Audio & Video
TV-Geräte werden Designobjekte

Und wo ist der Fernseher?

Von Wolfgang Tunze
© Hersteller, F.A.S.

Geht’s noch dünner? Noch nicht einmal vier Millimeter dick ist das jüngste Fernseher-Flaggschiff des koreanischen Herstellers LG, gebaut, um sich wie ein Wandbild nahtlos vor die Tapete zu setzen. Die Technikbasis für solche Konstrukte heißt Oled: Bildschirme nach diesem Prinzip lassen sich wie eine Folie fertigen, dicht an dicht mit selbstleuchtenden Bildpünktchen besetzt.

LG versorgt auch viele andere Gerätehersteller mit Großdisplays dieser Art, natürlich in zeitgemäßer Ultra-HD-Auflösung. Sie lassen sich seither ebenfalls von den Vorzügen der Filigrantechnik inspirieren und bauen Apparate mit dem Charme von Designikonen. Sonys Modell Bravia A1 zum Beispiel lehnt seine zarte Bildschirmscheibe gegen eine breite Stütze – so ähnlich wie eine Schultafel von anno dazumal. Das Oled-Modell von Loewe heißt Bild 9. Dieser Apparat schwebt zwischen den dünnen Pfosten eines stählernen Gestells und lässt so Standfestigkeit luftig und leicht erscheinen. Samsung verzichtet auf die Oled-Technik, schließt sich aber dennoch dem Designtrend an: The Frame, also Bilderrahmen, ist der Name einer Modellreihe, die, ähnlich wie der superdünne LG, Wände schmücken soll.

Sonys Bravia A1 zeigt nach vorn nichts als eine glatte Scheibe.
© Hersteller, F.A.S.

Mit allen vier Modellen haben wir uns näher beschäftigt, allen voran mit dem 65 Zoll großen Signature W7 von LG (Diagonale 165 Zentimeter). Sein Bildschirm ist flexibel wie eine Scheibe aus Plexiglas. Ein Stahlblech, zuvor an die Wand gedübelt, hält ihn mit kleinen Magnetelementen. Den nötigen Versorgungsstrom und die Bildsignale bezieht der Bildschirm über ein dünnes Flachband-Kabel, das sich sogar mit einer Tapete kaschieren lässt. Die Steuerelektronik samt Schnittstellen steckt im Gehäuse der zum Komplett-Set gehörenden Soundbar. Interessant ist auch die Ausstattung für extrem kontrastreiche HDR-Programme: Der Fernseher unterstützt drei verschiedene Standards, ist also rundum zukunftssicher.

Die Bildqualität des Flachschirms überwältigt. Satte, fein differenzierte Farben, die, wie bei Oled-Schirmen üblich, aus allen Blickwinkeln gleich kräftig erscheinen, prägen den Eindruck. Speziell HDR-Videos sehen auf dem Ultra-Flachmann grandios aus, mit gleißend hellen Details vor tiefschwarzem Hintergrund. Bemerkenswert ist auch, wie gut das Gerät selbst in sehr dunklen Bildpartien noch Details differenzieren kann.

Dazu passt der Ton. Die Soundbar liefert ihn mit kräftigem Volumen, und wenn die Videokonserve Kinosound in Dolby Atmos anbietet, intonieren ihn die Lautsprecher sogar dreidimensional: Zwei eingebaute Chassis strahlen gegen die Decke, der Zuhörer nimmt die Reflexionen als virtuelle Schallquellen wahr. Allerdings ist der Spaß auch teuer. Rund 8000 Euro verlangt der Händler für den High-End-Flachmann.

Sony setzt auf das Betriebssystem Android

Sonys Bravia A1 gibt es in zwei Größen, einer 55- und einer 65-Zoll-Variante (140 und 165 Zentimeter, Preise um 4000 und um 5500 Euro). Das Reizvolle der Sony-Lösung: Der dünne, gegen seine Stütze leicht nach hinten geneigte Oled-Bildschirm zeigt nach vorn nichts als eine glatte, randlose Fläche. Nicht einmal Lautsprecher stören diesen Eindruck. Denn hier funktioniert der Bildschirm selbst als Membran – jedenfalls im Bereich der hohen und mittleren Töne. Sechs auf seiner Rückseite montierte Treiberelemente versetzen ihn unsichtbar in Schwingung. Ein flacher Tieftöner für die Bässe steckt in der Stütze. Sony setzt auf das Betriebssystem Android, was einige Vorteile hat. So lassen sich wichtige Voreinstellungen über die Synchronisation mit einem Android-Smartphone erledigen, im Playstore gibt es eine mächtige Auswahl nützlicher Apps, und wer mag, funkt Videos von seinem mobilen Android-Gerät einfach via Google Cast auf den Großbildschirm.

Zur Hochform allerdings läuft Sonys Apparat – wir haben der 55-Zoll-Version in die Pixel geschaut – mit Videokonserven in HDR-Qualität auf. Enormer Kontrast, ein wahres Feuerwerk an prächtigen, nuancenreichen Farben, tiefes Schwarz, konstante Qualität aus allen Blickwinkeln – das sind die wichtigsten Stichworte im Testprotokoll. Der Ton zum Bild ist nicht ganz so spektakulär, klingt aber durchaus natürlich und wartet, dank Basskraft aus der Stütze, auch mit einem ordentlichen Tieftonfundament auf.

Art-déco-Ästhetik hat hier offenbar die Gestaltung inspiriert

Die jüngste Oled-Variante von Loewe trägt den Namen Bild 9. Auch sie ist in den Kalibern 55 und 65 Zoll zu haben (Preise inklusive Aufstelllösung: 9990 und 7990 Euro). Art-déco-Ästhetik hat hier offenbar die Gestaltung inspiriert; Loewes Designer Bodo Sperlein ersann ein goldfarbenes, zart wirkendes Gerüst aus kantigen Rohren, das nicht nur den dünnen Schirm quasi in der Schwebe hält, sondern auch noch die Kabel in seinem Inneren versteckt.

Solange das Programm Pause hat, bleibt auch die schmale Lautsprecherzeile des Geräts unsichtbar. Nach dem Einschalten fährt sie aus dem unteren Bildrand heraus. Wer mag, ergänzt die zierlichen Schallwandler um gestandene Dreiwegeboxen, die von kongenial gestalteten Rahmenkonstruktionen gehalten werden. Sie heißen Klang 9, kosten als Paar 5990 Euro und halten den Kontakt zum Fernseher drahtlos über Funk. Ein paar Anmerkungen noch zur Technik des TV-Geräts: Loewe setzt auf ein eigenes Betriebssystem mit einer minimalistischen, aber klaren Nutzeroberfläche; Apps, Mediatheken oder Webradio-Stationen sind mühelos zugänglich. Die Schnittstellen: Wie üblich gibt es Doppeltuner für alle Signalwege, vier HDMI- und drei USB-Anschlüsse.

Von einer Medienanlage dieser Preisklasse darf man nichts anderes erwarten als überragende Leistungen, und die kann man der schönen Kombination auch nur bescheinigen. Das Bild des Oled-Schirms – wir haben uns diesmal die 65-Zoll-Version angeschaut – dokumentiert nicht nur das Potential der Oled-Technik, es offenbart auch exzellente Signalverarbeitung. Besonders spektakulär wirken HDR-Bilder in Dolby Vision; Loewes Bild 9 nutzt diesen Standard. Die passenden Lautsprecher taugen für anspruchsvolle, eher warm timbrierte Musikwiedergabe, sie machen aber auch im Heimkino-Betrieb eine sehr gute Figur, nicht zuletzt durch ihre überraschend satte Basskraft.

Samsungs Frame lässt sich nahtlos an der Wand befestigen

Samsungs Beitrag zum schöneren Sehen stützt sich auf konventionelle LCD-Technik; der Bildschirm des The Frame genannten Modells geriet denn auch rund vier Zentimeter dick. Attraktiv ist diese Lösung dennoch – nicht allein wegen ihres im Vergleich zu den Oled-Modellen deutlich geringeren Preises. Der 55-Zoll-Frame kostet um 2300 Euro, die 65-Zoll-Version ist für 3200 Euro zu haben. Wie der superdünne LG, so lässt sich auch Samsungs Frame nahtlos an der Wand befestigen. Die Empfangselektronik und alle Schnittstellen stecken in der separaten „One Connect Box“, die sich zum Beispiel in einem Sideboard verstecken lässt. Die Signalübertragung zum Schirm erledigt ein fast unsichtbares, zwei Millimeter dünnes Glasfaserkabel. Als größeres Problem bleibt die Netzstrippe. Sie ist jedoch flach und weiß, fällt also vor einer hellen Tapete nur wenig auf.

Die Idee, den Fernseher als Wandbild zu inszenieren, hat Samsung konsequent durchgespielt. So gibt es drei verschiedene Rahmenvarianten zum Wechseln (Preise je nach Bildschirmgröße: 250 und 300 Euro). Die Rahmenelemente sind über Magnete mit dem Bildschirm befestigt, vier Handgriffe erledigen den Austausch in Sekunden. Hat das TV-Programm Pause, zeigt der Fernseher auf Wunsch Leinwandkunst oder Fotos als Standmotive, gern auch mit überraschend echt wirkendem Passepartout und mit einer Auflösung, die selbst Textilstrukturen realistisch darstellt. Ein Lichtsensor dimmt dann die Helligkeit des Fernsehers passend zum Umgebungslicht – nicht nur im Sinn der Werktreue, sondern auch, um Strom zu sparen. Etwa 100 Kunstmotive stehen zur Auswahl, eine passende Smartphone-App hilft bei Suche und Auswahl. Mit der übrigen Ausstattung ähneln die Frame-Geräte allen anderen Samsung-Modellen dieser Smart-TV-Klasse; dazu gehört die perfekte Bedienoberfläche ebenso wie das übliche Komplettangebot an Schnittstellen.

Die Bildqualität bleibt natürlich hinter den spektakulären Vorgaben der Oled-Schirme zurück, wirkt also etwas blasser und nicht ganz so kontrastreich, muss sich aber dennoch nicht verstecken. Schaut man frontal auf die Bildfläche, wirken auch hier die Farben sehr natürlich, Bewegungen erscheinen stets flüssig, Details zeigen sich klar und konturiert.

Quelle: F.A.S.
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