Superdünner Fernseher von LG

Kaum dicker als eine Tapete

Von Wolfgang Tunze
 - 16:45

Wenn Medientechnik auf Science-Fiction trifft, darf er nicht fehlen – der Bildschirm von der Rolle, der wie eine Tapete ganze Wände bedeckt und dort nach Herzenslust Panoramabilder ausbreitet. Jetzt kommen die ersten Fernseher der Flachbild-Utopie schon ziemlich nahe: LG liefert in diesen Tagen seine jüngsten TV-Großkaliber mit dem Familiennamen Signature OLED W7V an den Handel. Sie kommen zwar immer noch nach alter Väter Sitte in Kisten in den Läden an – und nicht als Meterware in runden Zylindern. Doch sie zeigen klar die Richtung des Evolutionspfades: Der Flachschirm verschmilzt mit der Wand. LG bietet seine neuen Fernseh-Stars als 65- und 77-Zoll-Versionen an (also mit den Diagonalmaßen 165 und 196 Zentimeter, natürlich mit Ultra-HD-Pixelauflösung). Wir haben uns mit dem kleineren der TV-Riesen beschäftigt, dem OLED 65 W7V, der stolze 8000 Euro kostet.

Vier Hände sollten beim Auspacken beherzt zugreifen: Der eigentliche Bildschirm ist über seine gesamte Fläche hinweg nicht einmal vier Millimeter dünn und flexibel wie eine große Scheibe aus Plexiglas. Zur Wandbefestigung dient ein dünnes Stahlblech. In die passende Position gerückt, haftet der Schirm daran mit Hilfe von starken Magneten – und zwar lückenlos: Zwischen Wand und Bildschirm gibt es praktisch keinen Spalt, was dem futuristischen Medienmöbel bestechende Eleganz verleiht. Strom und Bildsignale bezieht die TV-Scheibe über ein weißes, etwa zwei Millimeter starkes Flachbandkabel, das zu einer Soundbar führt. Sie liefert also nicht nur den Ton zum Bild, sondern birgt auch die gesamte Ansteuerelektronik für den Bildschirm – einschließlich aller Antennen-, Audio-, Video- und Netzwerkanschlüsse.

Das Namenskürzel und die Bauform verraten es schon: Die neuen Geräte zeigen die Bilder nach dem OLED-Prinzip, das jeden bunten Bildpunkt mit einer winzigen Leuchtdiode darstellt. Die Vorzüge dieser Bildschirmart sind augenfällig: OLED-Schirme erzielen enormen Kontrast, zeigen finstere Bildpartien wirklich rabenschwarz und lassen Farben lebendig leuchten. Vor allem aber: Die Bildqualität von OLED-Schirmen bleibt konstant, ganz gleich, aus welchem Blickwinkel man auf den Bildschirm schaut. Der Gerechtigkeit halber: Zwar hat sich auch die LCD-Technik noch einmal deutlich weiterentwickelt und reicht in manchen Eigenschaften nahe an das OLED-Niveau heran. In puncto Helligkeit hat sie sogar die Nase deutlich vorn. Dennoch: OLED gilt immer noch als Rezept für besonders eindrucksvolle Bilder, und LG, der einzige Hersteller übrigens, der große Bildschirme nach diesem Prinzip baut, meldet sogar noch eine Reihe weiterer Verfeinerungen gegenüber den Vorjahresmodellen.

Zu den Spezialitäten der neuen LG-Geräte gehört auch opulente HDR-Ausstattung für die Wiedergabe von Filmproduktionen mit extrem hohem Kontrast, High Dynamic Range (HDR): LG unterstützt gleich drei verschiedene Standards, nämlich HDR+, das Verfahren, nach dem die meisten HDR-Produktionen auf Bluray-Videokonserven kommen, das aufwendigere Verfahren Dolby Vision, das sich in der Welt der Studios und der Wiedergabegeräte immer mehr etabliert, und HLG, das speziell für die Fernsehübertragung entwickelt wurde.

Die Zimmerdecke wirft den Schall zurück

Für adäquaten Ton soll Dolby Atmos sorgen: Die Soundbar kann Tonspuren nach diesem Verfahren dekodieren und wiedergeben – wenn auch nur auf virtuelle Art: Elektronische Helfer und Raumreflexionen erzeugen den Eindruck von Raumtiefe, zwei kleine Lautsprecher, die nach oben strahlen, steuern die Höhendimension bei: Die Zimmerdecke wirft den Schall zurück, dem Zuhörer scheint es, als käme er von oben.

Die Bedienung des LG-Modells erfordert ein wenig Eingewöhnung. So lässt sich die Fernbedienung wie ein Laserpointer nutzen. Man zeigt mit ihr auf den Bildschirm und steuert damit einen Cursor, was ruhige, möglichst zitterfreie Bewegungen verlangt. Hinzu kommt: Die grafische Oberfläche des Betriebssystems Web-OS, das LG für all seine vernetzten Fernsehgeräte verwendet, unterscheidet sich deutlich von den meisten visuellen Ordnungssystemen anderer Fabrikate. Doch daran gewöhnt man sich rasch – etwa an eine hilfreiche Symbolleiste am unteren Bildrand, die, ganz ähnlich wie das Dock in Mac-OS, Startflächen für Apps, Programmquellen, Bilder oder Musik aufreiht. Nach Belieben lassen sich neue Symbole aufnehmen, ebenso einfach lässt sich Überflüssiges entfernen.

Wer mag, kann sogar 360-Grad-Videos abspielen

Ein paar weitere Details noch zur Ausstattung. Eingebaute Tuner gibt es in jeweils doppelter Ausführung für alle drei Übertragungswege, an vier HDMI-Anschlüssen können Videoquellen andocken, drei USB-Buchsen, eine davon in der Version 3.0, erlauben den Anschluss von Festplatten, W-Lan-Funk ist Ehrensache, Video-Streaming in Ultra-HD-Auflösung ebenfalls, und wer mag, kann sogar 360-Grad-Videos abspielen.

Was die Bildqualität betrifft, so übertrifft die Praxis fast noch die Theorie. Speziell HDR-Videos sehen auf dem Ultra-Flachmann einfach grandios aus – mit gleißend hellen Details vor finsterem Hintergrund. Bemerkenswert ist auch, wie gut das Gerät selbst in sehr dunklen Bildpartien noch Details differenzieren kann. Und der Ton? In Stereo tönt die Soundbar voluminös und kräftig, gibt auch Musik mit ansprechenden Klangfarben wieder. Steht 3D-Sound auf dem Programm, kann sie natürlich nicht mit einer vollständigen Dolby-Atmos-Installation mithalten, aber immerhin gelingt ihr ein angenehmer räumlicher Sound, der den Kinoabend im Wohnzimmer durchaus bereichert.

Quelle: F.A.Z.
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