles untergebracht, was man sich für eine kreative Bildgestaltung mit sehr guten Bildergebnissen wünschen mag. Die geballten Möglichkeiten wiegen dann betriebsbereit etwas über 300 Gramm.

Während die Olympus Tough auf einfachste Bedienung mitten in der Action ausgerichtet ist, verlangt das Ausreizen der Lumix einen Reisenden, der sich mit seiner Kamera und ihrer technischen Vielfalt gern ein wenig intensiver beschäftigt. Gewiss, auch die Lumix hat ihre Rundum-sorglos-Programme, einen Haufen Kreativ-Modi (Bildstile) und zwei Dutzend motivorientierte Szenen-Guides. Aber sie wartet mit Raffinessen auf wie 4k-Stand- und Bewegtbild oder „Post Focus“, der nachträglichen Bestimmung des Schärfepunktes. Sie ist zwar vernetzbar, hat aber keinen eigenen GPS-Empfänger, was für eine Reisekamera eigentlich gut passen würde.

Quelle: F.A.Z.
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Fotoapparat | Reise